Leitlinien zur Umsetzung von „Amoris laetitia" in der Pastoral

Balance zwischen Norm und Anwendung im Einzelfall

Kardinal Ennio Antonelli (geb. 1936) blickt mit Sorge auf die Verwirrung, welche durch die unterschiedlichen Interpretationen des Nachsynodalen Apostolischen Schreibens „Amoris laetita“ ausgelöst worden ist. Es geht um die Frage, wie die pastoralen Richtlinien des päpstlichen Dokuments in der Ehepastoral angewendet werden sollen. Was das Problem der Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten betrifft, so weicht Kardinal Antonelli nicht von der gültigen Lehre der Kirche ab, sieht aber einen neuen Spielraum. Diesen jedoch begrenzt er klar auf die grundsätzliche Bereitschaft, den Widerspruch zum Gebot Gottes anzuerkennen und das Ideal aufrichtig anzustreben. So könnte beispielsweise eine Frau die Lossprechung empfangen, die ihrerseits ehrlich bereit wäre, um der gültigen Ehe willen mit ihrem neuen Mann enthaltsam zu leben. Sie kann nach ihrem Gewissen diesen Weg aber noch nicht verwirklichen, da ihr ungläubiger Partner davon nicht zu überzeugen ist und sie das Familienleben um der gemeinsamen Kinder willen nicht aufs Spiel setzen möchte. Aber auch in diesen Ausnahmefällen spricht Kardinal Antonelli letztlich vom irrenden Gewissen hinsichtlich des vollen Verständnisses der Situation. Für die deutsche Übersetzung danken wir herzlich Mag. theol. Michael Gurtner.

Von Ennio Kardinal Antonelli

1. Die Liebe – Fundament von Ehe und Familie

Heute ist eine überaus schwere Krise von Ehe und Familie evident: kirchliche Ehen werden weniger, die zivilen Ehen und noch mehr die Lebensgemeinschaften sind in starkem Aufschwung, die Scheidungsrate ist hoch, der Geburtenrückgang ist besorgniserregend, es herrscht Erziehungsnotstand.

Die Ehe erfreut sich keiner gesellschaftlichen Unterstützung: die Kultur des Individualismus und des Vorläufigen, unsensible und bestrafende Rechtsordnung, belastende wirtschaftliche Umstände wie die Jugendarbeitslosigkeit, die Unbeständigkeit am Arbeitsmarkt, der schwere Zugang zu Wohnmöglichkeiten, eine Organisation der Arbeit, die gegenüber den Bedürfnissen einer Familie unnachgiebig ist.

In dieser Situation sieht Amoris laetitia die authentische menschliche und christliche Liebe als die einzige Kraft, die in der Lage ist, Ehe und Familie zu retten. Diese wird in das Zentrum der Familie gerückt (vgl. AL 67), wie es bereits das Zweite Vatikanische Konzil (vgl. GS 48-49) empfohlen hat und wie es auch Papst Franziskus selbst wirkungsvoll betont hat, der ihr in der gesamten Apostolischen Ermahnung größte Bedeutung zukommen lässt, speziell in den Kapiteln IV und V.

Der Papst schreitet einige Grundzüge der wahren Liebe ab, wobei er dem Hohenlied der Liebe des hl. Paulus folgt (vgl. 1 Kor 13, 4-7), sie anhand des Familienalltags erklärt und sie darauf bezieht (vgl. AL 90-119). Er sagt, dass die eheliche Liebe dann authentisch ist, wenn sie den anderen um seiner selbst willen schätzt und sein Wohl will (vgl. AL 127).

Sie ist also gebefreudig und geistig; aber sie schließt auch die Zuneigung ein, die Zärtlichkeit, die Intimität, die Leidenschaft, das erotische Verlangen, das gegebene und empfangene Behagen (vgl. AL 125); als solche weist sie auf die mystische Vereinigung mit Gott voraus und nimmt diese vorweg, sie konstituiert einen besonderen Weg der Heiligung, eine eigene Berufung (vgl. AL 72; 74; 142; 316).

Die Beziehung des Paares ist ein andauernder Weg (vgl. AL 325), der die Schönheit und die Freude des Liebens und des Geliebtseins kennt, aber auch die Defekte und Sünden, die Schwierigkeiten und Leiden. Sie ist mit Realismus und Vertrauen zu betrachten, als ein voranschreitendes miteinander Wachsen und Realisieren (vgl. AL 37), mit kleinen Schritten, mit praktischem, geduldigem und ausdauerndem Üben (vgl. AL 266-267). „Die Liebe ist ein Handwerk“ (AL 221), ebenso wie die Erziehung der Kinder (vgl. AL 16; 271; 273).

Alle sind dazu angehalten demütig zu sein und sich um eine höhere Perfektion zu mühen (vgl. AL 325). Dieser Aufruf ist nicht nur an die sogenannten irregulären Paare gerichtet (der Papst zieht es vor, es „Situationen der Schwäche und Unvollkommenheit“ zu nennen, AL 296), sondern auch an die regulären Paare. Kein Paar, keine Familie ist perfekt. Alle sind der Gnade Gottes bedürftig; alle sind von ihm geliebt und für ihn wertvoll; allen bietet die Kirche pastorale Begleitung für ihren Weg an. Zu begleiten heißt nicht, auf autoritäre Weise Verpflichtungen aufzuerlegen, sondern zu einer verantwortungsvollen Freiheit zu erziehen. „Wir sind berufen, die Gewissen zu bilden, nicht aber dazu, den Anspruch zu erheben, sie zu ersetzen“ (AL 37).

Den Personen muss geholfen werden, die eigenen Überzeugungen und die eigenen Einstellungen reifen zu lassen, die Werte und die moralischen Normen, in denen sich die kindliche Liebe zu Gott und die brüderliche Liebe gegenüber den anderen konkretisiert (vgl. AL 264). Für diesen Zweck sind viele Elemente vonnöten: Erfahrungen, praktische Ratschläge, rationale Reflexionen, Beweggründe aus dem Glauben (vgl. z.B. AL 128; 133; 137; 139).

Die pastorale Begleitung muss sich aller annehmen, jedoch mit unterschiedlichem Augenmerk. Besonders geduldig und barmherzig muss sie mit denjenigen sein, die sich in einer Situation einer objektiv schweren Unordnung befinden. Sie sind wie Arme, Schwache, Leidende, im Leben Verletzte zu behandeln. Jedenfalls ist es die pastorale Priorität, wie es Amoris laetitia für die gegenwärtige Zeit ausweist, soweit als möglich den Wunden, Trennungen und dem Scheitern der Ehen zuvorzukommen. „Wichtiger als eine Seelsorge für die Gescheiterten ist heute das pastorale Bemühen, die Ehen zu festigen und so den Brüchen zuvorzukommen“ (AL 307; vgl. ebd., 211).

Man muss mit Vertrauen und Beharrlichkeit eine organische Familienpastoral entwickeln, welche die weitere und nähere Ehevorbereitung mit einbezieht, sowie nach der Eheschließung die Formung der Ehepartner, speziell der jungen Paare (vgl. AL 200; 202; 207; 208; 227; 229; 230). Fruchtbarer als die Einberufung von Versammlungen und überfüllten Treffen sind die personalisierte Nähe und die Familientreffen, in kleinen Gruppen und in kleinen Gemeinschaften. Zu diesem Zweck muss man die Familien selbst sowie deren missionarische Verantwortung ins Zentrum rücken („missionarische Familien“), indem man unter anderem die Zusammenarbeit von Bewegungen und kirchlichen Vereinen aufwertet.

Das Neue von Amoris laetitia, abgesehen vom achten Kapitel, scheint mir besonders in der großen Aufmerksamkeit für die allgemeine menschliche Erfahrung zu liegen, für das existentiell, religiös, geistlich Erlebte, mit detaillierten Analysen und Beobachtungen, vielen praktischen Ratschlägen und konkreten Hinweisen für die Personen und die Pastoral. Die vorrangig pädagogische Absicht legt eine diskursive, lebendige, einbindende Sprache nahe, die an alle gerichtet ist und für alle leicht zu lesen und zu verstehen ist, ohne großartige Sorge um die theologische und wissenschaftliche Genauigkeit. Das Dokument kann fruchtbar von Laien für ihre persönliche Bildung gebraucht werden sowie von den in der Pastoral Tätigen für die Katechese. Es selbst stellt ein wirksames Beispiel der kirchlichen Begleitung dar.

2. Kohärente Lehrentwicklung

Der Papst sagt, wobei er sich auf die beiden Familiensynoden bezieht: „Die Gesamtheit der Wortmeldungen der Synodenväter, die ich mit ständiger Aufmerksamkeit angehört habe, ist mir wie ein kostbares, aus vielen berechtigten Besorgnissen und ehrlichen, aufrichtigen Fragen zusammengesetztes Polyeder erschienen“ (AL 4). Das geometrische Bild eines Polyeders ruft suggestiv die Vielfalt der Gesichtspunkte und auch den perspektivischen Charakter der Wahrheit hervor, den ich nun unterstreichen möchte.

Die Wahrheit ist immer partiell und immer definitiv. Sie ist immer partiell, insofern sie durch die Begriffe Interpretation der Wirklichkeit in ihren besonderen erfassbaren Aspekten ist. Sie ist immer definitiv, insofern sie mittels der aussagenden Urteile Offenbarung des Seins ist. „An und für sich erscheint jede Wahrheit, auch Teilwahrheit, wenn sie wirklich Wahrheit ist, als universal. Was wahr ist, muss für alle und für immer wahr sein“ (Johannes Paul II.: Fides et Ratio, 27; vgl. auch 84; 87; 95). „(Die Wahrheit) ist in der Geschichte zu erkennen, übersteigt aber diese Geschichte“ (ebd., 95).

Dieser Diskurs gilt generell für jede Wahrheit; aber er bezieht sich erst recht auf die unfehlbar gelehrten Glaubenslehren der Kirche. Die Entwicklung muss kohärent sein. Sie gestattet die Integration neuer Perspektiven, nicht aber die Negation des vorangegangenen Sinngehalts; neue Formulierungen und Präzisierungen, keine Widersprüche. Sie vollzieht sich gemäß der Hermeneutik der Reform in der Kontinuität. Für gewöhnlich muss dieses Interpretationskriterium auch für die nicht definitiven Lehren angewandt werden. Daher muss Amoris laetitia im Lichte des vorangegangenen Lehramtes gelesen werden, und umgekehrt muss das vorangegangene Lehramt im Licht von Amoris laetitia wiedergelesen werden, wobei eventuell eine neue und kohärente Synthese zu entwickeln ist.

3. Die Morallehre

Amoris laetitia bestätigt die traditionelle Lehre: die christliche Ehe ist unauflösbar (vgl. AL 86; 123-124; 291-292); die Unauflöslichkeit der Ehe ist, mehr als ein Joch, ein Geschenk, das es zu schätzen und zu pflegen gilt (vgl. AL 62); die Scheidung ist ein Übel und ist wegen ihrer weiten Verbreitung besorgniserregend (vgl. AL 246; 291); die neue Verbindung der Geschiedenen und jegliche sexuelle Verbindung außerhalb der Ehe ist eine schwere moralische Unordnung (vgl. AL 297-298; 301; 305). (Vgl. auch die schwere Anklage bezüglich der „Gendertheorie“ des Papstes in Tbilisi in Georgien vom 1. Oktober 2016 „vom Weltkrieg gegen die Ehe“ und „der ideologischen Kolonisation“).

Leider schweigt Amoris laetitia über die negativen generellen Normen, die verbieten, das Böse zu tun. Diese verpflichten in jeder Situation, ohne dass man eine Ausnahme als objektiv erlaubt ansehen könnte, wie es, auf den Spuren der katholischen Tradition, die Enzyklika Veritatis splendor von Johannes Paul II. sehr maßgeblich lehrt: „Die negativen Gebote des Naturgesetzes sind allgemein gültig: sie verpflichten alle und jeden einzelnen allezeit und unter allen Umständen. Es handelt sich in der Tat um Verbote, die eine bestimmte Handlung semper et pro semper verbieten, ohne Ausnahme“ (VS 52; vgl. 78-82 und auch KKK 1750-1761; 2072). Niemals ist es erlaubt, sie zu übertreten, nicht einmal für eine gute Absicht oder einen löblichen Zweck (vgl. VS 80 sowie KKK 1753). Der Grund ist, dass die Akte, welche von diesem verboten sind, in sich selbst auf Grund ihres eigenen Inhaltes intrinsisch ungeordnet sind. Diese sind zum Beispiel: das Fluchen, die Apostasie, das direkte Töten einer unschuldigen Person, die Abtreibung, die Folter, die unrechtmäßige Aneignung fremden Eigentums, die Verleumdung, die Lüge, der Ehebruch, die sexuellen Unordnungen, zu denen selbstverständlich auch die Verbindungen der wiederverheirateten Geschiedenen und der anderen zusammenlebenden Paare zählen. Das Schweigen von Amoris laetitia über das Thema der negativen Normen kann die irrige Interpretation begünstigen, gemäß der in gewissen Fällen diese Verbindungen objektiv legitim wären, gleichsam als ein zur Ehe analoges Gut, wenn auch unvollständig.

Amoris laetitia schließt die Gradualität des Gesetzes und der doppelten Moral aus (vgl. AL 295; 300); somit stimmt es darin mit Veritatis splendor überein: „Es wäre ein schwerwiegender Irrtum, den Schluss zu ziehen, die von der Kirche gelehrte Norm sei an sich nur ein ‚Ideal‘, das dann, wie man sagt, den konkreten Möglichkeiten des Menschen angepasst, angemessen und entsprechend abgestuft werden müsse“ (VS 103; vgl. 104); es erkennt an, dass die Befolgung der Gebote mit Hilfe der Gnade wirklich möglich ist (vgl. AL 295; 297; 303), wobei es im Wesentlichen mit der Lehre des Konzils von Trient (vgl. DH 1568) und auch mit der vom hl. Johannes Paul II. (vgl. VS 65-70; 102-103) in Einklang bleibt. Manchmal allerdings bemerkt man in ihm Zweideutigkeiten in der Sprache, nachvollziehbar durch den diskursiven Ton und die kommunikative Notwendigkeit: beispielsweise schreibt man den zweiten Verbindungen der Geschiedenen und anderen sexuellen Lebensgemeinschaften die Qualität eines nicht perfekten und vorübergehend möglichen Gutes zu (vgl. AL 76; 78; 296; 303; 308), während es mit einer präziseren theologischen Sprache als ein moralisches Übel betrachtet werden müsste, dem einige Güter beigesellt sind (vgl. AL 308), „konstruktive Elemente“ (vgl. AL 292), Werte, die denen der Ehe entsprechen (vgl. 292), wie die Freundschaft, die gegenseitige Hilfe, oder die Hingabe an die Kinder.

