Nachfolgend lediglich die Überschriften und Hinführungen zu den einzelnen Beiträgen.

Die letzten drei Nummern von Kirche heute sind jeweils noch nicht online gestellt.
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Juni 2020

Liebe Leser

Von Erich Maria Fink und Thomas Maria Rimmel

Mit dem Titelthema „In den Spuren des Herrn“ möchten wir den Blick auf die tiefsten Wurzeln des priesterlichen Zölibats in der katholischen Kirche lenken. Die Ehelosigkeit der Priester ist nicht etwa eine späte Erfindung der kirchlichen Hierarchie, sondern ging von Anfang an aus dem Bemühen hervor, die Lebensweise Jesu Christi nachzuahmen.

Gleichzeitig ist Jesus für die Priester mehr als nur ein Vorbild. „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!“ (Joh 20,21). Damit erklärte Jesus am Ostersonntag, warum er gleich zu Beginn seines öffentlichen Wirkens zwölf seiner Jünger in die besondere Nachfolge gerufen und Apostel, d.h. Gesandte, genannt hatte. Der Priester führt die göttliche Sendung des Sohnes Gottes hier auf Erden fort. Er handelt „in persona Christi“, also nicht nur „im Auftrag Christi“, sondern als dessen Stellvertreter, der das gottmenschliche Sein des Erlösers vergegenwärtigt und mit dessen Vollmacht ausgestattet ist. Durch die Weihe wird der Priester in der Tiefe seines Wesens Jesus Christus „angeschlossen“, ihm seinsmäßig gleichgestaltet. Im Priester ist Christus real gegenwärtig. Wenn der Priester segnet, segnet Christus, wenn der Priester die Sakramente spendet, ist es Christus, der den Menschen begegnet, der die Sünden vergibt oder Brot und Wein in seinen Leib und sein Blut verwandelt.

Für die Rettung der Menschheit hat sich Jesus Christus vollkommen hingegeben, bis zum Tod am Kreuz. Diese Hingabe nimmt für die Gläubigen, die auf seine Liebe eingehen, eine bräutliche Gestalt an. Christus selbst nennt sich Bräutigam all derer, die an ihn glauben und durch die Taufe in seinen geheimnisvollen Leib eingegliedert werden. Wie sich der freiwillige Opfertod mit 33 Jahren nicht vorstellen ließe, wäre Jesus Christus verheiratet und für seine eigenen Kinder verantwortlich gewesen, so stünde auch eine menschliche Ehe im Widerspruch zu seiner umfassenden bräutlichen Beziehung zur Kirche.

All diese Überlegungen machen deutlich, dass der priesterliche Zölibat eine innere Logik aufweist. Im Licht des Glaubens erscheint das Charisma der Ehelosigkeit für die priesterliche Berufung geradezu notwendig. Denn mit seinem ganzen Sein muss der Priester Jesus Christus als den Bräutigam der Kirche abbilden. Und umgekehrt kann ein Priester seine Berufung nur leben, wenn er sie aus einer existentiellen Einheit mit Jesus Christus heraus verwirklicht und sich geistlich voll und ganz auf diese Lebensgemeinschaft mit ihm konzentriert.

Für Papst Franziskus steht außer Frage, dass der priesterliche Zölibat ein für alle Zeit gültiges Ideal darstellt, das die innere Struktur der Kirche offenbart und das Wesen des Priestertums bezeugt. Zugleich betont er, dass die apostolische Sendung nur verwirklicht werden kann, wenn sie „um des Himmelreiches willen“ gelebt wird. Eine Lockerung oder gar Aufhebung des priesterlichen Zölibats wäre für ihn nie ein Fortschritt, also auch keine Reform, sondern ein Rückschritt, Ausdruck eines Mangels an Heiligkeit, Zeichen von „Weltlichkeit“, gegen die er so energisch auftritt. Deswegen hat er einer Freistellung des Zölibats, wie sie vom „Synodalen Weg“ als Reformziel angestrebt wird, eine klare Absage erteilt. Aber auch mit einer Notlösung wie der Weihe von verheirateten „viri probati“ in Ausnahmefällen ist er äußerst vorsichtig. Denn er weiß nur allzu gut, dass eine solche Einzelfallentscheidung – beispielsweise für Amazonien – eine Dynamik entwickeln würde, welche zu einer völligen Aushöhlung des priesterlichen Zölibats führen könnte. Das aber will Franziskus nicht.

Liebe Leser, Priester sind ein Geschenk Gottes an die Kirche. Die Heiligkeit der Priester hängt vom Gebet der Gläubigen ab. Auch der Zölibat muss von allen mitgetragen werden. Der Monat Juni lädt uns besonders dazu ein. Für Ihre Spenden sagen wir Ihnen aufrichtig Vergelt’s Gott und wünschen Ihnen auf die Fürsprache Mariens Gottes reichsten Segen!


