August-September 2018

Liebe Leser

Von Erich Maria Fink und Thomas Maria Rimmel

Als Titelthema haben wir das Apostolische Schreiben von Papst Franziskus über den Ruf zur Heiligkeit in der Welt von heute gewählt. Datiert ist es auf den 19. März 2018, also das Hochfest des hl. Josef. Schon damit wollte der Papst ein Zeichen setzen. Denn für ihn ist das Streben nach Heiligkeit unmittelbar mit dem Blick auf „die schon vollendeten Gerechten“ in der Vereinigung mit Gott verbunden. Und dabei geht es ihm nicht nur um das Vorbild der Heiligen. Mit erfrischender Klarheit unterstreicht er die lebendige Gemeinschaft, in der wir mit den Heiligen verbunden sind. Sie bieten uns ihre Hilfe an, damit wir im Ringen zwischen Gut und Böse standhaft bleiben und mit Ausdauer dem Siegeskranz entgegengehen.

Dieses Thema wird insbesondere durch die Beiträge von Paul Josef Kardinal Cordes und Joachim Jauer veranschaulicht. Cordes zeigt am Beispiel der hl. Teresa von Avila und des sel. John Henry Newman das Wesen der Heiligkeit auf, die ihren Ausgang in der Ergriffenheit von der Majestät Gottes nimmt und in die vollkommene Hingabe an das Du Gottes einmündet. Jauer ruft das Zeugnis der beiden Frauen Elisabeth Schmitz und Margarete Sommer in Erinnerung, die vor 125 Jahren geboren und inzwischen unter die „Gerechten der Völker“ aufgenommen wurden. Außerdem widmet er seine Aufmerksamkeit den Opfern des militanten Atheismus der Kommunisten, wobei er dieser „größten Christenverfolgung der Geschichte“ durch den Blick auf einige Schicksale ein Gesicht verleiht.

„,Freut euch und jubelt‘ (Mt 5,12), sagt Jesus denen, die um seinetwillen verfolgt oder gedemütigt werden“, genau mit diesen Worten aus den Seligpreisungen am Anfang der Bergpredigt beginnt auch das genannte Dokument des Papstes „Gaudete et exsultate“. Doch mit seinem Aufruf zur Heiligkeit hat sich Franziskus wieder einmal zwischen alle Stühle gesetzt. Sein Schreiben passt in keines der verbreiteten Schemata.

Für die einen stellt das Dokument einen Affront gegenüber den Protestanten dar, obwohl Franziskus die Ökumene der Märtyrer hervorhebt, da ihr Erbe – wie bereits der hl. Johannes Paul II. formuliert hat – lauter spreche als die Faktoren der Trennung. Dennoch ist der Grundansatz des Schreibens tatsächlich nicht mit der reformatorischen Theologie vereinbar und weit entfernt von dem Ökumenischen Dokument „Communio Sanctorum – Die Kirche als Gemeinschaft der Heiligen“, das die Bilaterale Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz und der Kirchenleitung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands im Januar 2000 veröffentlicht hat.

Andere stört am Schreiben des Papstes, dass es so ausführlich auf den Teufel eingeht, wieder andere halten es für zu sehr an der „Orthopraxie“ statt an der „Orthodoxie“ orientiert, es lege also zu großen Wert auf das rechte Tun und vernachlässige die Glaubensinhalte. Wieder andere kommen nicht damit zurecht, dass er an Erscheinungsformen Kritik übt, die besonders bei konservativ ausgerichteten Gruppierungen anzutreffen sind. Und so wird das Dokument weitgehend totgeschwiegen, und zwar von allen Seiten.

Liebe Leser, wir halten den Aufruf des Papstes für ein richtungsweisendes Dokument. Wer ehrlich an das Schreiben herangeht, muss dem Papst einfach Recht geben und kann für diese einzigartige Hilfestellung nur dankbar sein. Wir möchten Ihnen das Schreiben ans Herz legen und beten dafür, dass Gott unserer Kirche Einheit schenke und sie tatsächlich im Glanz neuer Heiligkeit erstrahlen lasse. Mit der Bitte um Ihre großherzige Unterstützung sagen wir Ihnen zugleich ein aufrichtiges Vergelt's Gott und wünschen Ihnen unter dem Schutz Mariens Gottes reichsten Segen.