Im Licht von Amoris laetitia und vor allem der Lehre des hl. Johannes Pauls II. in Familiaris consortio und Veritatis splendor dürfen die neuen Verbindungen der Geschiedenen und andere sexuelle Lebensgemeinschaften niemals als objektiv zulässig angenommen werden (vgl. AL 291; 297; 303; 305). Allerdings muss den Personen, die sich in solchen ungeordneten Situationen befinden, fortschreitend und auf verschiedene Weise geholfen werden, sich in das konkrete kirchliche Leben einzufügen, indem man einer jeden das ihr mögliche Gut anbietet (vgl. AL 308), versucht einen Skandal zu vermeiden (vgl. AL 297; 299), die Schritte in die richtige Richtung ermutigt (vgl. AL 305), wie das persönliche Gebet sowie das Gebet in der Familie oder in einer Gemeinschaft, das Hören des Wortes, die häufige Teilnahme an der hl. Messe, das verantwortungsvolle Bemühen um die Kindeserziehung, die Werke der Barmherzigkeit gegenüber dem Nächsten, die Freiwilligenarbeit, die kirchlichen Dienste (auch im Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand), und in der Art, den Herrn und seine Barmherzigkeit zu treffen, und zwar „auf anderen Wegen“, die von den Sakramenten unterschieden sind (vgl. hl. Johannes Paul II.: Reconciliatio et poenitentia 34).

4. Die subjektive persönliche Verantwortung

Gewiss vergisst Amoris laetitia nicht das objektive Moralgesetz; dennoch setzt es explizit umfangreich die Sicht des Gewissens und der persönlichen Verantwortung an die erste Stelle, wobei es unter anderem empfiehlt, diese in der pastoralen Praxis mehr zu beachten (vgl. AL 303). Das Dokument präzisiert richtigerweise, dass das Beobachten der Normen, so es ohne Liebe geschieht, vor Gott unzulänglich sein könnte (vgl. AL 304) und sich umgekehrt das Leben in der Gnade Gottes auch in einer objektiv ungeordneten moralischen Situation realisieren könnte, wenn die Bedingungen die subjektive Schuld vermindern oder ausschalten (vgl. AL 305). Eine Sache ist also die schwere objektive Unordnung, eine andere Sache die persönliche Todsünde, welche das volle Bewusstsein und die freie Zustimmung voraussetzt.

Amoris laetitia bestätigt das sogenannte Gesetz der Gradualität (vgl. AL 295), das bereits beim hl. Johannes Paul II. formuliert wurde: „(Der Mensch) kennt, liebt und vollbringt das sittlich Gute auch in einem stufenweisen Wachsen“ (Familiaris consortio, 34). Ein solches Gesetz impliziert, dass das Gewissen mitunter irren kann, ohne dabei aufzuhören, aufrichtig zu sein; es kann im Kontrast zur moralischen Norm agieren, ohne dabei ganz oder teilweise schuldhaft zu sein. Die Person könnte die generelle Norm nicht kennen (zum Beispiel, dass die sexuelle Beziehung außerhalb der Ehe immer unerlaubt ist); sie könnte den Wert nicht erkennen, der in der Norm enthalten ist, so dass sie aus innerer Überzeugung frei das Gute wählen und das Übel meiden könnte (zum Beispiel könnte sie nicht verstehen, dass die sexuelle Beziehung der Ehe zu eigen ist und nur innerhalb derselben Wert und menschliche Würde hat, als Ausdruck totaler gegenseitiger Gabe und als gemeinsame Gabe an die Kinder); sie könnte schließlich irrigerweise meinen, dass das Beachten der Norm, in ihrer speziellen Situation, unmöglich wäre, wobei dies sogar zur Gelegenheit für andere Sünden werden könnte (zum Beispiel könnte die sexuelle Enthaltsamkeit, wenn der Partner nicht einverstanden wäre, Gelegenheit für sexuelle Beziehungen mit anderen Personen werden und die Unterbrechung des Zusammenlebens provozieren, mit schweren Folgen für die Sorge und Erziehung der Kinder).

Ich sagte, dass die Einhaltung der moralischen Norm von der Person irrtümlich für unmöglich erachtet werden könnte, weil es in Wirklichkeit mit der Hilfe der Gnade Gottes immer möglich ist, die Gebote Gottes zu halten, auch jenes, gemäß der eigenen Lebensumstände keusch zu sein. Das Lehramt der Kirche lehrt dies, wobei es seine höchste Autorität aufwendet: „Gott befiehlt nicht das, was unmöglich ist, sondern im Befehlen fordert er dich auf, das zu tun, wozu du imstande bist, und um das zu bitten, wozu du nicht imstande bist, und er hilft dir, damit du imstande bist“ (Konzil von Trient, DH 1536). „Wenn jemand sagt, dass auch für den gerechtfertigten und in der Gnade stehenden Menschen die Gebote Gottes zu halten unmöglich ist: der sei im Banne“ (Konzil von Trient, DH 1568). „Die Befolgung des Gesetzes Gottes kann in bestimmten Situationen schwer, sehr schwer sein: niemals jedoch ist sie unmöglich“ (hl. Johannes Paul II.: Veritatis splendor, 102). Für denjenigen, der betet und eine intensive persönliche Beziehung mit Jesus Christus, dem Herrn, pflegt, und der mit Demut und Vertrauen die Hilfe seiner Gnade anruft, wird es möglich, die Gebote zu beobachten, und wenn es sich um einen wiederverheirateten Geschiedenen handelt, so wird es ihm möglich, die sexuelle Enthaltsamkeit einzuhalten.

Gemäß einer bekannten Metapher, die der hl. Johannes Paul II. mehrmals gebraucht hat, ist das christliche Leben so anstrengend wie der Aufstieg auf einen Berg, jedoch darf der Gläubige nicht darauf verzichten aufzusteigen, sondern er muss sich eifrig auf den Weg machen und mutig suchen, auf dem Weg in Richtung Gipfel voranzuschreiten. Tatsächlich bedeutet das Gesetz der Gradualität nicht, dass das Gesetz in einer mehr oder weniger weit entfernten Zukunft verpflichten wird. „Jedoch können sie das Gesetz nicht als ein reines Ideal auffassen, das es in Zukunft einmal zu erreichen gelte, sondern sie müssen es betrachten als ein Gebot Christi, die Schwierigkeiten mit aller Kraft zu überwinden. Daher kann das sogenannte ‚Gesetz der Gradualität‘ oder des stufenweisen Weges nicht mit einer ‚Gradualität des Gesetzes‘ selbst gleichgesetzt werden, als ob es verschiedene Grade und Arten von Gebot im göttlichen Gesetz gäbe, je nach Menschen und Situationen verschieden“ (hl. Johannes Paul II.: Familiaris consortio, 34). Aus diesem Grund darf man sich nicht in der Situation, die dem Gesetz entgegensteht, verfestigen; man darf sich nicht am Fuße des Berges einrichten. Auf der anderen Seite dürfen die Hirten im Lehren der Doktrin den Berg nicht niedriger machen und müssen im persönlichen Begleiten des einzelnen Gläubigen ihm helfen, dem eigenen Schritt gemäß hinaufzugehen, seinen Kräften entsprechend, wobei man sich sofort auf den Weg macht, bereit nach jedem eventuellen Fall wieder aufzustehen, entschlossen mit der Hilfe Gottes voranzuschreiten.

5. Pastorale Begleitung

Amoris laetitia fordert, dass die Priester und die anderen in der Pastoral Tätigen in Predigt und Katechese die christliche Auffassung der Ehe in ihrer Vollständigkeit darlegen (vgl. AL 303; 307). Auf der anderen Seite rät es, die Situation der ohnedies bereits von Leid und Unglück bedrückten Personen nicht noch zusätzlich zu erschweren, indem man ihr Gewissen belastet (vgl. AL 49). Diesbezüglich kann man daran erinnern, dass man mitunter ein geringeres Übel tolerieren muss, um ein größeres Übel zu vermeiden, sowie dass der Priester in der Beichte und der persönlichen Begleitung den Pönitenten zumindest für den Moment zulässigerweise durch sein Schweigen in Unwissenheit belassen kann, wenn er ihn für unfähig hält, eine objektiv schwere Unordnung abzulegen (zum Beispiel die Verhütung oder das irreguläre sexuelle Zusammenleben). Mit seinem Schweigen stimmt er nicht dem Übel zu; er arbeitet nicht mit diesem zusammen; er verhindert nur, es zu verschlimmern, indem er sich darum sorgt, dass die materielle Sünde sich nicht in eine formale Sünde verwandelt. Das zwischenmenschliche Gespräch hat nicht dieselbe Notwendigkeit an Vollständigkeit wie es die öffentliche Lehre hat.

Der Priester darf aber nicht fortfahren zu schweigen, nicht einmal gegenüber dem einzelnen Gläubigen, wenn dieser, während er in einer öffentlich bekannten Situation einer schweren moralischen Unordnung lebt, beabsichtigt, zur Kommunion heranzutreten, dem Sakrament der geistlichen und sichtbaren kirchlichen Einheit, welche eine Übereinstimmung in der Bezeugung des Glaubens und der objektiven Kohärenz in der Lebensform erfordert. „Es ist offensichtlich, dass das Urteil über den Gnadenstand nur dem Betroffenen zukommt, denn es handelt sich um ein Urteil des Gewissens. Aber in den Fällen, in denen ein äußeres Verhalten in schwerwiegender, offenkundiger und beständiger Weise der moralischen Norm widerspricht, kommt die Kirche nicht umhin, sich in ihrer pastoralen Sorge um die rechte Ordnung der Gemeinschaft und aus Achtung vor dem Sakrament in Pflicht nehmen zu lassen“ (hl. Johannes Paul II.: Ecclesia de Eucharistia, 37). Der objektive und offensichtliche Widerspruch erzeugt ein Ärgernis und bezieht die Verantwortung der kirchlichen Gemeinschaft, und speziell der Hirten, mit ein. Wenn der Priester über die irreguläre Situation Kenntnis besitzt, muss er die betreffende Person mit Respekt und Liebe ermahnen, nicht nur das eigene Gewissensurteil zu berücksichtigen; er muss ihre Zulassung zur eucharistischen Kommunion solange aufschieben, bis sie „mit dem Priester im forum internum“ (AL 298; vgl. 300) ein Urteil getroffen und unter seiner Anleitung einen geeigneten kirchlichen Weg abgeschlossen hat.

Nachdem die negativen Generalnormen immer und ohne Ausnahme verpflichten, ist der Christ, der sich in einer irregulären Situation befindet, vor Gott gehalten, das Mögliche zu tun, um aus dieser objektiven Unordnung herauszukommen und sein Verhalten mit der Norm zu harmonisieren. Es kann sein, dass sein irrendes Gewissen in gutem Glauben dessen nicht gewahr wird; aber der Priester, der ihn begleitet, muss ihn mit Liebe und Weisheit anleiten, zu unterscheiden und im Angesichte Gottes dessen Willen zu erfüllen, bis er eine mit dem Evangelium kohärente Lebensform annimmt.

Die Schritte, die auf diesem Weg ihren Platz finden könnten, sind die folgenden: a) die Gültigkeit der vorangegangenen Ehe prüfen und eventuell ein Nichtigkeitsurteil erhalten, wobei man sich der Erleichterung des Vorgehens bedient, die Papst Franziskus am 15. August 2015 mit den beiden Motu Propio Mitis Judex Dominus Jesus und Mitis et Misericors Jesus eingeführt hat; b) eine kirchliche Ehe schließen oder eine sanatio in radice für die Zivilehe; c) das Zusammenleben beenden, sofern keine Hindernisse entgegenstehen; d) die sexuelle Enthaltsamkeit halten, wenn keine anderen Lösungen möglich sind (vgl. hl. Papst Johannes Paul II.: Familiaris consortio, 84); e) im Falle eines vorübergehend unbesiegbaren Irrtums und daher einer Ablehnung der sexuellen Enthaltsamkeit, die im eigenen Fall für unmöglich oder für absurd und wertlos gehalten wird, im Lichte der Persönlichkeit und der gesamten Lebensführung (Gebet, Nächstenliebe, Teilnahme am Leben der Kirche und der Hochachtung ihrer Lehre, Demut und Gehorsam gegenüber Gott) die mögliche Aufrichtigkeit des Gewissens prüfen; darauf drängen, dass die Person sich zumindest zu beten und um geistliches Wachstum müht, mit dem Ziel, den Willen Gottes für die eigenen Belange, so wie er sich zeigen wird, korrekt zu erkennen und treu zu erfüllen; f) schlussendlich kann man die sakramentale Absolution und die eucharistische Kommunion gewähren, wobei man sich darum sorgt, Zurückhaltung zu wahren und den Skandal zu vermeiden (vgl. AL 299); g) der Priester braucht Liebe und Weisheit, um die Barmherzigkeit Gottes zu bezeugen, die allen und immer die Vergebung anbietet und zugleich, um zu unterscheiden, ob die Vergebung vom Pönitenten wirklich mit der notwendigen Umkehr angenommen wird (es scheint aber nicht, dass der Gläubige, solange er in einer objektiv ungeordneten Situation verharrt, das Recht auf die Sakramente beanspruchen kann, indem er sich auf seine innere Disposition und auf sein Gewissensurteil beruft. In Kapitel VIII scheint Amoris laetitia keine Befehle geben zu wollen, sondern lediglich Ratschläge).

Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 2+3/Februar+März 2017
© Kirche heute Verlags-gGmbH (Altötting)

Gedankensplitter zu einem Brief aus Südamerika

In der Frage steckt eine Logik

Weihbischof Dr. Andreas Laun äußert sich in der Diskussion um „Amoris laetitia“ eher zurückhaltend. Aber immer deutlicher lässt er durchblicken, dass er mit dem Dokument nicht glücklich ist. Es stehen inzwischen sehr unterschiedliche Interpretationen im Raum, vor allem was die Bedingungen für eine mögliche Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten betrifft. Für Weihbischof Laun ist dies ein absolut unbefriedigender Zustand. Eine gewisse Verantwortung für die angespannte Situation aber schreibt er auch Papst Franziskus zu. Und er ist der Ansicht, dass die aufgeworfenen Fragen nicht nur eine Antwort verdienen, sondern auch einer klaren Antwort bedürfen.

Von Weihbischof Andreas Laun

Kürzlich erhielt ich die folgende, besorgte, aber auch originelle und treffende Anfrage eines deutschen Priesters, der in Südamerika arbeitet:

Lieber Andreas, wenn die Frage der geschiedenen Wiederverheirateten so in der Schwebe bleibt, wie es der Heilige Vater im Moment tut, dann kann leicht folgende absurde Situation entstehen:

Der Beichtende legt seine Lage dar – sagt, dass er weiterhin ehelich mit der Gefährtin zusammenleben will –, verlangt mit Berufung auf die verschiedenen Bischofskonferenzen und letztlich auf den Papst die Absolution und ich sage: Mein Gewissen sagt mir, dass ich die Absolution nicht geben kann, obwohl der Papst die Frage offen hält – also kann ich Dir die Absolution nicht geben. Aber der andere besteht mit Berufung auf den Papst darauf, dass er absolviert wird und zur Kommunion zugelassen wird. Muss ich dann die Absolutionsformel ändern und sagen: „Der Papst absolviert dich von deinen Sünden im Namen des Vaters usw. …“? Für mich etwas absolut Absurdes! Aber kommt das Ganze nicht darauf hinaus?

Ich fürchte, in der Frage steckt eine Logik, der man nicht entkommt. Es gibt keine doppelte Wahrheit und auf manche Fragestellungen hin nur eine einzig wahre Antwort. Auch dann, wenn Bischöfe und ganze Bischofskonferenzen verschiedene Antworten geben. Einige sind wahr, andere sicher falsch. Die vier bekannten Kardinäle, die dem Papst ihre Fragen vorgelegt haben, wären mit dieser Veranschaulichung der Problematik vonseiten dieses Priesters aus Südamerika wohl zufrieden!

Ich fürchte, es führt kein Weg daran vorbei: Der Konflikt muss irgendwie ausgetragen werden, und dies ohne faulen Kompromiss! Man kann ihn nicht aussitzen. Dabei nützt auch nicht die Berufung auf den Gehorsam gegenüber dem Papst. Denn es ist katholische Selbstverständlichkeit. Der Papst ist zwar unfehlbar, aber dieses Charisma ist nicht ohne Beachtung sorgfältig beschriebener Grenzen zu verstehen und zu achten.

Voraussetzung ist dabei: Der Papst hat die Aufgabe eines Vaters, und einem guten Vater darf man Fragen stellen, auch kritische! Ein Papst kann ein öffentlich erkennbarer Sünder sein, er kann sich irren in Fragen, die nicht zum Glauben und zu dem Gebot Gottes gehören (z.B. bzgl. der Erderwärmung), in politischen Urteilen der Klugheit (z.B. ja oder nein zu einem Konkordat mit Hitler), bzgl. der Ursache einer homosexuellen Neigung (bzgl. derer wohl eher die Humanwissenschaften etwas sagen können als der Papst). Und dass sich auch ein Papst irren kann, wird niemand bestreiten, wenn man hört, ein Papst habe einen Vulkan für den Ausgang der Hölle gehalten, worüber man natürlich lachen darf, ohne das Ansehen des Papsttums zu schädigen und ohne zu meinen, dies sei ein Beweis für die Nichtexistenz der Hölle, von der schließlich auch Jesus gesprochen hat. Kein Katholik ist gehalten, angesichts irgendeiner solchen Panne seinen Verstand aufzugeben. Man darf schmunzeln, man darf widersprechen, darf sogar Widerstand leisten, wenn das Urteil des Gewissens eindeutig anderes sagt! Dabei gelten natürlich die auch sonst gültigen Regeln der Höflichkeit und oft ist es auch richtig, über den Fehler eines Papstes und auch anderer Menschen den Mantel eines liebevollen Schweigens zu breiten und sich die selbstkritische Frage zu stellen, welchen Nutzen das darüber Reden und „Outen“ bringen soll!

Aber im vorliegenden Fall geht es um eine Fragestellung, die man nicht auf sich beruhen lassen kann. Es geht um die Kirche, es geht um Menschen in ihrer persönlichen Beziehung zu Gott und es geht übrigens auch um das Bild der katholischen Kirche „nach außen“. Es gibt einen verpflichtenden Gehorsam gegenüber dem Papst und der Autorität der Kirche, es gibt in dieser Kirche das Recht und manchmal die Pflicht des freien Wortes! Dass es schwierig sein kann, die beiden unter einen Hut zu bringen, bleibt dabei unbestritten. Glaube und Vernunft müssen dabei zusammenarbeiten! Auch das ist gut katholisch!

Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 2+3/Februar+März 2017
© Kirche heute Verlags-gGmbH (Altötting)

Das Bistum Augsburg lädt zu einem Jubiläums-Symposium ein

Die prophetische Mission Fatima

„Wer glaubt, dass die prophetische Mission Fatimas beendet ist, der irrt sich.“ Diese Aussage, die Papst Benedikt XVI. bei seiner Predigt am 13. Mai 2010 in Fatima gemacht hat und weltberühmt geworden ist, stellt das Bistum Augsburg über ein Symposium zum hundertjährigen Jubiläum der Marienerscheinungen von Fatima. Es wird am 12. und 13. Mai 2017 im Exerzitienhaus St. Paulus in Leitershofen unter der Verantwortung des Instituts für Neuevangelisierung der Diözese Augsburg durchgeführt.  

Von Sr. Theresia Mende OP

Mit dem Fatima-Symposium möchten wir nicht nur an ein vergangenes Ereignis erinnern. Als die Gottesmutter vor hundert Jahren, ab dem 13. Mai 1917, mehrmals den Hirtenkindern von Fatima erschien, übermittelte sie eine ernste Botschaft von weitreichender historischer Bedeutung für das beginnende 20. Jahrhundert. Diese Botschaft entfaltet ihre Wirkung bis in unsere Zeit hinein. Bei einem Interview auf dem Flug nach Portugal sagte Papst Benedikt XVI. am 11. Mai 2010: „Die Muttergottes ist für uns die sichtbare, mütterliche Garantie der Güte Gottes, die immer das letzte Wort in der Geschichte ist.“

Das Fatima-Symposium beschäftigt sich mit folgenden Fragen: Wie wirkte und wirkt die Botschaft von Fatima als echte Prophetie in unsere Zeit, das 20. und 21. Jahrhundert, hinein? Welche Rolle spielt dabei das dritte Geheimnis?

Welche Bedeutung hat die Botschaft von Fatima für die Neuevangelisierung, zu der die letzten drei Päpste immer wieder aufgerufen haben?

Das Symposium findet im Exerzitienhaus St. Paulus in Leitershofen bei Augsburg statt. Es beginnt am Freitag, 12.05.2017, um 16 Uhr, und endet am Samstag, 13.05.2017 um 12 Uhr.

Im Anschluss bieten wir den Teilnehmern eine gemeinsame Fahrt nach München zur Feier „100 Jahre Patrona Bavariae“ mit den bayerischen Bischöfen an.

Das gesamte Symposium wird von Radio Horeb übertragen.

Auf dem Programm stehen folgende Referate:

• Pfr. Dr. Richard Kocher (Leiter und Programmdirektor von Radio Horeb):
Die Verkündigung des Engels an Maria als Grundlage der Mariologie

• Prof. Dr. Dr. Anton Ziegenaus (Professor em. für Dogmatik an der Universität Augsburg):
Die Erscheinungen und die Botschaft von Fatima – historischer Kontext und Wirkung in das 20. Jahrhundert hinein

• Sr. Dr. Theresia Mende OP (Dominikanerin im Kloster Wettenhausen, Theologische Referentin im Institut für Neuevangelisierung Augsburg):
Fatima nimmt kein Ende – die bleibende Bedeutung der Botschaft der Gottesmutter in Fatima

• H. H. Weihbischof Florian Wörner (Leiter des Instituts für Neuevangelisierung und der Hauptabteilung V: Schule):
Die Botschaft von Fatima – ihre Bedeutung für die Neuevangelisierung

Ort des Symposiums: 
Exerzitienhaus St. Paulus in Leitershofen
Krippackerstraße 6
86391 Stadtbergen
Telefon: 0821-90754-0
E-Mail: info@exerzitienhaus.org

Kosten: 
Teilnahme mit Übernachtung: 45,00 EUR
Teilnahme ohne Übernachtung mit Tagesverpflegung: 15,00 EUR
zusätzlich Busfahrt nach München und zurück: 15,00 EUR

Weitere Informationen und Anmeldung (bis 21. April 2017):
Institut für Neuevangelisierung
Kappelberg 1
86150 Augsburg
Telefon: 0821-3166-2912
Telefax: 0821-3166-2909
E-Mail: neuevangelisierung@bistum-augsburg.de  

Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 2+3/Februar+März 2017
© Kirche heute Verlags-gGmbH (Altötting)

Einladung zu einer Wallfahrt nach Russland

Fatima-Jubiläum im Ural

Vom 8. bis 21. Oktober 2017 organisiert die Pfarrei „Maria – Königin des Friedens“ in Beresniki eine Fahrt durch den West-Ural. Anlass ist eine Jubiläumsfeier am 13. Oktober 2017 in Rebinina (Rjabinino), wo sich ein Heiligtum „Unserer Lieben Frau von Fatima“ befindet. Der Moskauer Erzbischof Paul Pezzi, der die Kirche am 22. August 2015 eingeweiht hat, wird selbst die Feierlichkeiten leiten. Daneben möchte Pfarrer Erich Maria Fink die Pilger mit den kulturellen Schätzen sowie den Naturschönheiten der Permer Region bekanntmachen.

Von Erich Maria Fink

Das hundertjährige Jubiläum der Marienerscheinungen in Fatima wird von der katholischen Kirche in Russland mit besonderer Aufmerksamkeit begangen. Denn die Fatima-Botschaft ist mit Russland untrennbar verbunden. Die Voraussagen über die kommende Herrschaft eines atheistischen Regimes in diesem Land, über die damit verbundenen Christenverfolgungen und über den Zweiten Weltkrieg haben sich auf frappierende Weise erfüllt. Umso mehr richten sich die Hoffnungen auf die angekündigte Bekehrung Russlands, deren Zeugen wir in unseren Tagen sein dürfen.

Im hohen Norden des Urals haben wir in dem kleinen Ort Rebinina (Rjabinino) eine Fatima-Kirche gebaut. Sie stellt ein bleibendes Zeichen für das mütterliche Eingreifen der Gottesmutter in die Geschichte der russischen Nation dar. Millionen von Katholiken haben für die Bekehrung Russlands gebetet, die Päpste haben die Welt mit besonderem Blick auf Russland dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht und die himmlischen Verheißungen sind wahr geworden. Das kommunistische System konnte ohne Blutvergießen überwunden werden.

Mit diesem geheimnisvollen Plan der Rettung verfolgt der Himmel ein weiteres Ziel. Er führt die getrennten Kirchen des Ostens und des Westens zusammen. Durch die Fatima-Botschaft und ihre historische Bedeutung wird die russisch-orthodoxe Kirche auf den Petrusnachfolger aufmerksam gemacht. Es geht also nicht nur um die Restauration des kirchlichen Lebens nach der bolschewistischen Unterdrückung. Letztlich können wir die Bekehrung Russlands erst in der Wiederherstellung der sichtbaren Einheit des Moskauer Patriarchats mit Rom ganz verwirklicht sehen. Dies verlangt nicht nur eine Öffnung der orthodoxen Kirche für das Amt des Papstes, sondern auch eine neue Aufmerksamkeit der katholischen Kirche für die Geschichte und die Anliegen der russischen Orthodoxie.

Genau in diesem Geist wollen wir unsere Fahrt durch den West-Ural gestalten und dabei einem Russland begegnen, wie es den gewöhnlichen Touristen verborgen bleibt. Ziel ist es, mit einem offenen Herzen die Perlen der russisch-orthodoxen Kirche, die Kultur, aber auch die Schönheiten der Natur im Ural kennenzulernen.

Am 13. Oktober 2017 feiern wir nicht nur das hundertjährige Jubiläum der abschließenden Marienerscheinung von Fatima mit dem bekannten Sonnenwunder, sondern auch das Patrozinium unserer Fatima-Kirche in Rebinina. In der Apsis erinnert denn auch ein großes kreuzförmiges Glasfenster an den damaligen Tanz der Sonne vor etwa 70.000 Menschen. Gleichzeitig legte sich dieses Datum für unser Patrozinium nahe, da am selben Tag das Fest des hl. Bischofs Simpert von Augsburg gefeiert wird, dessen Reliquien im Altar dieser Kirche ruhen – ein außerordentliches Geschenk meiner Heimatdiözese.

Der Moskauer Erzbischof Paul Pezzi, der für unser Gebiet zuständig ist, ließ es sich nicht nehmen, im Jubiläumsjahr selbst zu unserem Heiligtum zu pilgern. Er kündigte von sich aus sein Kommen an und wird die Feierlichkeiten am 13. Oktober leiten. Zugleich brachte er den Wunsch zum Ausdruck, einige Kilometer zu Fuß in einer festlichen Prozession mit Gebet und Gesang zum Gotteshaus zu ziehen. Im Rahmen der Feier wird er auch ein „Monument“ auf dem Vorplatz der Kirche, eine kleine Kapelle mit einer sichtbaren Fatima-Statue, segnen und dort ein Weihegebet an das Unbefleckte Herz Mariens sprechen. Dieses Schmuckstück ist das Geschenk einer portugiesischen Bewegung, die solche Monumente auf der ganzen Welt errichtet. Diese haben überall dasselbe Aussehen und halten in ihrer Symbolik die Erinnerung an verschiedene Elemente der Fatima-Botschaft wach.

