April 2020

Liebe Leser

Von Erich Maria Fink und Thomas Maria Rimmel

Als Titelthema haben wir das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Sterbehilfe gewählt. „Der 26. Februar 2020 stellt einen dunklen Tag für die deutsche Rechtsprechung dar.“ Mit diesen Worten beginnt Prof. Dr. Dr. Ralph Weimann, promoviert in Theologie und Bioethik, seinen Leitartikel, den er aus diesem Anlass für uns verfasst hat.

Erschreckend ist nicht nur die Tatsache, dass nun auch in Deutschland die geschäftsmäßige Tötung sterbewilliger Menschen legalisiert wird, sondern vor allem auch die Urteilsbegründung. Sie stellt einen unmittelbaren Angriff auf die Menschenwürde dar. Von der Pflicht der staatlichen Gemeinschaft, dem Leben einen übergeordneten Wert beizumessen und es mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu schützen, ist kein Ton zu hören. Eiskalt wird der Mensch einer angeblich verbrieften Selbstbestimmung geopfert. Und um ja keinen Zweifel an diesem neu definierten Menschenrecht zum Selbstmord aufkommen zu lassen, wird hervorgehoben, dass Staat und Gesellschaft verpflichtet seien, den Sterbewilligen in der Ausübung ihrer Selbstbestimmung zu Diensten zu stehen, d.h. allen Lebensmüden die notwendige Hilfe zur Verfügung zu stellen, um sich das Leben nehmen zu können. In diesem Licht wird nun das bisherige Verbot der „geschäftsmäßigen“ Euthanasie als verfassungswidrig zurückgewiesen. Doch im Grunde genommen ist es genau umgekehrt. Die Urteilsbegründung hebt das Fundament unseres Staates aus den Angeln, der nach den Schrecken des Dritten Reichs auf dem Wert der unantastbaren Würde jedes Menschen aufgebaut worden ist. Wer schützt uns nun vor den Ansichten der Personen, die im Bundesverfassungsgericht sitzen?

Unser demokratischer Rechtsstaat hat wieder einmal gezeigt, dass er sich vom Wertefundament, das aus dem christlichen Menschenbild erwachsen ist, verabschiedet hat. Der Geist nationalsozialistischer Euthanasiegesetze hat uns eingeholt. Welche gewaltige Aufgabe kommt da auf uns Christen zu! Nie dürfen wir uns mit dieser „Kultur des Todes“ abfinden. Unsere Perspektive von der göttlichen Würde und von der Berufung eines jeden Menschen zum ewigen Leben muss uns dazu anleiten, Gott als einzigen Herrn über Leben und Tod anzuerkennen, selbst aber mit all unseren Kräften dem Leben zu dienen und die am Leben Verzweifelten, die Pflegebedürftigen und Schwachen, die Menschen, die keinen wirtschaftlichen Profit mehr bringen, mit dem Licht unserer Hoffnung zu erleuchten und mit selbstloser Liebe zu begleiten. Vor allem müssen wir uns dem nun aufkommenden Druck auf Schwerkranke entgegenstellen und christliche Solidarität zeigen. Denn aus dem Recht zur Selbsttötung wird schnell die „Pflicht zum Sterben“, wie es der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in seiner Stellungnahme zum Urteil ausgedrückt hat.

Als Christen glauben wir an die liebende Vorsehung Gottes und seinen erlösenden Plan für die Menschheit. So besteht unser Zeugnis darin, dass wir bereit sind, alles aus der Hand Gottes anzunehmen und uns von allem, was auf uns zukommt, führen und formen zu lassen. Gleichzeitig versuchen wir, auch unseren menschlichen Beitrag zu leisten und die christlichen Tugenden einzubringen. Das gilt nicht nur für die Frage der Sterbehilfe, sondern nun auch in besonderer Weise für den Umgang mit der Corona-Pandemie. Das Virus hat die Welt fest im Griff. Keiner weiß wirklich, wie man reagieren sollte. Deshalb brauchen wir niemanden verurteilen, weder die Verantwortlichen im Staat noch in der Kirche. Wir dienen Gott, der allein weiß, warum er all dies zulässt, am besten, wenn wir uns den Gegebenheiten, auch Regeln der Hygiene und sozialen Distanzierung, fügen und zugleich jede Gelegenheit wahrnehmen, Bedürftigen ohne Furcht vor eigenem Schaden beizustehen. In dieser Zeit schwerer Heimsuchung sind wir im Gebet füreinander innig verbunden und wünschen Ihnen auf die Fürsprache Mariens Gottes Schutz und Segen. Vergelt’s Gott und frohe Ostern!