 

Gott will persönlich in unser Leben eingreifen

Heiligkeit bei den Heiligen ablesen

Von Paul Josef Kardinal Cordes, Rom

In den großen Männern und Frauen der Kirche, so Paul Josef Kardinal Cordes, hat Gott ein Gesicht bekommen. In Ihnen offenbart er seine persönliche Hinwendung zu den Menschen. Er sucht die Begegnung, tritt in ihr Leben ein, überrascht sie mit der Gegenwart seiner Herrlichkeit, wirbt um ihr Vertrauen und ihre Hingabe. Umgekehrt zeigt sich im Leben der Heiligen, „was geschieht, wenn ein Mensch im Vollsinn glaubt“. Heiligkeit übersteigt Moral und Vertrautheit mit der kirchlichen Lehre. Heiligkeit bedeutet, sich vollkommen an das Du Gottes auszuliefern, ihm freie Hand zu geben, damit Er in unserem Leben und durch uns Seine Geschichte des Heils schreiben kann. weiter...


Zum Dokument des Papstes über den Ruf zur Heiligkeit

„Freut euch und jubelt!“

Von Erich Maria Fink

Papst Franziskus hat mit Datum vom 19. März 2018, dem Hochfest des hl. Josef, das Apostolische Schreiben „Gaudete et Exsultate“ – „Freut euch und jubelt“ über den Ruf zur Heiligkeit in der Welt von heute veröffentlicht. Pfarrer Erich Maria Fink misst dem Dokument eine zweifache Bedeutung bei. Einerseits sieht er darin eine ausgezeichnete Hilfe, um das derzeitige Pontifikat verstehen und schätzen zu lernen, andererseits ist es für ihn eine treffende Wegweisung, um in der heutigen Zeit den richtigen Weg für ein authentisch gelebtes Christentum zu finden. Nach Pfarrer Fink verdient das Schreiben eine viel größere Aufmerksamkeit, als es sie bisher gefunden hat. weiter...


Zum 125. Geburtstag von Elisabeth Schmitz und Margarete Sommer

„Gerechte unter den Völkern“

Von Joachim Jauer

Vor 125 Jahren wurden zwei deutsche Frauen geboren, die posthum von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem den Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“ erhielten. Beide überlebten die Nazi-Zeit, obwohl sie sich mit ihrem Engagement für die verfolgten Juden in große Gefahr begeben hatten. Leider sind sie in Deutschland weitgehend unbekannt. Es handelt sich um die Katholikin Margarete Sommer aus Berlin (21.07.1893-30.06.1965, geehrt 2003) und um die Protestantin Elisabeth Schmitz aus Hanau (23.08.1893-10.09.1977, geehrt 2011). Sommer, die über Strafgefangenenfürsorge promoviert hatte und im Fach Sozialfürsorge dozierte, rettete mit Hilfe eines ganzen Netzwerks unzählige Menschen vor der Vernichtung. Seit 1932 war sie Mitglied einer Dominikanischen Laiengemeinschaft. Schmitz war eine echte Widerstandskämpferin, die von Anfang an erahnte, dass die Nazi-Politik zum Holocaust führen wird, und mit prophetischen Denkschriften aufzurütteln versuchte. Der bekannte Journalist und Schriftsteller Joachim Jauer ruft im Jubiläumsjahr die Verdienste dieser beiden Frauen in Erinnerung und stellt die Frage nach dem persönlichen Engagement jedes Einzelnen angesichts der Herausforderungen in unserer Zeit. weiter...


Die politische Debatte um Werbung für Abtreibung ist zutiefst unmenschlich

Deutscher Ärztetag sagt „Nein“

Von Cornelia Kaminski

Der Bundesverband Lebensrecht (BVL), in dem die Bewegungen KALEB e.V. und Aktion Lebensrecht für Alle e.V. (ALfA) organisiert sind, rufen zu einem deutlichen Signal an die Politik auf. Denn die derzeitige Debatte über die Aufhebung des Werbeverbots für Abtreibungseinrichtungen sei ganz offensichtlich von den unmenschlichen „Lügen der Abtreibungslobby“ geprägt. Selbst der Deutsche Ärztetag habe sich gegen eine Legalisierung ausgesprochen. Die Abgeordneten, welche die Tötung Ungeborener als Unrecht betrachten, wie es auch im Gesetz verankert ist, und Abtreibung nicht als Menschenrecht anerkennen wollen, seien in der Minderzahl. Umso mehr bräuchten sie jetzt unsere ganze Unterstützung. weiter...