Außerdem wird sich die öffentliche Verwaltung an unserem Fest beteiligen. Denn die benachbarte Stadt Tscherdyn wurde für das Jahr 2017 als „Kulturhauptstadt“ der Permer Region ausgewählt. Die Kulturabteilung des Landkreises möchte unser Fest in ihr Programm einbeziehen und im Untergeschoß unserer Kirche ein kleines Museum einrichten, das ebenfalls an diesem Tag eingeweiht werden soll. Die Ausstellung, welche in unserem Pfarrzentrum verbleiben wird, führt die Entwicklung Rebininas mit besonderem Akzent auf der Geschichte der Repression vor und nach dem Zweiten Weltkrieg vor Augen.

Unsere Fahrt haben wir so geplant, dass wir während der ersten Woche sowohl in Beresniki als auch in Rebinina jeweils für einige Tage bei Familien untergebracht sind. Während der zweiten Woche werden wir in einem Permer Hotel wohnen und von dort aus unsere Besichtigungen und Wallfahrten durchführen. Jeden Tag werden wir miteinander die heilige Messe feiern und einen geistlichen Austausch pflegen.

Programm:

Sonntag, 8. Oktober 2017: Flug von München über Moskau nach Perm.

Montag, 9. Oktober: Empfang im orthodoxen Frauenkloster „der Gottesmutter von Kasan und des hl. Seraphim von Sarow“ in Perm, Fahrt im Reisebus nach Beresniki, wo uns unsere gastgebenden Familien erwarten, auf dem Weg hl. Messe in der Kirche „der Erscheinung des Herrn“ in Peremskoje, einer leerstehenden Ruine aus der Barockzeit, welche die orthodoxe Kirche an uns abgeben möchte.

Dienstag, 10. Oktober:  Besuch und hl. Messe in der „Schule des Lebens“, unserem Zentrum für Drogenabhängige in Jajwa, Fahrt zur „Steinernen Stadt“, einem einzigartigen Naturdenkmal aus prähistorischer Zeit.

Mittwoch, 11. Oktober: Fahrt nach Nyrob, Kirche des hl. Nikolaus, Kapelle über dem Kerker des hl. Michael Romanow, Pensionat in Poktscha, Kloster des hl. Johannes des Täufers in Tscherdyn, Übernachtung in Rebinino.

Donnerstag, 12. Oktober: Fahrt nach Krasnowischersk, Bootsfahrt über die Wischera, Aufstieg zum Berg Polud, Berg Wetlan, Segnung der Stelle, wo wir eine Kapelle errichten möchten.

Freitag, 13. Oktober: Prozession, Weiheakt und Jubiläumsgottesdienst in der Fatima-Kirche von Rebinina mit Erzbischof Paul Pezzi.

Samstag, 14. Oktober: Führung in Tscherdyn und Teilnahme am offiziellen Programm zum Abschluss des Jahres als „Kulturhauptstadt“ der Permer Region.

Sonntag, 15. Oktober: Besichtigung von Solikamsk, Museum der Geschichte des Salzes, hl. Messe in Beresniki, Fahrt nach Perm.

Montag, 16. Oktober: Fahrt zum Kloster des hl. Niklaus auf dem Weißen Berg, Besuch der Höhlen von Kungur.

Dienstag, 17. Oktober: Fahrt zum Volkskunde- und Freilichtmuseum in Chochlowka, hl. Messe, prähistorisches Museum (Mammut-Museum) in Perm.

Mittwoch, 18. Oktober: Gulag-Museum Perm-36, ein ehemaliges Lager für politische Gefangene, Wallfahrt zu den Klöstern am Tschussawoj-Fluss.

Donnerstag, 19. Oktober: Fahrt nach Ust-Katschka, Besuch der orthodoxen Kirche des hl. Alexander Newskij, Begegnung mit Vertretern des kulturellen Lebens, Übernachtung im Heilbad mit Salzquellen.

Freitag, 20. Oktober: Erholung und Ausklang mit hl. Messe im Sanatorium.

Samstag, 21. Oktober: Flug von Perm über Moskau nach München.

Kosten der Fahrt (ab München): 970,- Euro

Voranmeldung:

Wenn möglich über E-Mail: russlandreise2017@mail.ru
Ansonsten auch schriftlich an: Maria Kugler, Matthäus-Krinis-Str. 6, 84453 Mühldorf

Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 2+3/Februar+März 2017
© Kirche heute Verlags-gGmbH (Altötting)

Die Ehe ist „ein weltlich Ding" (Luther verstehen – Teil 8)

Die protestantische Ehe-Moral

Die Ehe wurde von Luther zwar nicht als Sakrament verstanden, aber die Ehe-Moral der Protestanten entsprach bis vor kurzem fast vollständig den katholischen Forderungen nach ehelicher Treue und außerehelicher Enthaltsamkeit. Andreas Theurer zeigt in seiner Artikelreihe zum Reformationsgedenken auf, dass sich erst seit einigen Jahrzehnten eine immer tiefer werdende Kluft hinsichtlich der ethischen Fragen auftut. Dennoch hat sich die Theologie der Ehe von Anfang an unterschieden. Denn der Ehebund wird bei den Protestanten nicht als Sakrament gedeutet, selbst wenn sie oft von Jesus Christus als dem „Dritten im Bunde“ sprechen. Die Verpflichtung zur Unauflöslichkeit der Ehe wurde aus der Schöpfungsordnung und den darauf bezugnehmenden Worten Jesu abgeleitet, nicht aber von einem sakramentalen Eheband, das sich aus der Teilhabe am göttlichen Leben Jesu Christi ergibt. Umso mehr konzentrierte sich die Ehe-Pastoral in der evangelischen Kirche auf die moralischen Fragen und die Bedeutung der Institution Ehe für das familiäre, gesellschaftliche und kirchliche Leben.

Von Andreas Theurer

Die Ehe-Theologie ist ein Bereich, in dem sich die konfessionellen Standpunkte zwar schon seit der Reformation unterschieden haben, in dem diese Unterschiede aber – wie in sonst keinem anderen Bereich – erst in den letzten Jahrzehnten größere praktische Bedeutung gewonnen haben.

Ehe im Sinn der Schöpfungsordnung

Für Luther und die anderen Reformatoren war die Ehe bekanntlich „ein weltlich Ding“, was freilich nicht bedeutete, dass sie sie für unwichtig hielten, sondern dass sie nicht als Sakrament eingestuft und auch keine eigene kirchliche Gesetzgebung darüber beansprucht wurde. Vielmehr galt ihnen – um mit katholischer Begrifflichkeit zu sprechen – jede Ehe quasi als Natur-Ehe, deren Gültigkeit in der Schöpfungsordnung begründet und nicht von kirchlicher Zustimmung oder kanonischen Regelungen abhängig sei. Da die Reformatoren selbstverständlich von der lebenslänglichen Unauflöslichkeit der Ehe ausgingen und auch in evangelischen Gebieten jeder Verstoß gegen das sechste Gebot streng bestraft wurde, waren die praktischen Unterschiede zwischen der katholischen und der protestantischen Ehe-Moral in den ersten vier Jahrhunderten seit der Reformation nur marginal.

Kirchliche Trauung und Standesamt

Dabei muss natürlich beachtet werden, dass die römisch-katholische Kirche die Formpflicht für die Eheschließung ja erst auf dem Trienter Konzil beschlossen hat und die Durchsetzung dieser Formpflicht auch in vielen katholischen Territorien noch einige Jahrzehnte dauerte.

Bis zur Einführung der Ziviltrauung (in Deutschland 1875) war die kirchliche Eheschließung überall mit den entsprechenden bürgerlichen Rechtsfolgen verbunden. Seither beginnt die Ehe mit der dafür notwendigen Konsensleistung gemäß protestantischer Lehre freilich auf dem Standesamt. Während die katholische Ehe nach wie vor erst mit der kirchlichen Trauung beginnt und gültig wird, stellt die evangelische Trauung seither nur noch eine Bitte um Gottes Segen dar, die für den gläubigen Christen zwar eine Selbstverständlichkeit ist, aber nicht die Gültigkeit der Ehe beeinflusst oder ihren Beginn markiert.

Zölibat um des Himmelreiches willen

Einen großen Unterschied gab es seit der Reformation in der Frage des Zölibats um des Himmelreiches willen. Bekanntlich haben die Reformatoren die Ehelosigkeit der Kleriker und Ordensleute abgelehnt. Sie sahen in ihr sowohl eine unzumutbare Einschränkung der natürlichen Veranlagung des Menschen, als auch eine Quelle zu ständigen Versuchungen und entsprechenden Verstößen gegen die sittliche Ordnung. Dass man es zu Luthers Zeit in vielen Klöstern und Pfarrhäusern mit der Enthaltsamkeit nicht so genau nahm, ist tatsächlich vielfach bezeugt. Um nun außereheliche Unzucht zu vermeiden, sollten möglichst alle Christen (also auch die Pfarrer) heiraten, denn jede sexuelle Betätigung außerhalb (sowohl vor, als auch neben) der Ehe galt selbstverständlich auch im Protestantismus als sehr schwere Sünde, die sogar öffentlich bestraft wurde. Wer – aus welchen Gründen auch immer – noch oder wieder unverheiratet war, musste auch völlig enthaltsam leben. Und eine Braut, die bei der Hochzeit nicht mehr Jungfrau war, konnte sich z.B. bis ins 20. Jahrhundert hinein natürlich nicht mit dem Jungfernkranz schmücken, bzw. „in weiß“ heiraten.

Die lutherische Standestheologie

Mit der Zölibatsfrage hängt eng zusammen die lutherische Standestheologie. Nach ihr kann man in jedem Stand selig werden, wenn man in gottgefälliger Weise in ihm lebt, und kein Stand ist dem anderen geistlich vorgeordnet. Anders als in der katholischen Tradition wurde also die Ehelosigkeit gegenüber der Ehe nicht als höherwertig betrachtet. Das evangelische Pfarrhaus wurde sogar zum Vorbild für das christliche Ehe- und Familienleben schlechthin hochstilisiert und seine kulturelle Bedeutung für die vom Protestantismus geprägten Gebiete kann kaum überschätzt werden.

Scheidung aus evangelischer Sicht

Die heute ins Auge fallenden praktischen Unterschiede zwischen den Konfessionen (Ehescheidung, Verhütung, vorehelicher Geschlechtsverkehr, Homosexualität, Abtreibung) sind also erst in den letzten Jahrzehnten aufgekommen. Und auch hier ist zu beachten, dass konservative evangelische Kreise in diesen Punkten auch heute noch weithin die frühere gemeinsame Linie vertreten.

Nach einer Ehescheidung ist nach evangelischer Theorie eine Wiederheirat bis heute prinzipiell verboten, insbesondere wenn die neue Beziehung Ursache für das Zerbrechen der vorigen Ehe war.

Gängige Praxis ist freilich, dass „aus seelsorgerlichen Gründen“ auf besonderen Antrag (den übrigens, um den Pfarrer vor Druck aus der Gemeinde zu schützen, der Dekan genehmigen muss!), eine kirchliche Trauung einer solchen Beziehung normalerweise zugestanden wird. Auch hat man schon vor der „sexuellen Revolution“ hin und wieder dem unschuldig geschiedenen Teil eine Wiederheirat erlaubt, die dem Schuldigen verwehrt blieb, oder in Fällen von Impotenz bzw. Unfruchtbarkeit Trennung und Wiederheirat zugestanden.

Anlehnung an staatliches Recht

Die bei Beibehaltung der grundsätzlichen Ablehnung der Scheidung doch größere Flexibilität in dieser Frage hat also in der Praxis dazu geführt, dass weithin der Eindruck herrscht, Protestanten dürften auch nach einer Scheidung wieder heiraten. Da die Landeskirchen – ausgehend vom Satz, die Ehe sei ein „weltlich Ding“ – grundsätzlich das Recht des Staates anerkennen, die Rahmenbedingungen für das Eherecht zu setzen, haben sie natürlich auch von daher eine offene Flanke gegenüber staatlichen Neudefinitionen wie „Homo-Ehe“ oder „Scheidung nach Zerrüttungsprinzip“.

Biblische Ideale im evangelikalen Bereich

Dass voreheliche Sexualität heute toleriert wird bzw. als normal gilt, hat sich in den letzten Jahren sogar im Mainstream der protestantischen Theologie durchgesetzt, während die katholische Kirche sich hier nach wie vor an der überlieferten Lehre orientiert. Paare, die das traditionelle christliche Eheverständnis ernst nehmen und entsprechend handeln, finden sich heute – ebenso wie im Pietismus und in den Freikirchen – aber auch katholischerseits nur noch in kleinen konservativen Kreisen.

Ähnlich ist es mit der Beurteilung von Homosexualität und Abtreibung. Anders als vom landeskirchlichen Mainstream werden sie im evangelikalen Bereich aufgrund der biblischen Zeugnisse nach wie vor genauso entschieden abgelehnt, wie vom katholischen Lehramt.

Die Anwendung von Verhütungsmitteln dagegen wird heute auch von konservativen Protestanten meist als unproblematisch betrachtet, sofern dabei keine frühabtreibenden Wirkungen (wie bei der Pille oder der Spirale) in Kauf genommen werden müssen.

Der Fall des hessischen Landgrafen Philipp

Für Irritationen sorgte im 16. Jhdt. der Fall des hessischen Landgrafen Philipp, eines der wichtigsten Unterstützer der protestantischen Sache. Er wollte sich von seiner Frau trennen bzw. eine neue Ehe eingehen. Dass Luther und Melanchthon 1540 diesem Ansinnen nachgaben, um diesen wichtigen Verbündeten nicht zu brüskieren, und ihm persönlich eine Zweitehe erlaubten, rief damals auch im evangelischen Lager große Bestürzung hervor und ist deshalb auch bis heute der einzige Fall von öffentlich zugestandener Bigamie im Protestantismus geblieben.

Resümee

Zusammenfassend bleibt festzustellen: Die heute so augenfällige Divergenz zwischen katholischer Strenge und protestantischer Liberalität ist in sexualethischen Fragen erst in den letzten Jahrzehnten entstanden. Davor bestanden die Unterschiede lediglich in der Höherschätzung der Ehelosigkeit gegenüber der Ehe seitens der Katholiken und in der protestantischen Auffassung, dass Beginn und Gültigkeit der Ehe zwischen Getauften sich nach den staatlichen Vorgaben richten.

Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 2+3/Februar+März 2017
© Kirche heute Verlags-gGmbH (Altötting)

Kollektives Unglück nicht einfach hinnehmen!

Dunkelste Prognosen bestätigen sich

Am 4. März wird Christa Meves 92 Jahre alt und ist noch immer als Kinder- und Jugendpsychotherapeutin aktiv. Seit über 50 Jahren leistet sie eine unermüdliche Öffentlichkeitsarbeit. In 121 Büchern, über 3000 Vorträgen und zahlreichen Artikeln hat sie vor den gefährlichen Folgen einer Vernachlässigung der Mutter-Kind-Beziehung in den ersten Lebensjahren gewarnt. Aus einem jüngsten Interview.

Von Christa Meves

Die seelische Not von Eltern mit ihren Kindern, die täglich bei mir anbrandet, bestimmt meinen mich noch immer drängenden Antrieb zur Beratungstätigkeit.

Beweis durch die Hirnforschung

Wie wir heute durch die Hirnforschung ganz genau nachweisen können, handelt es sich oft um Störungen der Kinder, die bereits in ihren ersten Lebensjahren durch unnatürliche Erziehungsmaßnahmen mit den Winzlingen entstanden sind; denn in den ersten Lebensjahren bildet sich das Gehirn erst allmählich und zwar auf dem Boden der Erfahrungen der Kinder mit ihrer Umwelt heraus. Die Eindrücke werden als richtig oder als falsch und das heißt als Zufriedenheit oder als Unzufriedenheit in die entsprechenden Areale des Stammhirns so fest eingeprägt, dass sie als eine Grundstimmung des Kindes, später sogar als Charakterzüge ausgeformt werden. Da diese Forschungsergebnisse in Bezug auf die Gepflogenheiten von Säuglingen und Kleinkindern nicht ausreichend bekannt sind, ja, sogar weitgehend verschwiegen werden, entwickelt sich nun wie eine Lawine ein enormer Boom von unzufriedenen und dadurch unruhigen Kindern mit den verschiedensten Verhaltensstörungen, die spätestens bereits im Grundschulalter die Lern- und Leistungsfähigkeit behindern.

Das wäre leicht verhinderbar durch eine allgemeine Informiertheit darüber, dass Kleinkinder ganz bestimmte natürliche Entfaltungsbedingungen haben. Diese wären unschwer zu erreichen, weil die gesamte Biologie des Kindes bereits darauf ausgerichtet ist. So viel Glück und Erfolg oder Unglück und Misserfolg langfristiger, lebenslänglicher Art steht damit auf dem Spiel!

Prognosen sind alle eingetreten

Schon in meinen ersten Taschenbüchern, ab 1968, habe ich unentwegt unter dem Motto und Titel „Manipulierte Maßlosigkeit“ darauf hingewiesen, dass in Zukunft eine Vielzahl das Leben erschwerender Störungen entstehen würden und sich diese Voraussage im Jahr 2000 als eine verheerende Bilanz aufweisen ließe: Die motorische Unruhe würde sich bei den Kindern steigern. Die Kinder würden viel mehr Schwierigkeiten haben, sich sozial zu verhalten, viele würden nun sogar eine Verwahrlosung entwickeln, die sie unfähig werden lässt, Schul- und Ausbildungsabschlüsse zu machen, die Suchterkrankungen würden boomen, und ebenso würden sich die Raub-, die Gewalt- und die Sexualdelikte in einem verheerenden Ausmaß steigern.

Diese Prognosen sind schrecklicherweise und oft in noch viel verheerenderer Form eingetreten, als ich das damals hochrechnen konnte. Die Zahlen der jungen Menschen, die heute für Arbeitsprozesse gar nicht mehr vermittelbar sind, werden nun viel zu hoch und bewirken, dass wir 60 Prozent unseres Staatssäckels für soziale Leistungen aufzuwenden haben.

Wie lässt sich das gesellschaftlich nun auch noch mit dem Zustrom an Ausländern weiter langjährig leisten, ohne einen wirtschaftlichen Zusammenbruch zu erleiden? Das ist eine bange Frage.

Aufgaben von Eltern, Gesellschaft und Politik

Als erstes muss jeder von uns dazu beitragen, dass die faktische Wahrheit nicht einfach unter den Teppich gekehrt wird, so dass familienfeindliche Aspekte bei den gesellschaftlichen Trends die seelische Gesundheit der jungen Generation so stark gefährden können. Kollektiverziehung kleiner Kinder ist ein großes Risiko für die seelische Gesundheit des Menschen! Das können wir mittlerweile wissenschaftlich belegen. Es darf nicht weiter sein, dass hier die Lüge und falsche Vorstellungen die Allgemeinheit beherrschen. Für eine positive Veränderung muss sich jeder mitverantwortlich fühlen, der sich seinen gesunden Menschenverstand bewahrt hat. Die elektronischen Medien machen das nun heute wirklich möglich. Erreichen ließe sich seelische Gesundheit mit den einfachsten Mitteln ganz leicht, wenn man sich nur an die von Gott vorgegebene Naturordnung halten würde. Praktisch bedeutet das, dass Familienarbeit und vor allem die der Mütter von kleinen Kindern vom Staat in den Fällen subventioniert wird, in denen Bedürftigkeit vorhanden ist. Junge Eltern sollten auf gesunde Erziehungsarbeit in Schulen und Kursen vorbereitet werden, Mütter sollten bevorzugt werden, wenn sie nach der Erziehungspause wieder in ihre Erwerbstätigkeit zurückkehren möchten. Überhaupt wäre es nötig, dass Mütterarbeit eine hohe allgemeine Anerkennung und eine eigene Berentung bekäme, damit diese wertvollste aller Zukunftsarbeit in der jungen Generation überhaupt wieder attraktiv würde und der 50-jährige Geburtenschwund ein Ende nehmen könnte.  

Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 2+3/Februar+März 2017
© Kirche heute Verlags-gGmbH (Altötting)

Zur Forderung der SPD in ihrer Jahresauftaktklausur 2017

Die Kita-Falle

Aus dem 1981 gegründeten Freundeskreis Christa Meves ging 1996 der Verein „Verantwortung für die Familie (VFA e. V.)“ hervor, dem Christa Meves bis 2014 vorstand. Nachfolgend eine Stellungnahme des Vereins zur neuesten Forderung der SPD nach einem Rechtsanspruch von Kindern ab einem Jahr auf Ganztagsbetreuung in einer Kita.

Von Verantwortung für die Familie e.V.  

Kinder ab einem Jahr sollen von 2025 an einen Rechtsanspruch auf beitragsfreie Betreuung in einer Ganztags-Kita haben, fordert die SPD in ihrer Jahresauftaktklausur 2017.

Obwohl Kinder in Krippen von ihren Betreuern nur einen Bruchteil der Zeit und Energie bekommen, die sie idealerweise brauchen (Prof. Biddulph), werden Eltern mit dem Masterplan Kindertagesbetreuung 2025 der SPD angeblich beste Start- und Bildungschancen für alle Kinder vorgegaukelt und über den finanziellen Anreiz verlockt, ihre Kinder fremdbetreuen zu lassen. Wissenschaftliche Befunde werden ignoriert.

Krippen sind aber belastend für Babys und Kleinkinder, das wurde durch Kortisoltests nachgewiesen (Prof. Biddulph). Die Kortisolwerte zeigten, dass Kinder innerlich verängstigt waren und sich nicht wohlfühlten. Kinder, die unter psychischen Stresssituationen aufwachsen, sind in der Regel weniger erfolgreich im späteren Leben, sondern leiden vermehrt auch unter chronischen Krankheiten.

„Wenn Kinder in Krippen leben, also in ‚emotionale Entbindungssituationen‘ kommen, führt das zu einem hohen Risiko, dass die psychische Entwicklung einen ungünstigen Verlauf nimmt“ (Prof. Dawirs). Mit jedem zusätzlichen Monat, den Kinder in der Kita verbrachten, reduzierte sich der bei ihnen später gemessene IQ-Wert um durchschnittlich 0,5%! (Prof. Fort).

Ist das ein „Masterplan für Bildungschancen“? „Analysen zeigen“, so die Bundesregierung im 8. Familienbericht 2012, S.102, „dass die Berufstätigkeit der Mütter mit negativen Entwicklungsergebnissen des Kindes zusammenhängt“.

Psychische Erkrankungen machen in Industrienationen rund die Hälfte aller Krankheitsfälle bei unter 45-Jährigen aus. Die Kosten für die öffentliche Hand in Form von Sozialleistungen und entgangenen Steuereinnahmen gehen in die Milliarden. 20% der Untersuchten mit den höchsten Entwicklungsrisiken verursachten als Erwachsene 80% sozialer und Gesundheitskosten. Arbeitnehmer, die unter Depressionen oder Angstzuständen leiden, sind im Durchschnitt weniger produktiv, fallen häufiger krankheitsbedingt aus und haben ein deutlich höheres Arbeitslosigkeitsrisiko. Würden sie in gleichem Maß arbeiten wie die übrige Erwerbsbevölkerung, stiege die Gesamtbeschäftigung um mehr als 4%. Entsprechend positiv wären die Auswirkungen auf Wirtschaftsleistung und Steuereinnahmen (Prof. Layard).

Menschen mit psychischen Problemen nehmen etwa 60% mehr ärztliche Leistungen zur Behandlung körperlicher Leiden in Anspruch als psychisch gesunde Patienten bei gleichem physischen Krankheitsbild. Dadurch entstehen zusätzliche Gesundheitskosten in Milliardenhöhe. 300 Millionen Euro pro Jahr soll allein in Niedersachsen die Kita-Beitragsfreiheit kosten. Die dargestellten Folgekosten psychischer Erkrankungen darf dann die nachfolgende Generation bezahlen: ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für Psychotherapeuten dank dieser „modernen Familienpolitik“. Die heutigen Entscheider sind dann nicht mehr im Amt.

Weitere Infos unter www.vfa-ev.de   

Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 2+3/Februar+März 2017
© Kirche heute Verlags-gGmbH (Altötting)

Erklärung von 700 Anwälten in Chile

„Ja zum Leben, nein zum Verbrechen“

Alexandra Maria Linder (geb. 1966) hat ihr Philologie-Studium mit dem Magister Artium abgeschlossen und arbeitet als Pulizistin und Übersetzerin. Sie ist verheiratet und Mutter von drei Kindern. Seit vielen Jahren engagiert sie sich im Lebensrechtsbereich und wurde 2016 zur Bundesvorsitzenden der ALfA (Aktion Lebensrecht für Alle e.V.) berufen. Ihren Kommentar zu einer bemerkenswerten Erklärung aus Chile schließt sie schon jetzt mit einem Aufruf zur Teilnahme am nächsten „Marsch für das Leben“ in Berlin am 16. September 2017.  

Von Alexandra Maria Linder

"Ja zum Leben, nein zum Verbrechen!" Diese Aussage passt zu vielen Themen. In Chile war dies der Titel einer Erklärung von 700 Anwälten. Von einem „Anschlag auf das Leben“ sprechen sie, von menschlichen Opfern: „Niemand hat das Recht, unter keinen Umständen, einen Anschlag auf das Leben eines Unschuldigen“ zu begehen.

Es geht hier um ein Thema, bei dem sich im deutschsprachigen Raum kaum noch jemand traut, solches Vokabular zu verwenden – es geht um Abtreibung.

Ideologisch verbrämte Sprache beruhigt die Gewissen

In Deutschland wird verbrämt, mit Begriffen, mit Verharmlosung der Prozeduren und Mittel, mit verquerten Rechtsauffassungen und Negierung von Tatsachen. Bei den Begriffen herrscht der „Schwangerschaftsabbruch“ vor. Das ist nicht falsch und klingt wie Urlaubsabbruch – unangenehm, aber in manchen Fällen notwendig. In anderen Sprachen kursiert immer noch der ideologisch eingeführte und sachlich falsche Begriff der „freiwilligen Schwangerschaftsunterbrechung“, als ob man das unterbrochene Kind später weiter austragen könnte (z.B. interruption volontaire de grossesse in Frankreich, interrupción voluntaria del embarazo im Spanischen). Nicht einmal das Wort Abtreibung hat mehr einen so furchtbaren Klang wie früher – es ist zwar öffentlich weitgehend tabuisiert, aber eigentlich inzwischen salonfähig. Manchmal, so glauben viele, vor allem junge Leute, ist sie eben notwendig. Und zwar nicht mehr nur, wie gerade in Chile diskutiert wird und weshalb sie in vielen Ländern ursprünglich eingeführt wurde, in drei Extremfällen: wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist, das Kind nicht lebensfähig ist oder nach einer Vergewaltigung. Alle diese Fälle zusammen machen in Deutschland keine 4% aller statistisch erfassten Abtreibungen aus. Soziale Notlage heißt das heute, darunter kann man alles fassen, von der wirklichen Notlage aus finanziellen, partnerschaftlichen und weiteren Gründen bis hin zum gerade nicht passenden Zeitpunkt. Der früher oft zitierte Satz „Keine Frau treibt leichtfertig ab“ verschwimmt langsam, vor allem in den jüngeren Generationen, die trotz aller Sexualkunde nicht vollständig aufgeklärt werden (es fehlen zum Beispiel durchweg Verweise auf die Versagerquote künstlicher Verhütungsmittel und die Möglichkeit, durch eine beherrschte, tatsächlich erwachsene Lebensweise die meisten Risiken vermeiden zu können).