Es geht um die Frage nach der Gottesbeziehung

Plädoyer für den Zölibat

Von Wolfgang Lehner

Dr. Wolfgang Lehner (geb. 1972) wurde 2001 zum Priester geweiht und war danach in der Pfarrseelsorge mit den Schwerpunkten Jugendpastoral und Religionsunterricht tätig. Seit 2013 ist er Regens des Erzbischöflichen Priesterseminars St. Johannes der Täufer in München. Unter dem Titel „Jesus Christus. Ein Zwischenruf für den Zölibat“ verfasste er im Dezember 2019 eine Stellungnahme zu dem Buch „Zölibat. 16 Thesen“ von Hubert Wolf bzw. zu einer Besprechung dieses Buches in der SZ von Rudolf Neumaier. Lehner legt den Schwerpunkt auf das tiefere Verständnis der zölibatären Lebensform im Licht des Beispiels Jesu Christi. Nachfolgend ein Auszug, in dem Lehner die positive Sinngebung des priesterlichen Zölibats aufzeigt. weiter...


Eucharistie und Zölibat

Von Papst Benedikt XVI.

Im Nachsynodalen Apostolischen Schreiben „Sacramentum caritatis“ („Sakrament der Liebe“) über die Eucharistie als Quelle und Höhepunkt von Leben und Sendung der Kirche vom 22. Februar 2007 hat Papst Benedikt XVI. den „obligatorischen Charakter“ des priesterlichen Zölibats „für die lateinische Tradition“ bekräftigt und als „sehr großen Segen für die Kirche“ bezeichnet. weiter...


Wie denkt Papst Franziskus über den Zölibat?

Nein zur Aufhebung

Von Stefan von Kempis

Stefan von Kempis (geb. 1970) ist seit 2019 Leiter der deutschsprachigen Abteilung von „Vatican News“ (früher „Radio Vatikan“). Am 17. Januar 2020, also noch vor der Veröffentlichung des mit Spannung erwarteten Dokuments zur Amazonien-Synode, behandelte er in einem Dossier die Haltung des Papstes zum Zölibat und zitierte ihn aus einer Pressekonferenz im Januar 2019: „Meine Entscheidung ist: Kein optionaler Zölibat vor dem Diakonat – nein!“ weiter...


Für ein radikal evangeliumsgemäßes Priestertum

Leidenschaftliches Zeugnis von Kardinal Sarah

Von Robert Kardinal Sarah

Schon in seinem Buch „Herr, bleibe bei uns! Denn es will Abend werden“ warb Robert Kardinal Sarah, Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, mit flammenden Worten für den priesterlichen Zölibat. In seiner neuen Publikation „Aus der Tiefe des Herzens. Priestertum, Zölibat und die Krise der katholischen Kirche"[1] verstärkt und vertieft er sein leidenschaftliches Zeugnis für ein „evangeliumsgemäßes Priestertum“. Dass dazu Papst em. Benedikt XVI. eine exegetisch-theologische Abhandlung beigesteuert hat, sorgte zunächst für Wirbel, lenkte aber eine umso größere Aufmerksamkeit auf das Plädoyer des Kurienkardinals. Wichtige Auszüge mit Seitenangaben. weiter...


Zeugnis für die Herrschaft Christi in unserem Leben

Das „Charisma“ des Zölibats

Von Erzbischof Paul Pezzi, Moskau

Im März 2020 hielt Erzbischof Dr. Paul Pezzi Fasten-Exerzitien für die Priester seiner Erzdiözese der Mutter Gottes von Moskau. Grundlage seiner Betrachtungen war der Brief des hl. Apostels Paulus an die Kolosser. In einem Vortrag über die Stelle Kol 3,5-15 ging er insbesondere auf den Zölibat ein. Nur die Liebe Christi könne einem Priester die Kraft zur Reinheit und ein erfülltes eheloses Leben geben. In der unvollkommen gelebten Keuschheit der Priester sehe er auch einen Hauptgrund für den Mangel an Berufungen. Der Zölibat sei ein „Charisma“, das wunderbare Früchte hervorbringe, wenn es angenommen und in der Nachfolge Christi verwirklicht werde. weiter...