Fatima und die junge Bundesrepublik (Teil 9)

Europa nach dem Vorbild Karls des Großen

Von Dorothea und Wolfgang Koch

Der europäische Einigungsprozess, der nach dem Zweiten Weltkrieg mit großem Elan begonnen hatte, ist ins Stocken geraten. Heute sieht sich die Europäische Union mit gewaltigen Herausforderungen konfrontiert. Die anfängliche Euphorie ist Ängsten gewichen, welche die europäische Idee zugunsten nationaler Interessen mehr und mehr verdrängen. Wir spüren die Notwendigkeit, die Weichen neu zu stellen, sollte das „europäische Projekt“ vor dem Scheitern bewahrt werden. Ein Blick auf das Europa Karls des Großen kann uns dabei Orientierung geben. Schon die Gründungsväter des Vereinten Europas haben verstanden, dass die europäischen Nationen ohne christliche Seele keinen inneren Zusammenhalt finden würden. So haben sie den Akzent auf die geistige und geistliche Erneuerung des gesellschaftspolitischen Lebens gesetzt, aber nicht nur nach einem Katalog christlicher Werte, sondern im Geist eines lebendigen und vertrauensvollen christlichen Glaubens. Im 9. Teil ihrer Artikelserie über die junge Bundesrepublik weisen Prof. Dr. Wolfgang Koch und seine Frau Dorothea auf ein interessantes Detail hin, nämlich die Parallele des Blicks auf Maria in der karolingischen Zeit und in der Nachkriegszeit des 20. Jahrhunderts. weiter...


Zeugnisse von Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten

„Ich spüre, dass Gott uns nie verlassen hat“

Von Tobias Lehner

Ferienzeit, Sommerspaß, unbeschwert die Kindheit genießen: Für Kinder hierzulande ist das weitgehend selbstverständlich. Für Millionen ihrer Altersgenossen weltweit ist das jedoch ein unerreichbarer Wunschtraum. Sie leben in Krieg, Armut, Elend und Gefahr. Die Mitarbeiter des päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ stoßen bei ihrer Projektarbeit in über 140 Ländern immer wieder auf beeindruckende Zeugnisse kindlichen Glaubens. Drei Berichte aus unterschiedlichen Weltregionen haben wir aufgezeichnet. weiter...


Größte Christenverfolgung der Geschichte darf nicht ausgeblendet werden

Zeugen für Gott

Von Joachim Jauer

Der militante Atheismus der Kommunisten setzte alles daran, die christliche Kultur zu beseitigen. In seinem gesamten Einflussbereich wurden die Gläubigen gleich welcher Konfession brutal unterdrückt. Was die Sowjets in Russland und all ihren Satelliten-Staaten angestoßen hatten, entwickelte sich zur größten Christenverfolgung in der Geschichte. Doch, wie Joachim Jauer mit Besorgnis feststellt, werde die Erinnerung an diese Ereignisse in unserer zunehmend kirchenfernen Gesellschaft bewusst ausgeblendet. Es sei bedauerlich, dass das Thema in den Medien kaum noch eine Rolle spiele. Umso erfreulicher seien drei Bücher, welche das katholische Osteuropa-Hilfswerk Renovabis in den vergangenen Jahren herausgegeben hat. Es handelt sich zunächst um zwei Bände mit dem Titel „Zeugen für Gott“. Darin werden beispielhaft die Schicksale von 37 Christen vorgestellt, die unter den Repressionen der roten Diktaturen zu leiden hatten. Diese beiden Bände werden in einem ergänzenden Buch systematisch aufgearbeitet, das den Titel trägt: „Es gibt keinen Gott!“ – Kirchen und Kommunismus – Eine Konfliktgeschichte. Jauer, der als langjähriger DDR- und Osteuropa-Korrespondent und ZDF-Studioleiter in Berlin bekannt geworden ist, bietet eine aufschlussreiche Hinführung zu den Publikationen. weiter...