„Pro Familia“ erfüllt nicht den Auftrag des Gesetzes

Wird jetzt eine junge Frau schwanger, googelt sie bei Pro Familia und findet dort die Begriffe „Notfallverhütung“ für die sogenannte „Pille danach“, die aber eben nicht nur spätverhütet, sondern häufig auch frühabtreibt, „medikamentöser“ Schwangerschaftsabbruch für die Abtreibungspille RU 486, die weder etwas heilt noch Schmerzen lindert, sondern dafür sorgt, dass ein Kleinstkind erst verhungert und dann ausgestoßen wird, und bei den chirurgischen Methoden sodann die Beschreibung, wie der „Fruchtsack“ abgesaugt wird. Einen Hinweis darauf, dass es sich um einen Menschen handelt, der hier auf die eine oder andere Weise getötet wird, gibt es nicht. Denn die Frau soll ja frei entscheiden dürfen – Gegenfrage: Kann ein Mensch frei entscheiden, wenn ihm wichtige Informationen vorenthalten beziehungsweise durch verfälschendes Vokabular falsche Informationen geliefert werden? Pro Familia hat natürlich kein Interesse daran, dass junge Frauen eine überraschende Schwangerschaft einfach hinnehmen und vielleicht sogar Schwangerschaft und Kinder als Zukunft und etwas Positives ansehen. Denn der Verein lebt davon, freie und ungezügelte Sexualität zu propagieren (damit verdient er auch Geld, denn er darf diese Ideologie ungehindert und ungeprüft in Schulen verbreiten), er lebt davon, in der staatlichen Schwangerschaftskonfliktberatung arbeiten zu dürfen (obwohl er die gesetzliche Auflage des § 219 gar nicht erfüllen kann. Die Beratung dient dem „Schutz des ungeborenen Lebens“, Pro Familia tritt, auch als Mitglied der International Planned Parenthood Federation, ganz offen für ein Frauenrecht auf Abtreibung ein), und er lebt sehr gut davon, selbst Abtreibungen durchzuführen. Wer glaubt, dass die Beraterinnen Anweisung haben, zum Leben hin zu beraten, wenn gleich nebenan die Scheine winken?

Auf dem Weg zur vorgeburtlichen Eugenik

Wichtig ist dabei immer, dass es um „ungewollte“ und „ungeplante“ Schwangerschaften geht. Jeder, der Kinder hat, weiß, dass die Begriffe „gewollt“ und „geplant“ in Zusammenhang mit Schwangerschaft und Kindern (übrigens auch im Zusammenhang mit der Erziehung…) mehr Wunsch als Wirklichkeit sind. Aber man stelle sich vor, Frauen würden ihre gewollten und geplanten Kinder abtreiben! Dabei tun sie auch das, zum Beispiel bei Behinderungen und Krankheiten des Kindes, wenn also das Kind nicht ganz so perfekt ist wie geplant. In der Fortführung dieser Haltung verstärken sich pränatale Untersuchungsmöglichkeiten, zum Beispiel durch den immer günstiger werdenden Praenatest, um ein gesundes Kind zu bekommen. Diente all dies der Möglichkeit, ein Kind schon vor der Geburt behandeln zu können, spräche nichts dagegen. Das einzige Ergebnis der Testerei ist aber in der Regel eine Abtreibung. Es verstärkt sich außerdem die Tendenz, durch künstliche Befruchtung den Zeitpunkt und durch anschließende Präimplantationsdiagnostik die Qualität des Kindes festlegen zu können. Aktuell wird mit sogenannten Gen-Scheren an gerade entstandenen Kindern versucht, in ihre genetischen Eigenschaften einzugreifen. Wer durch das Raster fällt, hat immer weniger Chancen, geboren zu werden. Das nannte man früher in Zusammenhang mit Abtreibung eugenische Indikation. Mit der offiziellen Begründung, dass man daraus den irrigen Schluss ziehen könnte, pränatale Untersuchungen beruhten auf eugenischen Motiven, hieß es danach embryopathische Indikation. Das Ergebnis war dasselbe. Dann kam man auf die Idee, dass eine Behinderung oder Krankheit des Kindes keine Begründung für eine Abtreibung sein dürfe. Man drehte die Sache also auf die Mutter: Eine Krankheit oder Behinderung des Kindes ist für eine Frau eine solche Zumutung, dass sie deshalb abtreiben darf – bis zur Geburt. Das Ergebnis ist also wiederum dasselbe.

Hintergründe des „Menschenrechts auf Abtreibung“

Ein Frauenrecht auf Abtreibung würde bedeuten, dass die Frau mehr wert ist als das Kind, so wird auch argumentiert: Das Selbstbestimmungsrecht der Frau sei höherwertig als das Lebensrecht eines möglichen, potentiellen etc. Menschen. In Ideologenkreisen wie der internationalen Abtreiberorganisation Fiapac ist man nämlich schon viel weiter als wir, die wir uns noch Gedanken darüber machen, dass bei jeder Abtreibung mindestens ein Mensch stirbt. Dort gilt ein Kind erst ab der Geburt als Mensch, was nüchtern betrachtet sogar konsequenter ist als eine willkürliche Fristsetzung von 12. Woche, 16. Woche oder welcher Schwangerschaftswoche auch immer. Eine ähnliche Umdefinition wurde in den 1960er Jahren vorgenommen, als künstliche Verhütungs- und eben Frühabtreibungsmittel wie Pille und Spirale verkauft werden wollten. Zuvor war „Schwangerschaft“ ab der Zeugung definiert, was diese Mittel kriminalisiert hätte. Flugs definierte man um in „ab der Einnistung“ und war aus dem Schneider – nicht umsonst steht auch im aktuellen § 218: „Handlungen, deren Wirkung vor Abschluss der Einnistung des befruchteten Eies in der Gebärmutter eintritt, gelten nicht als Schwangerschaftsabbruch im Sinne dieses Gesetzes.“

Sind Lebensschützer rückständig oder faschistisch?

All das ändert aber nichts an der Tatsache, die man in Chile noch so offen äußern darf, ohne wie bei uns als faschistisch, frauenfeindlich, rechtsextremistisch und ähnlich tituliert zu werden: Eine Abtreibung ist die absichtliche Tötung eines unschuldigen Menschen. Und statt die neuesten Forschungsergebnisse aus der Embryologie zu Rate zu ziehen, die das Menschschein des „Zellhaufens“ immer eindeutiger belegen, sind Feministinnen und Abtreibungsideologen genau das, was sie den Lebensrechtlern vorwerfen: so richtig rückständig. Und, durch die billige Diffamierung Andersdenkender, überdies unglaubwürdig – wenn sie wirklich überzeugt sind von dem, was sie propagieren, sollten sie sich mit der Thematik und der Gegenseite intellektuell auseinandersetzen.

Was heißt das für Sie? Sie können sitzenbleiben und die Situation beklagen. Oder Sie stehen auf und machen mit: Unterstützen Sie Lebensrechtsverbände, laden Sie sie zu Fachvorträgen ein, spenden Sie, kommen Sie zum Marsch für das Leben am 16. September 2017 in Berlin!    

Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 2+3/Februar+März 2017
© Kirche heute Verlags-gGmbH (Altötting)

Die „Fünf ersten Samstage“ nach der Botschaft von Fatima

Die große Verheißung des Herzens Mariens

P. Anton Nadrah OCist (geb. 1937) ist ein slowenischer Theologe, der 14 Jahre lang als Professor für Dogmatik an der Theologischen Fakultät Ljubljana gewirkt hat, 27 Jahre lang war er Abt der Zisterzienserabtei Stična-Sitich in Slowenien. Zurzeit ist er Novizenmeister, Leiter eines Exerzitienhauses und Redakteur einer marianischen Monatszeitschrift. Zum Fatima-Jubiläum veröffentlichte er sechs Büchlein, deren erstes den Titel trägt: „Christus wird durch Maria triumphieren“. Daraus sind folgende Auszüge über die Feier der „Fünf ersten Samstage“ zu Ehren des Unbefleckten Herzens Mariens nach einer Übersetzung von Sr. Dorothea Hladnik OCD entnommen.  

Von P. Anton Nadrah OCist

Lucias Ausbildung bei den Dorotheerinnen

Lucia wurde von Unmengen Neugieriger aufgesucht. Sie war der Beantwortung der vielen, nicht immer gut gemeinten Fragen, müde. Manche Menschen brachten ihr eine besondere Verehrung entgegen, andere prüften sie auf verschiedene Weise. Um von diesen Besuchen verschont zu werden und damit für ihren geistlichen Fortschritt gesorgt werde, schickte sie ihre Mutter auf Rat des Bischofs am 17. Juli 1921, als sie 14 Jahre alt war, in ein entferntes Mädchenpensionat von Dorotheerinnen in Vilar, das heute ein Teil der Stadt Porto ist. Hier wurde ihr eine gründliche moralische, religiöse und allgemeine Erziehung und Bildung zuteil. Damit sie unbekannt blieb, gab man ihr einen neuen Namen: Maria das Dores (Maria von den Schmerzen/Maria Dolores). In Porto schloss sie drei Klassen der Volkschule ab und lernte Kochen und Nähen. Sie war zufrieden und glücklich, obwohl sie mit niemandem über die Fatima-Ereignisse sprechen durfte.

Postulat in der spanischen Stadt Pontevedra

Lucia dachte schon vor der Ankunft im Pensionat der Dorotheerinnen an eine Ordensberufung. Sie interessierte sich zuerst für die Karmelitinnen, doch dafür hätte sie damals Portugal verlassen und nach Frankreich gehen müssen. Dieser Umstand sowie das Beispiel der Erzieherinnen und die Dankbarkeit den Dorotheerinnen gegenüber bewogen sie, schließlich bei den Dorotheerinnen einzutreten. Sie begann am 25. Oktober 1925 das Postulat in der spanischen Stadt Pontevedra, wo sie bis Juli 1926 blieb. Am 10. Dezember 1925 erschien ihr in ihrer Zelle Maria mit dem Jesuskind und gab ihr den Auftrag bezüglich der Verbreitung der Andacht der Fünf ersten Samstage.

Noviziat und Ordensleben im spanischen Tuy

Ab dem 20. Juli 1926 befand sie sich im Noviziatshaus der Stadt Tuy in Spanien, wo sie am 2. Oktober 1926 eingekleidet wurde und das Noviziat begann. Nach zwei Jahren Noviziat legte sie am 3. Oktober 1928 ihre zeitliche und am 3. Oktober 1934 ihre ewige Profess ab. Sie blieb bis 1946 in Tuy. Dort erschien ihr am 13. Juni 1929 Maria und übermittelte ihr die Aufforderung, die Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens zu vollziehen.

Sie lebte 25 Jahre in Spanien bei den Dorotheerinnen. Sie hatte großes Geschick als Handarbeitslehrerin. Sie lebte nach dem Leitspruch des Klosters: „Gottes Wille ist mein Paradies.“ Sie wurde mehrmals in Zusammenhang mit den Erscheinungen in Fatima verhört, schrieb zahlreiche Briefe und ihre Erinnerungen über die Ereignisse von Fatima, über Francisco und Jacinta und über die Fatima-Geheimnisse.

Übertritt in den Karmal von Coimbra

In Mai 1946 kehrte sie aus Spanien in ihre Heimat Portugal zurück, in das Kloster der Dorotheerinnen in Vilar. Sie besuchte Fatima und zeigte dort die Erscheinungsorte des Engels und Mariens. Am 25. März 1948 trat sie mit päpstlicher Erlaubnis in den strengen Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen in Coimbra ein, wo sie am 13. Mai 1948 das Karmel-Kleid und den neuen Namen Schwester Maria Lucia von Jesu und vom Unbefleckten Herzen erhielt. Sie begann das Jahr des kanonischen Noviziats und legte am 31. Mai 1949 die ewige Profess ab. Hier lebte sie in Gebet und Buße bis zu ihrem Tod am 13. Februar 2005. Sie schrieb viel und nebenbei führte sie verschiedene Arbeiten im Garten und im Haus aus. Sie verwirklichte den Leitspruch des Ordens: „Nach außen wie alle, im Inneren wie keine andere!“

Mit Christus gekreuzigt zu sein, ist mein Glück!

Im Jahr 1954 schrieb sie an ihren Seelenführer Pater Gonçalves einen Brief, in dem sie ihm folgendes anvertraute: „Als ich die Gnade, in den Karmel eintreten zu dürfen, empfangen habe und man mich in die Zelle führte, habe ich beim Eingang für ein paar Augenblicke die Augen auf ein Kreuz ohne unseren Heiland geheftet. Das Kreuz streckte mir seine Arme zur Umarmung entgegen. Die ehrwürdige Mutter Oberin fragte mich: ,Wissen sie, warum dieses Kreuz hier ohne Corpus ist?‘ Ohne mir die Zeit für eine Antwort zu geben, fuhr sie fort: ,Damit Sie sich an ihm kreuzigen.‘

Wie schön ist das Ideal, mit Christus gekreuzigt zu sein! Er möge mich mit der Torheit des Kreuzes tränken! Darin liegt das Geheimnis meines Glücks – nichts Anderes zu wollen und zu lieben, als zu lieben und aus Liebe zu leiden.“

Begegnung mit Paul VI. und Johannes Paul II. in Fatima

Zum fünfzigsten Jubiläum der Erscheinungen, am 13. Mai 1967, kam Schwester Lucia nochmals nach Fatima, wo sie mit Papst Paul VI. zusammentraf. In Fatima war sie auch in den Jahren 1982, 1991 und 2000 und hat mit Papst Johannes Paul II. gesprochen.

Lucias Lebenssendung war – gemäß dem Auftrag Mariens – die Verbreitung der Verehrung des Unbefleckten Herzen Mariens. Das verwirklichte sie hauptsächlich durch das Gebet, mit Briefen und Schriften. Sie schrieb mehrmals an ihren Bischof und an die Päpste, insbesondere aber an ihren Seelenführer.

Marias Botschaften durch Schwester Lucia nach 1917

Maria erschien also nach dem Jahr 1917 noch mehrmals, auch nachdem Lucia schon Ordensfrau war. Wie wir wissen, kam Maria am 16. Juni 1921 zu ihr, am Tag bevor sie vom Pensionat der Dorotheerinnen in Vilar nach Porto im Norden Portugals abreiste. Dort erschien ihr die Jungfrau Maria am 26. August 1923 nochmals. Sie versicherte ihr, dass sie ihre wahre himmlische Mutter werde, nachdem ihre irdische Mutter sie verlassen hatte. Sie empfahl ihr das Gebet und die Buße für die Sünder, von denen viele verloren gehen, weil sich niemand für sie opfert und für sie betet.

Für die ganze Kirche ist vor allem die Begegnung mit der himmlischen Frau wichtig, in der sie um die Andacht zu ihrem Unbefleckten Herzen bittet.

Das große Versprechen des Unbefleckten Herzens Mariens

Als Lucia als Postulantin bei den Dorotheerinnen war und sich auf das Ordensleben vorbereitete, sah sie in der Nacht des 10. Dezember 1925 Maria mit dem Jesuskind in ihrem Zimmer. Maria zeigte ihr das Herz, umgeben von Dornen, und gab ihr den Auftrag bezüglich der Verbreitung der Andacht der Fünf ersten Samstage. Das ist das große Versprechen des Unbefleckten Herzens Mariens.