 

Die Würde des Menschen ist in Deutschland nun auch geschäftsmäßig antastbar

Urteil zur Sterbehilfe – ein totaler Dammbruch

Von Ralph Weimann

Für Prof. Dr. Dr. Ralph Weimann stellt die jüngste Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Sterbehilfe einen totalen Dammbruch dar. Mit der Urteilsbegründung löse sich die deutsche Rechtsprechung vom christlichen Verständnis der Menschenwürde, wie sie im Grundgesetz verankert sei. Die verhängnisvolle Umdeutung der Werte, die es gerade durch das oberste Gericht zu schützen gelte, höhle das Fundament unseres Rechtsstaats aus und rücke ihn in die Nähe der Euthanasiegesetze des Dritten Reichs. Leider hätten wir aus der Geschichte nichts gelernt. Der 26. Februar 2020 werde als dunkler Tag in die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland eingehen. Wir Christen stehen vor einer großen Herausforderung! weiter...

 

Hochproblematisches Urteil

Die Deutsche Bischofskonferenz

Die Deutsche Bischofskonferenz bedauert in ihrer Stellungnahme zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Februar 2020 sehr, dass die Gefahren für die Selbstbestimmung kranker und alter Menschen überhaupt nicht zu zählen scheinen. Nachfolgenden Bericht stellte der neue Vorsitzende der DBK, Bischof Dr. Georg Bätzing, zum Abschluss der Frühjahrs-Vollversammlung vor. weiter...

 

Papst Franziskus zur aktiven Sterbehilfe

Euthanasie schenkt keine Freiheit

Von Hannah Brockhaus

Am 2. September 2019 empfing Papst Franziskus im Vatikan eine Gruppe von etwa 150 Mitgliedern des italienischen Verbands für Medizinische Onkologie. Der Verband „fördert Forschung und Prävention, bemüht sich um eine Verbesserung von Diagnose und Behandlung und entwickelt zahlreiche Schulungs- und Aktualisierungsinitiativen für Ärzte und andere Beschäftigte auf dem Gebiet der Onkologie“. Der Papst nützte seine Ansprache vor den anwesenden Ärzten und Patienten für klärende Worte zum Thema Euthanasie, das gerade bei der Betreuung von Krebskranken eine große Herausforderung darstellt. Er ermutigt alle Beteiligten, sich der Versuchung zur aktiven Sterbehilfe entschieden zu widersetzen und im Umgang mit den Kranken eine Kultur vertrauensvoller Beziehungen zu pflegen. Ein Beitrag von CNA Deutsch. weiter...

 

Christa Meves feierte 95. Geburtstag

Alte Wunden – neue Schäden

Von Christa Meves

Am 4. März durfte Christa Meves, die weltbekannte Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin, ihren 95. Geburtstag feiern. Auch in ihrem Rundbrief zum März 2020 (nachfolgend gekürzt) leuchtet ihre prophetische Mission auf, die sie ein Leben lang erfüllt hat. weiter...

 

Zum anonymen Bericht einer verzweifelten Frau

Die seelischen Leiden nach einer Abtreibung

Von Kristijan Aufiero

Kristijan Aufiero ist Vorsitzender des Vorstands von 1000plus. Dabei handelt es sich um eine Initiative, die schwangeren Frauen Unterstützung anbietet, damit sie zu ihrem Kind Ja sagen können. Die wichtigste Hilfe besteht in einer lebensbejahenden und bewusst nicht „neutralen“ Beratung, welche bereits über 50.000 Frauen in einem Schwangerschaftskonflikt in Anspruch genommen haben. Im Gegensatz zu jenen, die behaupten, Abtreibung sei ein Ausdruck von Freiheit und weiblicher Selbstbestimmung, und das „Post Abortion Syndrom“ leugnen, nimmt sich 1000plus auch der Frauen und Familien an, die unter den seelischen Folgen einer Abtreibung leiden. weiter...