Ein nüchterner und undogmatischer Erklärungsversuch

Zölibat im Licht der Jungfräulichkeit Mariens

Von Eduard Fassel

Eduard Fassel (37 J.) betrachtet eine Gesellschaft ohne innere Kultur mit größter Sorge. Auf der Grundlage einer interreligiösen Zusammenschau versucht er Religion rational und umfassend darzustellen, um sie auch dem westlichen Zeitgeist zugänglich zu machen. Seine Überlegungen zum Zölibat und zur Jungfräulichkeit Mariens bezeichnet er als „einen ganz nüchternen und undogmatischen Erklärungsversuch“. weiter...


Erinnerung und Mahnung

Weckruf von Wanda Półtawska

Von Wanda Półtawska

Wanda Półtawska wurde am 2. November 1921 geboren. Sie ist also 98 Jahre alt und noch am Leben. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre freundschaftliche Beziehung zu Karol Wojtyła, den sie aus ihrer Jugendzeit kannte. Auch das ganze Pontifikat Johannes Pauls II. hindurch blieb sie mit ihm in Kontakt und setzte sich für die Werte des Lebens, der Ehe und der Familie ein. Auch bei seinem Sterben am 2. April 2005 durfte sie ihn begleiten und bis zuletzt an seinem Bett verweilen. Als Mitglied des polnischen Widerstands wurde sie 1941 verhaftet und später in das Konzentrationslager Ravensbrück gebracht. Die Erinnerungen an ihre schrecklichen Leiden schrieb sie 1945 nieder und publizierte sie 1961. Die deutsche Übersetzung mit dem Titel „Und ich fürchte meine Träume"[2] ist 2019 neu aufgelegt worden. Zur Ausgabe 1993 verfasste sie ein Geleitwort, das wir nachfolgend wiedergeben. weiter...


Wichtiger Beitrag zur Versöhnung unserer Völker

Erniedrigung und Größe

Von Joachim Kardinal Meisner

Der damalige Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, hat zur Veröffentlichung der Erinnerungen von Wanda Półtawska in deutscher Sprache ein Grußwort verfasst.[3] Datiert ist es bewusst auf den Karfreitag 1993. Meisner ruft dazu auf, die „menschenverachtende Grausamkeit“ der Konzentrationslager, die furchtbaren Leiden, wie sie Półtawska durchgemacht habe, nicht zu verdrängen. Hoffnung, Versöhnung und Heilung gebe es nur, wo Sprachlosigkeit überwunden werde und ein ehrlicher Prozess der Aufarbeitung einen wertebewussten Blick in die Zukunft eröffne. Die dazu notwendige „schöpferische Kraft“ entspringe allein der christlichen Liebe. weiter...


Die „Befreiung“

Von Wanda Półtawska

Was Wanda Półtawska vom 17. Februar 1941, dem Tag ihrer Verhaftung, bis zum 7. Mai 1945, dem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Ravensbrück, durchgemacht hat, ist unvorstellbar. Dass sie dieses Martyrium überlebt hat, gleicht einem Wunder. Doch, wie sie am 10. Februar 1961 schreibt, war die Heimkehr noch nicht ihre endgültige Befreiung.[4] weiter...


Liturgie der Kirche ist die innere Achse des Programms

„Es gibt immer eine Hoffnung“

Von Richard Kocher

Die Corona-Krise hat gezeigt, was für ein Segen Medien wie „Radio Horeb“ bedeuten können. Sicher kann die gemeinsame Eucharistiefeier nicht durch einen „Live-Stream“ ersetzt werden. Wer die Möglichkeit zur Teilnahme an einer hl. Messe hat, kann die Sonntagspflicht nicht im Wohnzimmer erfüllen. Doch immer kann die Übertragung der Liturgie ein Geschenk sein und das geistliche Leben befruchten. Tausende haben Pfr. Dr. Richard Kocher Fotos geschickt, um bei der hl. Messe in Balderschwang anwesend zu sein. weiter...


Vom Hirtenmädchen und dem Künstlermönch (2)

Das Unbefleckte Herz für die Welt

Von Dorothea und Wolfgang Koch

Prof. Dr. Wolfgang Koch und seine Frau Dorothea berichten in einer fünfteiligen Artikelserie über die Entstehungsgeschichte der Statue vom Unbefleckten Herzen Mariens, die seit 1958 den Glockenturm der Rosenkranzbasilika in Fatima schmückt. Die zweite Folge zeigt die Präsenz Fatimas im öffentlichen Leben Lissabons nach dem Zweiten Weltkrieg, als Pater Thomas McGlynn O.P., der die Statue geschaffen hat, dort eintraf. Lúcia selbst hatte ihn ermutigt, die Entstehungsgeschichte niederzuschreiben. weiter...