Schon in der zweiten Erscheinung am 13. Juni 1917 war es leicht angedeutet, insbesondere aber bei der dritten Erscheinung am 13. Juli 1917. Lucia hat es Ende 1927 im Auftrag ihres Seelenführers Pater Aparicio DJ in der dritten Person so niedergeschrieben:   

Die Seherin bat am 13. Juni Maria, „dass sie in den Himmel geholt werden möge. Die heiligste Jungfrau antwortete:

,Ja, Jacinta und Francisco werde ich in Kürze mitnehmen, doch du musst noch etwas länger hierbleiben. Jesus will sich deiner bedienen, um mich bekannt und geliebt zu machen. Er will in der Welt die Andacht zu meinem Unbefleckten Herzen begründen. Wer sie übt, dem verspreche ich das Heil, und die Seelen werden von Gott geliebt sein wie Blumen, die von mir hingestellt sind, um seinen Thron zu schmücken.‘

,Bleibe ich hier allein?‘, fragte sie traurig.

,Nein, meine Tochter! Ich werde dich niemals verlassen. Mein Unbeflecktes Herz wird deine Zuflucht sein und der Weg, der dich zu Gott führen wird.‘“

Die Fünf ersten Samstage

Am genannten 10. Dezember 1925 erschien die heiligste Jungfrau und seitlich, in einer leuchtenden Wolke, ein Kind. Die heiligste Jungfrau legte ihr die Hand auf die Schulter und zeigte das von Dornen umgebene Herz, das sie in der anderen Hand hielt. Das Kind sagte:

 „Habe Mitleid mit dem Herzen deiner heiligsten Mutter, umgeben von Dornen, mit denen die undankbaren Menschen es ständig durchbohren, ohne dass jemand einen Sühneakt machen würde, um sie herauszuziehen.“

Darauf sagte die heiligste Jungfrau:

„Meine Tochter, sieh mein Herz umgeben von Dornen, mit denen es die undankbaren Menschen durch ihre Lästerungen und Undankbarkeiten ständig durchbohren. Bemühe wenigstens du dich, mich zu trösten und teile mit, dass ich verspreche, all jenen in der Todesstunde mit allen Gnaden, die für das Heil dieser Seelen notwendig sind, beizustehen, die fünf Monate lang jeweils am ersten Samstag beichten, die heilige Kommunion empfangen, einen Rosenkranz beten und mir während 15 Minuten durch Betrachtung der 15 Rosenkranzgeheimnisse Gesellschaft leisten in der Absicht, mir dadurch Sühne zu leisten.“

Maria hat mit diesen Worten all denjenigen das Heil versprochen, die wenigstens einmal im Leben die Fünf ersten Samstage auf die Art und Weise von Fatima feiern, das heißt: jeweils am ersten Samstag in fünf aufeinander folgenden Monaten beichten, die heilige Kommunion empfangen, den Rosenkranz beten und der Jungfrau Maria 15 Minuten Gesellschaft leisten durch die Betrachtung eines oder mehrerer Rosenkranz-Gesätzchen – all dies in der Absicht, dem Unbefleckten Herzen Mariens Wiedergutmachung zu leisten.

Weltweite Verbreitung der Andacht

Der Diözesanbischof von Leiria-Fatima hat im Jahre 1939 die Erscheinungen als glaubwürdig bestätigt; Lucias Zelle wurde später in eine Kapelle umgestaltet. Die Andacht der Fünf ersten Samstage verbreitete sich zuerst in Portugal und dann auch andernorts. In Slowenien, im Bistum Ljubljana, hat Bischof Dr. Gregorij Rožman (1883-1959) diese Andacht mit großem Eifer und Einsatz gefördert. Auch in den Jahren der Vorbereitung auf das 100-Jahr-Jubiläum ist sie auf nationaler Ebene in den Vordergrund gerückt.

Im deutschsprachigen Raum fand diese Bitte der Muttergottes nur wenig Anklang. Angesichts so vieler Nöte in unserer Gesellschaft und der systematischen Verbreitung schwerer moralischer Irrtümer, könnte diese an sich so schlichte Praxis vielen Menschen helfen, von neuem in Gott Wurzeln zu fassen. Wenn in anderen Erscheinungen und Prophezeiungen von großen Drangsalen und von einem zweiten Pfingsten die Rede ist, so vergessen wir nicht, was Unsere Liebe Frau von Fatima uns gelehrt hat: Durch unsere Rückkehr zu Gott und durch die Widergutmachung, die wir für unsere und unserer Nächsten Sünden dem Unbefleckten Herzen Mariens bringen, können wir den Lauf der Geschichte ändern.

Leben nach den Botschaften von Fatima

Es reicht nicht, die Ereignisse von Fatima zu kennen. Wir sind gerufen, im Einklang mit den Botschaften des Engels, Mariens und Jesu zu leben. Ein Jahr nach dem Attentat, am 13. Mai 1982, sagte Johannes Paul II. in Fatima:

„Die Botschaft Unserer Lieben Frau von Fatima ist – wenn auch von mütterlicher Sorge und Liebe getragen – stark und entschieden, sie scheint streng zu sein. Es ist so, als ob Johannes der Täufer am Ufer des Jordan sprechen würde. Sie lädt zur Buße ein, sie mahnt, sie ruft zum Gebet auf.“

Maria übernahm die Rolle der alten Propheten und Johannes des Täufers. Sie möchte uns auf Christus und sein Reich vorbereiten.

Es gelten die Worte von Msgr. Bertone: „Fatima ist unter den modernen Erscheinungen zweifellos die prophetischste.“

Papst Benedikt XVI. sagte bei seiner Reise nach Lissabon am 11. Mai 2010 in Zusammenhang mit der Botschaft von Fatima: „Mit einem Wort gesagt, wir müssen gerade das Wesentliche neu lernen: die Umkehr, das Gebet, die Buße und die göttlichen Tugenden. So antworten wir. Seien wir realistisch darauf gefasst, dass das Böse immer angreift, von innen und von außen, aber dass auch die Kräfte des Guten immer gegenwärtig sind und dass letztendlich der Herr stärker ist als das Böse. Und die Muttergottes ist für uns eine sichtbare, mütterliche Garantie der Güte Gottes, die immer das letzte Wort in der Geschichte ist.“

Bei seiner Ansprache am Flughafen machte er uns auf Folgendes aufmerksam: „Die Jungfrau Maria ist vom Himmel gekommen, um uns an die Wahrheiten des Evangeliums zu erinnern, die für eine lieblose und heilsvergessene Menschheit die Quelle der Hoffnung bilden.“

Bei seiner Predigt am 13. Mai 2010 in Fatima drückte Papst Benedikt XVI. den Wunsch aus: „Möge in den sieben Jahren, die uns noch vom hundertsten Jahrestag der Erscheinungen trennen, der angekündigte Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens zu Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit näherkommen.“

Gott bereitet diesen Triumph vor, aber unser Mittun ist unentbehrlich. Jetzt stehen wir im Jubiläumsjahr. Wir dürfen uns fragen, ob nicht auch wir einen konkreten Beitrag leisten können, damit dieser Triumph zu einer beglückenden Wirklichkeit für die ganze Menschheit wird. Maria lädt uns ein, ihr zu helfen. Es ist eine schöne und verantwortungsvolle Aufgabe, die auf jeden von uns wartet. Christus wird triumphieren, das Reich Gottes ist im Kommen – durch Maria!   

Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 2+3/Februar+März 2017
© Kirche heute Verlags-gGmbH (Altötting)

Die Hypothese eines „vierten Geheimnisses“

Unbekannte Vision von Sr. Lucia

Professor Dr. Manfred Hauke (geb. 1956), der seit 1993 an der Theologischen Fakultät Lugano Dogmatik lehrt, gehört heute zu den profiliertesten Mariologen der katholischen Kirche. Er ist ein ausgesprochener Kenner der Marienerscheinungen von Fatima und hat den deutschsprachigen Teil des Internationalen Mariologischen Kongresses organisiert, der anlässlich des 100-jährigen Jubiläums vom 6. bis 11. September 2016 in Fatima stattgefunden hat. In seinem eigenen Beitrag geht Hauke auch auf die Diskussionen um das sog. „Dritte Geheimnis“ von Fatima ein und stellt fest: Im Jahr 2000 wurde der Text vom Vatikan vollständig veröffentlicht. Es gibt kein viertes Geheimnis, jedoch eine Vision von Sr. Lucia, die erst 2013 bekannt geworden ist.  Die folgenden Seiten sind ein leicht gekürzter und mit Zwischentiteln bereicherter Auszug aus seinem Artikel: „Der heilige Johannes Paul II. und Fatima“.[1]

Von Manfred Hauke

Bezüglich des „dritten Geheimnisses“ von Fatima gibt es geradezu einen „Dschungel“ von Hypothesen und Spekulationen, welche die Echtheit oder Vollständigkeit des im Jahre 2000 veröffentlichten Textes in Zweifel ziehen. Viele fragten: Wieso konnte man diese Vision nicht schon viele Jahre früher veröffentlichen? Vielleicht hat der Vatikan das echte „Geheimnis“ verheimlicht oder zumindest einen Teil?[2]

Meines Erachtens ist eine „Hermeneutik des Verdachtes“ zu vermeiden. Den Mitteilungen des Heiligen Stuhles gegenüber sollte grundsätzlich eine Haltung des Vertrauens eingenommen werden. Das schließt nicht aus, bei manchen Punkten durchaus kritische Fragen zu stellen.

Aus dem Tagebuch Sr. Lucias

Bevor die kontroverse Diskussion nach dem Jahre 2000 angedeutet wird, sei eine wichtige Information vorangestellt, die erst im Jahre 2013 überhaupt bekannt wurde. Sr. Lucia hat eine umfangreiche Autobiografie hinterlassen, die als Ganze bislang nicht veröffentlicht wurde, aber mit zahlreichen ausführlichen Zitaten eingegangen ist in die Biografie, die der Karmel von Coimbra der Öffentlichkeit vorgelegt hat. Das portugiesische Original wurde in der Folge auch ins Italienische und Englische übersetzt.[3] Das Werk zitiert einen ausführlichen Text aus der Autobiografie Sr. Lucias, der die Zeit unmittelbar vor der Niederschrift des „dritten Geheimnisses“ beschreibt und sich auf den gleichen Tag bezieht, den 3. Januar 1944.

„Reinigung der Welt von der Sünde“

Sr. Lucia beschreibt, wie Maria sie ermuntert, den Befehl des Bischofs von Leiria zur Niederschrift des „dritten Geheimnisses“ auszuführen:

„,Fürchte dich nicht: Gott wollte deinen Gehorsam, deinen Glauben und deine Demut auf die Probe stellen. Sei ruhig und schreibe, was sie dir auftragen, nicht aber das, was dir über seine Bedeutung zu verstehen gegeben wurde. Nachdem du es geschrieben hast, lege es in einen Umschlag, schließe ihn und versiegele ihn und schreibe außen darauf, dass er erst 1960 vom Kardinal-Erzbischof von Lissabon oder vom Bischof von Leiria geöffnet werden darf.‘

Und ich spürte, wie mein Geist durch ein Geheimnis des Lichtes erfüllt wurde, das Gott ist. In ihm sah und hörte ich: ‚Die Spitze der Lanze wie eine Flamme, die sich ausbreitet, die Erdachse berührt und diese erschüttert: Berge, Städte und Dörfer mit ihren Einwohnern werden begraben. Das Meer, die Flüsse und die Wolken überschreiten ihre Grenzen; sie überschwemmen und ziehen mit sich eine gewaltige Zahl von Häusern und Menschen in einen Strudel hinein. Das ist die Reinigung der Welt von der Sünde, in die sie versunken ist. Der Hass und der Ehrgeiz rufen den zerstörerischen Krieg hervor!‘

Danach hörte ich beim schnelleren Schlag meines Herzens und in meinem Geist das Echo einer sanften Stimme, die sagte: ‚In der Zeit ein Glaube, eine Taufe, eine heilige katholische und apostolische Kirche. In der Ewigkeit der Himmel!‘

Dieses Wort Himmel erfüllte meine Seele mit Frieden und Seligkeit (…)"[4]

Deutung des „dritten Geheimnisses“?

Zu unterscheiden sind demnach der Text des „dritten Geheimnisses“, der die Schau vom 13. Juli 1917 wiedergibt, und die zumindest teilweise Deutung desselben, die Sr. Lucia nicht niederschrieb. Die Weisung, die Öffnung des versiegelten Umschlages nicht vor dem Jahr 1960 vorzunehmen, geht nach der Autobiografie der Ordensschwester auf die Weisung der Gottesmutter zurück. Was Sr. Lucia dann nach der Erscheinung Mariens schaut, entspricht zum Teil dem Gehalt des im Jahr 2000 veröffentlichten „dritten Geheimnis“: das Bild vom Feuerschwert des Engels mit den Flammen, welche die Welt zu entzünden drohen; der Triumph der Gnade, insofern die Engel am Kreuz das Blut der Märtyrer sammeln und damit die Seelen tränkten, „die sich Gott näherten“.[5] Der erst 2013 veröffentlichte Text beschreibt freilich eine von den „Flammen“ (des Engels?) ausgelöste Katastrophe, während im „dritten Geheimnis“ Maria mit dem von ihrer rechten Hand ausgehenden Glanz die „Flammen“ zum Erlöschen bringt, während ein Engel auf die Erde zeigt und mit lauter Stimme zur Umkehr aufruft: „Buße, Buße, Buße!“ Der Text von 2013, so scheint es, deutet am Ende deutlicher den Triumph der Kirche an, der sich schon in der irdischen Pilgerzeit bekundet.

Hat Johannes Paul II. von dem Gehalt des Textes gewusst, der erst 2013 veröffentlicht wurde? Wahrscheinlich nicht. Zumindest sind bislang keine sicheren Hinweise darauf zu Tage getreten.