 

Der Apostolische Nuntius in Deutschland mahnt die wesentliche Sendung der Kirche an:

„Verkündet das Evangelium!“

Von Erzbischof Dr. Nikola Eterović

Am 2. Februar 2020 hat Papst Franziskus das Nachsynodale Apostolische Schreiben „Querida Amazonia“ (Das geliebte Amazonien) veröffentlicht. Hirten und Gläubige, die um Glaubensfundamente wie das katholische Priestertum besorgt waren, nahmen das Schreiben mit großer Erleichterung und Dankbarkeit auf. Diejenigen, welche eine Aufhebung des Zölibats erwarteten, wurden enttäuscht. In seinem Grußwort zur Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz erklärte Erzbischof Dr. Nikola Eterović, der Apostolische Nuntius in Deutschland, am 2. März 2020, was das Schreiben für die Kirche in Deutschland bedeutet. All unser Tun müsse auf das letzte Ziel ausgerichtet sein, nämlich die Vollendung im Himmelreich. Die Ansprache leicht gekürzt. weiter...

 

Evangelisierung lebt von der persönlichen Beziehung zu Jesus Christus

Neue Formen betender Gottsuche

Von Paul Josef Kardinal Cordes

 „Herr, lehre uns beten!“ (Lk 11,1). Mit dieser Bitte wandten sich die Jünger an Jesus. Auf ihren Wunsch ging der Herr sofort ein und schenkte ihnen das „Vaterunser“. Jedes missionarische Bemühen muss darauf ausgerichtet sein, die Menschen zu einer persönlichen Gottesbeziehung hinzuführen. Das Gebet ist Herz und Angelpunkt des christlichen Glaubens. Evangelisierung lebt davon, dass einerseits die Missionare selbst den Aufbau des Reiches Gottes allein von Jesus Christus erwarten und ein sichtbares Zeugnis von ihrem Geist des Gebets ablegen, dass sie dadurch aber auch die suchenden Menschen befähigen, ihr Herz zu Gott zu erheben und in eine persönliche Beziehung mit Jesus Christus einzutreten. Paul Josef Kardinal Cordes beschreibt in nachfolgendem Beitrag[1] seine Erfahrungen mit neuen geistlichen Bewegungen, die in der heutigen Zeit einen fruchtbaren missionarischen Einsatz leisten. weiter...

 

Zur Symbolik zweier Städte

Washington und sein Marienheiligtum

Von Dorothea und Wolfgang Koch

 „Alles in Christus erneuern“ war der Wahlspruch des hl. Papstes Pius X. (1835-1914, Papst ab 1903). Er war davon überzeugt, dass die Kirche nur dann eine wahre Erneuerung erleben kann, wenn sie sich nicht von den ideologischen Strömungen des Modernismus mitreißen lässt. Mit ungestümem Selbstbewusstsein widersetzte er sich allen Kräften, welche die Fundamente des katholischen Glaubens auszuhöhlen versuchten. Professor Dr. Wolfgang Koch und seine Frau Dorothea zeigen auf, wie sich diese Auseinandersetzung in der Ausgestaltung des Nationalheiligtums der Unbefleckten Empfängnis in Washington widerspiegelt. Es war als Gegenpol zur architektonischen Manifestation der Freimaurerei mit ihrer „neuen Weltordnung“ konzipiert. Ein Glaubenszeugnis auch für heute. weiter...

 

Für wen halten wir Jesus Christus?