Weltweit stehen Priester und Ordensleute Betroffenen bei

Corona lässt die Kirche nicht verstummen

Von KIRCHE IN NOT

Die Corona-Krise ist eine weltweite Herausforderung – nicht nur medizinisch, wirtschaftlich und sozial, sondern auch pastoral. Abstandsgebote und strenge Hygiene-Regeln schaffen schmerzliche Distanz; Anlaufstellen brechen weg. Die Kirche findet sich damit nicht ab. Priester, Ordensschwestern und Katecheten entwickeln Ideen, um den Menschen dennoch nahe zu sein. weiter...


Zustimmung zu den Grundanliegen der Gustav-Siewerth-Akademie

Von Papst Benedikt XVI.

Die Gustav-Siewerth-Akademie hat im Kreis der akademischen Einrichtungen in Deutschland keine große Stimme, aber sie hat eine unverkennbar eigene Identität. Die Fragestellung, der sie dient, ist in den letzten Jahrzehnten eher vergessen worden, ist aber für das Verstehen des Menschen und seiner Stellung im Ganzen der Wirklichkeit von hoher Bedeutung und muss daher neu aufgegriffen werden. weiter...


Verleihung des Gregoriusordens an Alma von Stockhausen 2007

Päpstliche Auszeichnung

Von Erzbischof Robert Zollitsch

Am 15. Mai 2007 hat Erzbischof Robert Zollitsch von Freiburg im Auftrag von Papst Benedikt XVI. der Philosophie-Professorin Dr. Alma von Stockhausen (1927-2020) als päpstliche Auszeichnung den Orden „Dame des Gregoriusordens“ überreicht. Dabei hielt er eine Ansprache, welche die philosophisch-theologischen Verdienste ihrer wissenschaftlichen Arbeit sowie ihren spirituellen Beitrag für das Leben der Kirche treffend zusammenfasst. weiter...


Zum Tod von Alma von Stockhausen

Einem großen Erbe verpflichtet

Von Albrecht Graf von Brandenstein-Zeppelin

Albrecht Graf von Brandenstein-Zeppelin ist Rektor der Gustav-Siewerth-Akademie, die von Prof. Dr. Alma von Stockhausen gegründet und aufgebaut worden ist. Nach ihrem Tod am 4. Mai 2020 trägt er nun die gesamte Verantwortung für die Weiterführung der Hochschule. Er weiß sich einem großen Erbe verpflichtet, das ihm Alma von Stockhausen anvertraut hat. weiter...

 

Meine Erinnerung an Professor Alma von Stockhausen

Die Liebe des unendlichen Gottes

Von Winfried König

Prälat Dr. Winfried König (geb. 1956) stammt aus dem Erzbistum Köln und ist seit 2008 Leiter der deutschsprachigen Abteilung des Staatssekretariats im Vatikan. Dankbar erinnert er sich an die Impulse, die ihm Prof. Dr. Alma von Stockhausen mit auf den Weg gegeben hat und die ihn bis heute prägen. weiter...

 

Aus dem Brief der deutschen Bischöfe an die Priester vom 25. September 2012

Die Deutsche Bischofskonferenz

Das Amt in der Kirche ist dazu da, „die Heiligen“, das heißt alle Getauften und Gefirmten, „für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi“ (Eph 4,12). Eine solche Aufgabe und Stellung des Amtes kann nicht aus der Gemeinde abgeleitet werden. weiter...


[1] Robert Kardinal Sarah: Aus der Tiefe des Herzens. Priestertum, Zölibat und die Krise der katholischen Kirche, mit einem Beitrag von Benedikt XVI., 160 S., geb., ISBN 978-3-86357-255-6, Euro 16,80 – Bestell-Tel.: 07563-608998-0, Fax: 07563-608998-9, Mail: info@fe-medien.de – www.fe-medien.de
[2] Wanda Półtawska: Und ich fürchte meine Träume, Fe-Medien, Kisslegg 2020, 200 S., Pb., ISBN 978-3-86357-224-2, Euro (D) 9,95, Best.-Tel.: 07563-608998-0; Fax: 07563-608998-9; E-Mail: info@fe-medien.de – www.fe-medien.de
[3] Wanda Półtawska: Und ich fürchte meine Träume, Fe-Medien, Kisslegg 2020, 200 S., Pb., ISBN 978-3-86357-224-2, Euro (D) 9,95, Best.-Tel.: 07563-608998-0; Fax: 07563-608998-9; E-Mail: info@fe-medien.de – www.fe-medien.de
[4] Wanda Półtawska: Und ich fürchte meine Träume, Fe-Medien, Kisslegg 2020, 200 S., Pb., ISBN 978-3-86357-224-2, Euro (D) 9,95, Best.-Tel.: 07563-608998-0; Fax: 07563-608998-9; E-Mail: info@fe-medien.de – www.fe-medien.de