Das angebliche „vierte Geheimnis“

Angedeutet sei die Diskussion um das „vierte Geheimnis“ von Fatima ausgehend von dem einschlägigen Werk des italienischen Journalisten Antonio Socci. Nach Socci hat Sr. Lucia zwei verschiedene Texte bezüglich des „dritten Geheimnisses“ geschrieben: den einen in dem Heft, das sie für ihr geistliches Tagebuch benutzte, und den anderen auf ein Blatt, das sie danach in den versiegelten Umschlag legte.[6] Der eine Text sei im Jahr 2000 veröffentlicht worden, der andere nicht. Als „Beweis“ dafür zitiert Socci u.a. die französische Übersetzung einer Erklärung Sr. Lucias gegenüber dem spanischen Erzbischof von Valladolid: man habe ihr geboten, das Geheimnis entweder in die Hefte zu schreiben, die sie als geistliches Tagebuch führen sollte, oder aber es in einen versiegelten Umschlag zu legen.[7] Nach dem spanischen Original (o – o) und der von Socci zitierten französischen Übersetzung (soit – soit) ist es klar, dass es sich um eine Alternative handelt: „entweder“ das Schreiben in das Tagebuch „oder“ auf ein Blatt.[8] Socci hat das französische soit – soit falsch mit dem Italienischen sia – sia übersetzt, was genau das Gegenteil bedeutet, nämlich „sowohl als auch“. Der gleiche Irrtum fand sich schon bei einigen Autoren aus den Vereinigten Staaten, die sich auf die englische Übersetzung des französischen Originals von Michel de la Sainte Trinité’s Werk über das „dritte Geheimnis“ gestützt hatten.[9]

Irrtümer wurden ausgeräumt

Socci setzt außerdem voraus, Sr. Lucia habe den versiegelten Brief gemeinsam mit dem Heft des geistlichen Tagesbuches (das noch nicht vollendet war) dem Bischof von Leiria übergeben, so dass zwei verschiedene Texte nach Rom gelangt seien. Aus der Beschreibung von Sr. Lucia ergibt sich hingegen, dass sie zeitweilig den Brief in das Tagebuch gelegt hat, aber nicht, dass es sich um zwei unterschiedliche Texte handelt.[10] Das „dritte Geheimnis“ besteht nach den Angaben Sr. Lucias in ihrer Autobiografie nicht aus zwei Teilen, sondern ist niedergeschrieben in dem versiegelten Brief.

Ein weiteres Argument von Socci betrifft die Originalschrift des Dokumentes: der im Jahr 2000 veröffentlichte Text finde sich auf vier Seiten, während das Original nur eine einzige Seite umfasse.[11] Dieser Widerspruch ist freilich nur scheinbar, denn gemäß den damaligen Gepflogenheiten in Portugal (und Brasilien) handelt es sich um ein einziges großes Blatt, das viermal gefaltet wurde, so dass sich auf dem gleichen Blatt vier unterschiedliche Teile mit jeweils 16 Zeilen finden. Der Irrtum Soccis wäre zu vermeiden gewesen, wenn die Glaubenskongregation das Original schon im Jahr 2000 mit einer genaueren Beschreibung oder Wiedergabe veröffentlicht hätte; erst einige Jahre später, während der Fernsehsendung „Porta a Porta“ vom 31. Mai 2007, zeigte Kardinal Bertone das große Blatt, das gefaltet aus vier Seiten besteht.[12]

Hinweise auf die Krise der Kirche

Die Zweifel über die Vollständigkeit des im Jahr 2000 publizierten Textes gehen vor allem auf Aussagen zurück, nach denen man für den Gehalt einen Hinweis auf die Krise des Glaubens und das Versagen der kirchlichen Hierarchie annimmt. In der Tat deutet sich ein Hinweis auf die Glaubenskrise in dem Satz aus der „Vierten Erinnerung“ von Sr. Lucia an, an dessen Ende ein Hinweis auf das „dritte Geheimnis“ steht: „In Portugal wird sich immer das Dogma des Glaubens erhalten usw."[13] Wenn die Bewahrung des Glaubens in Portugal hervorgehoben wird, scheint es einleuchtend, dass dies in vielen anderen Ländern, vor allem in Europa, nicht der Fall sein wird. Dies deutet auf eine Glaubenskrise, die zu einem erheblichen Teil zurückgeht auf das Versagen vieler Verantwortlicher in der Kirche. All dies geht schon aus einer genauen Betrachtung des zweiten Teiles des „Geheimnisses“ hervor. P. Alonso bemerkt außerdem, dass Sr. Lucia himmlische Mitteilungen empfangen habe über die Krise des Glaubens und das Versagen der hohen kirchlichen Hierarchie.[14]

Es ist nicht notwendig, diese Informationen besonders mit dem „dritten Geheimnis“ zu verbinden oder einem verborgenen „vierten Geheimnis“.

Die visionäre Symbolsprache, wonach der Heilige Vater von Kugeln und Pfeilen getroffen wird, kann sich (nach der Erklärung Benedikts XVI. während seines Fluges nach Fatima im Jahr 2010) auch auf die Sünden beziehen, die aus dem Inneren der Kirche hervorgehen.[15]

Der publizierte Text ist vollständig

Nach wie vor lassen sich weitere Fragen stellen. Gibt es vielleicht einen „Zusatz“ zum „dritten Geheimnis“?[16] Ist ein solcher „Zusatz“ identisch oder vergleichbar mit dem Text vom 3. Januar 1944, den die Karmelitinnen von Coimbra 2013 veröffentlichten? Wieso gibt es eine Erklärung Marias für die Vision des ersten Teils des „Geheimnisses“ (Höllenvision), während ein solcher Kommentar für die Vision zum „dritten Geheimnis“ fehlt?[17]

Die Frage nach der Vollständigkeit des „dritten Geheimnisses“ hat am 21. Mai 2016 eine Antwort erfahren durch den emeritierten Heiligen Vater Benedikt XVI.: „Die Veröffentlichung des Dritten Geheimnisses ist vollständig“.[18]

Martyrium des Papstes ist keine Kleinigkeit

Wenn das „dritte Geheimnis“ „nur“ die im Jahr 2000 bekannt gemachte Vision enthält, wie erklärt sich dann das lange Zögern des Heiligen Stuhles bezüglich der Veröffentlichung? Vielleicht ist der Hauptgrund dafür der Hinweis auf den Papst, der als Märtyrer stirbt. Der Tod des Stellvertreters Christi auf Erden ist keine Kleinigkeit.

Das „dritte Geheimnis“ passt jedenfalls zu den wenigen gesicherten Informationen, die schon früher bekannt wurden. Das gilt besonders für die Rede von Kardinal Ottaviani im Jahr 1967, der gemeinsam mit Papst Johannes XXIII. den Text des Geheimnisses gelesen hat: der Kardinal unterstrich, dass das Geheimnis den Papst betreffe und bemerkte auch die Bedeutung der Buße, ein Wort, das in der Tat im Text dreimal wiederholt wird.[19]

Dringlichkeit von Buße und Umkehr

Auch die beiden Interviews von Kardinal Ratzinger mit Vittorio Messori 1984 und 1985 belegen kein „viertes Geheimnis“.[20] Im zweiten Interview sprach der Kardinal auch aus der Sicht des Papstes, um zu erklären, warum das „dritte Geheimnis“ noch nicht enthüllt worden war: „Der Heilige Vater ist der Ansicht, dass es dem nichts Neues hinzufügen würde, was ein Christ aus der Offenbarung und auch aus den von der Kirche anerkannten Marienerscheinungen mit ihren bekannten Inhalten her wissen muss, die die Dringlichkeit von Buße, Bekehrung, Vergebung, Fasten nur bestätigen. Würde man das ‚dritte Geheimnis‘ veröffentlichen, so würde man sich auch der Gefahr aussetzen, dass der Inhalt für Sensationen missbraucht wird“.[21]

Seligsprechung der beiden Seherkinder Francisco und Jacinta

16 Jahre später änderte Johannes Paul II. seine Meinung und beschloss, das „dritte Geheimnis“ anlässlich der Seligsprechung der beiden Seherkinder Francisco und Jacinta zu veröffentlichen. Tarcisio Bertone erklärt den Grund dafür: „Die Seligsprechung von Jacinta und Francisco zu betreiben und nichts über das ‚Dritte Geheimnis‘ zu sagen, wäre als unerklärliche und unverzeihbare Unterlassung gedeutet worden. Es hätte den Anlass gegeben für eine endlose Menge von Vermutungen … Es war ein pastorales Anliegen für die Entschärfung der Frage“.[22]

Die vorbildliche Heiligkeit der beiden Seherkinder, die im kanonischen Prozess deutlich wurde, konnte diese Entscheidung ermuntern. Auch wenn der Papst nie öffentlich die Bedeutung des „dritten Geheimnisses“ kommentierte, so können wir doch voraussetzen, dass ihm der Inhalt zumindest indirekt in vielen seiner Aussagen und Handlungen gegenwärtig war, insbesondere bezüglich der Bedeutung von Buße, Martyrium und stellvertretendem Leiden.[23]

Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 2+3/Februar+März 2017
© Kirche heute Verlags-gGmbH (Altötting)


[1] Manfred Hauke: Der heilige Johannes Paul II. und Fatima, in: Ders. (Hrsg.): Fatima – 100 Jahre danach (Mariologische Studien 25), Pustet Verlag, Regensburg 2017, 246-303 (hier 293-299).
[2] Vgl. insbesondere A. M. Cesanek: Are There Two Original Manuscripts on the Third Secret?, in: Fatima Crusader, Nr. 64, 2000, 3-7; Laurent Morlier: Le troisième Secret de Fatima publié par le Vatican le 26 juin 2000 est un faux. En voici les preuves, Argentré-du-Plessis 2001; Ders.: Vrai ou faux troisième secret de Fatima?, Argentré-du-Plessis 2004; Paul Kramer: The Devil’s Final Batttle, Terryville, Connecticut 2002 (22010); Marco Tosatti: Il segreto non svelato, Casale Monferrato 2002; Ders.: La profezia di Fatima. Il quarto segreto e il futuro del mondo, Casale Monferrato 2007; Socci (2006); Ders.: Su Fatima nuove prove. Il quarto segreto è realtà, in: Libero, 2 giugno 2007; Solideo Paolini: Fatima. Non disprezzate le profezie, Udine 2005; Ders.: Una risposta significativa: disamina del libro su Fatima del card. Bertone con relativo seguito: le incongruenze della tesi ufficiale, Staffolo 2007; Ders.: „Non esiste“ perché distrutto? Il „Quarto Segreto“, l’antipapa massone e Fatima 2010, Pro manuscripto, Monte San Vito 2012; Ferrara (2008); Ders.: False friends of Fatima, Pound Ridge, NY 2012; De Belfont (2011).
[3] Vgl. Carmelo de Coimbra: Um caminho sob o olhar de Maria. Biografia da Irmã Maria Lúcia de Jesus e do Coração Imaculado, Edições Carmelo: Marco de Canaveses 2013; italienische Übersetzung: Carmelo di Coimbra: Un cammino sotto lo sguardo di Maria. Biografia di suor Lucia di Gesù e del Cuore Immacolato di Maria, Edizioni OCD: Roma 2014; englische Übersetzung: Carmel of Coimbra: A pathway under the gaze of Mary. A biography of Sister Maria Lúcia of Jesus and the Immaculate Heart, World Apostolate of Fatima: Washington 2015.
[4] Sr. Lucia: O meu caminho I, 158-160, in: Carmelo de Coimbra: Um caminho sob o olhar de Maria, 266f. Eigene Übersetzung.
[5] Kongregation für die Glaubenslehre: Die Botschaft von Fatima, 23 (Text des „dritten Geheimnisses“).
[6] Vgl. Socci (2006), 152.
[7] Vgl. Socci (2006), 152, mit Hinweis auf Michel de la Sainte Trinite: Toute la vérité sur Fatima III (1986), 36, der zitiert aus Joaquim María Alonso: La Verdad sobre el Secreto de Fatima, Madrid 1976, 33.
[8] Vgl. Borelli Machado (2007), 9.
[9] Vgl. Borelli Machado (2007), 10.
[10] Vgl. Michel de la Sainte Trinite: Toute la vérité sur Fatima III (1986), 38-40; Borelli Machado (2007), 10-12.
[11] Vgl. Socci (2006), 154.
[12] Vgl. Borelli Machado (2007), 12f.
[13] Sr. Lucia: Vierte Erinnerung II, 5 (S. 190).
[14] Vgl. Michel de la Sainte Trinite: Toute la vérité sur Fatima III (1986), 473, mit Hinweis auf Alonso: Verdad (1976), 72.
[15] Vgl. Benedikt XVI.: Interview mit den Journalisten auf dem Flug nach Portugal, 11. Mai 2010, unter: w2.vatican.va (Zugang 30.7.2016); vgl. Insegnamenti di Benedetto XVI, Bd. VI,1 (2010), Città del Vaticano 2011.
[16] So eine Aussage von Mons. Loris Capovilla, in: Il Giornale, 22. September 2007; vgl. Paolini (2012) 12.
[17] Vgl. etwa Ferrara (2012), 105.
[18] Radio Vatikan, 21. Mai 2016: Benedikt XVI.: Drittes Fatima-Geheimnis komplett veröffentlichtde.radiovaticana.va (Zugang 1.8.2016).
[19] Vgl. Michel de la Sainte Trinite: Toute la vérité sur Fatima III (1986), 488f.
[20] Siehe den Vergleich zwischen den beiden Versionen (November 1984, in der italienischen Monatszeitschrift „Jesus“, und Juni 1985, „Rapporto sulla fede“) in Michel de la Sainte Trinite: Toute la vérité sur Fatima III (1986), 554-556; Socci (2006), 99. 102; Vittorio Messori, der die beiden Interviews mit dem Kardinal führte, betonte, dass viele unterschiedliche Feinheiten auf die Formulierung des Journalisten zurückgehen: Corriere della Sera, 21. November 2006.
[21] Joseph Ratzinger: Zur Lage des Glaubens. Ein Gespräch mit Vittorio Messori, München 1985, 112.
[22] Bertone (2007), 57.
[23] Siehe etwa die Botschaft zum Regina coeli, 24. Mai 1981 (11 Tage nach dem Attentat), an die Kranken mit der Zitation von Kol 1,24: Inseg IV,1 (1981) 1211f.   

Neuen Kommentar schreiben

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder! Die Redaktion behält sich das Recht vor, Kommentare gegebenenfalls nicht für die Veröffentlichung freizugeben oder in Abstimmung mit den jeweiligen Autoren zu kürzen.