Neue Formen betender Gottsuche

Von Richard Kocher

Dr. Richard Kocher, Programmdirektor von Radio Horeb, führt uns das Ringen um das Bild von Jesus Christus in den letzten 150 Jahren vor Augen. Bis zum heutigen Tag leiden wir unter den Versuchen, alles Übernatürliche aus dem Evangelium zu verbannen. Der „Entmythologisierung“ fielen nicht nur die Wunder zum Opfer, sondern die Göttlichkeit Jesu selbst. Doch nur der Herr kann uns retten, nicht ein liberaler Jesus als Moralprophet. weiter...

 

Märtyrer von heute:

Kraftquelle für bedrängte Christen

Von KIRCHE IN NOT

 „Es ist nicht erforderlich, in die Katakomben oder ins Kolosseum zu gehen, um die Märtyrer zu finden: Die Märtyrer leben jetzt, in zahlreichen Ländern. … Heute, im 21. Jahrhundert, ist unsere Kirche eine Kirche der Märtyrer“ (Papst Franziskus). weiter...

 

Übernatürliche Begegnung mit dem Herzen Jesu und dem Gericht Gottes

Zurück aus dem Jenseits

Von Natalie Saracco

Die Regisseurin Natalie Saracco wurde in Marseille geboren und schrieb schon im Alter von sechs Jahren kleine Theaterstücke. Sie hatte gerade einen Produzenten für ihren ersten großen Spielfilm gefunden, als sie auf dem Weg in die Normandie einen schweren Autounfall erlitt. Über eine Stunde war sie im Wrack eingeklemmt und verlor viel Blut. Dabei erlebte sie eine übernatürliche Begegnung mit dem Herzen Jesu, die ihr ganzes Leben veränderte und sie dazu veranlasste, einen Spielfilm über eine moderne Maria Magdalena mit dem Titel La Mante Religieuse zu drehen. Im Buch „Zurück aus dem Jenseits – Eine Filmemacherin verliebt sich in Christus"[2] schildert sie ihre unglaubliche Geschichte. Die nachfolgenden Auszüge geben einen Einblick in ihr bewegendes Zeugnis. weiter...

 

Symposium „Familie am Abgrund – Ursachen und Auswege“

Von Hedwig v. Beverfoerde

Am Samstag, den 15. Februar, veranstalteten das Aktionsbündnis für Ehe & Familie/DemoFürAlle und die Petitionsplattform CitizenGO in Böblingen bei Stuttgart das Symposium „Familie am Abgrund – Ursachen und Auswege“. Die Tagung wurde von DemoFürAlle-Sprecherin Hedwig v. Beverfoerde moderiert. In vier Vorträgen und drei kurzen Präsentationen erfuhren die über 500 Teilnehmer aus unterschiedlicher Perspektive über aktuelle Gefahren für die Familie und wirksame Gegenmaßnahmen und konstruktive Lösungsansätze. weiter...


[1] Der Beitrag wurde in einem neuen Buch von Paul Josef Kardinal Cordes (S. 161-171 veröffentlicht: Pädophilie – Ein Alarmruf Papst Benedikts XVI., Illertissen 2019, geb., 176 S., ISBN 978-3-9479311-3-2, 16,95 (D), 17,50 (A) Euro – Bestell-Mail: buch@media-maria.de – Website:  www.media-maria.de – Gleich zweimal intervenierte Benedikt XVI. zum Pädophilie-Skandal und benannte seine tiefsten Wurzeln: Transzendenzverlust und Gottvergessenheit. Tragisch ist, dass seine Analyse kaum Gehör fand. Dieser päpstliche Appell erinnert Kardinal Cordes an den Tadel Jesu: „Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben auf der Erde finden?“ (Lk 18,8). In Deutschland den Glauben zu stärken, ist für ihn das Gebot der Stunde. Faszinierende Gestalten wie zum Beispiel die Märtyrer von Lyon oder Frédéric Ozanam zeigen den Weg.
[2] Natalie Saracco: Zurück aus dem Jenseits – Eine Filmemacherin verliebt sich in Christus, Illertissen 2020, geb., 208 S., ISBN 978-3-9479310-9-5, Euro 18,95 (D), Euro 19,50 (A) – Bestell-Mail: buch@media-maria.de Webseite: www.media-maria.de