Nachfolgend lediglich die Überschriften und Hinführungen zu den einzelnen Beiträgen.

Die letzten drei Nummern von Kirche heute sind jeweils noch nicht online gestellt.
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Oktober 2020

Liebe Leser

Von Erich Maria Fink und Thomas Maria Rimmel

Im Oktober 2019 richtete die polnische Bischofskonferenz an Papst Franziskus das Gesuch, den heiligen Papst Johannes Paul II. zum „Kirchenlehrer“ zu erheben und ihm den Titel „Patron Europas“ zu verleihen. Dazu erklärte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Stanisław Gądecki: „Das Pontifikat des Papstes aus Polen war voller bahnbrechender Entscheidungen und bedeutender Ereignisse, die das Erscheinungsbild des Papsttums verändert und den Lauf der Geschichte Europas und der Welt beeinflusst haben.“ Damit sprach er vor allem den Beitrag des Papstes zur Überwindung des sozialistischen Regimes in Osteuropa an. Was den Titel „Kirchenlehrer“ betrifft, so stellte er fest: „Der Reichtum des Pontifikats des heiligen Johannes Paul II. – von vielen Historikern und Theologen als Johannes Paul der Große bezeichnet – entsprang dem Reichtum seiner Persönlichkeit – Dichter, Philosoph, Theologe und Mystiker, welche sich in vielen Dimensionen verwirklichte, von der pastoralen Arbeit und der Lehre über die Leitung der universalen Kirche bis hin zum persönlichen Zeugnis der Heiligkeit des Lebens.“

Das ganze Denken und Wirken Karol Wojtyłas/Johannes Pauls II. lebte aus der Grundüberzeugung, dass sich die menschliche Person nur durch die vollkommene Hingabe ihrer selbst verwirklichen kann. Darin sah er die Herzmitte des Evangeliums (vgl. Mt 10,39; 16,25; Mk 8,35; Lk 17,33; Joh 12,25), wie sie auch das Zweite Vatikanische Konzil formuliert hatte (vgl. Gaudium et spes, Art. 24). 

Wojtyła hat bereits während des Zweiten Weltkriegs ein Drama verfasst, in dem Adam Chmielowski (1848-1916) die Hauptfigur darstellt. Dabei handelt es sich um einen polnischen Kunstmaler, der sich später ganz den Armen gewidmet und als Bruder Albert die Kongregation der Albertiner gegründet hat. 1949 schloss Wojtyła als junger Priester eine zweite Fassung dieses Dramas ab, das „autobiografische Züge“ aufweist und seine eigene Spiritualität widerspiegelt. Als Papst sagte er über Adam Chmielowski: „Er hat seine Seele hingegeben, das ist es. Und“, obwohl Bruder Albert kein Priester war, fügte Wojtyła im Gespräch mit André Frossard hinzu, „ich frage Sie, was ist der Priesterberuf anderes als ein Aufruf, seine Seele hinzugeben?“ Dass er dieses sein Vorbild 1983 selig- und 1989 heiligsprechen durfte, betrachtete er als eine der größten Freuden seines Pontifikats.

Dr. Theo Mechtenberg, der dieses Drama mit dem Titel „Bruder unseres Gottes“ 1981 ins Deutsche übersetzt hat, verfasste dazu 2017 einen überaus wertvollen Beitrag, den wir zum Titelthema in voller Länge wiedergeben. Er bringt die Persönlichkeit Johannes Pauls II., wie sie bereits in jungen Jahren angelegt war, auf einzigartige Weise zum Ausdruck.

1960 hatte Wojtyła als Weihbischof von Krakau das Buch „Liebe und Verantwortung“ veröffentlicht, das einen wichtigen Meilenstein in seiner Lehre über die menschliche Person darstellt. Der Abschnitt über die Kultivierung des ehelichen Verkehrs zeigt, wie zutiefst menschlich und lebensnah sein Ansatz geprägt ist. Auf dieser Studie baut schließlich seine neuartige „Theologie des Leibes“ auf, für die er den Titel „Kirchenlehrer“ wohl am meisten verdient. Sie stellt ein prophetisches Bollwerk gegen die heutige „Gender-Ideologie“ und gegen die Angriffe auf die Geheimnisse der Inkarnation und des Priestertums dar.

Liebe Leser, mit herzlichen Segenswünschen zum Rosenkranz-Monat Oktober und einem aufrichtigen Vergelt’s Gott für Ihre Spenden erneuern wir unsere Bitte um eine großherzige Unterstützung unseres Apostolats.


Prophetische Sendung des hl. Papstes Johannes Paul II.

Ein großer Lehrer der Kirche

Von Josef Spindelböck

Dr. Josef Spindelböck (geb. 1964) ist derzeit Rektor und Professor für Moraltheologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten sowie Gastprofessor am Internationalen Theologischen Institut (ITI) in Trumau. Von seinem naturrechtlichen Ansatz her weiß er sich dem hl. Johannes Paul II. eng verbunden. Er habilitierte an der Katholischen Universität Lublin, wo auch Karol Wojtyła in den 50er Jahren als Professor für Ethik gewirkt hatte. Spindelböck brachte 2007 die berühmte Studie „Liebe und Verantwortung“, die Wojtyła 1960 publiziert hatte, neu heraus und veröffentlichte 2015 das Buch „Theologie des Leibes kurzgefasst. Eine Lesehilfe zu ‚Liebe und Verantwortung‘ von Karol Wojtyła sowie zu den Katechesen Johannes Pauls II. über die menschliche Liebe“ (beides erschienen im Verlag St. Josef, Kleinhain). Nachfolgend stellt Spindelböck das lehramtliche Wirken Johannes Pauls II. anhand seiner 14 Enzykliken vor, die auf eindrucksvolle Weise das prophetische Vermächtnis des heiligen Papstes aus Polen beleuchten. weiter...

 

Zeugnis eines geborenen Türken

Im Licht Johannes Pauls II.

Von Umut Johannes Paul Doygun

Umut Doygun stammt aus einer muslimischen Familie in der Südtürkei. Durch Christen einer evangelischen Freikirche hat er zunächst den Weg zur Taufe und durch das schlichte Lebenszeugnis eines Mitarbeiters schließlich zur katholischen Kirche gefunden. „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen!“ (Mt 16,18). Doygun erkannte im Evangelium die Wahrheit und hat sich für die Nachfolge Christi entschieden. Doch dann entdeckte er, dass das Petrusamt von Jesus eingesetzt wurde, und fand besonders in der Verkündigung Johannes Pauls II. entscheidende Antworten auf seine Fragen. Aus Dankbarkeit nahm er bei der Konversion „Johannes Paul“ als Tauf- bzw. Firmnamen an, aber auch, um dadurch Zeugnis für seine Treue zum Nachfolger Petri abzulegen – ein Leben im Licht Johannes Pauls II., des heiligen Papstes aus Polen. weiter...

 

Sexuelle Erziehung im Licht der Liebe

Kultivierung des ehelichen Verkehrs

Von Karol Wojtyła/Johannes Paul II.

Bis heute ist das beliebteste Werk Johannes Pauls II. die Monografie „Liebe und Verantwortung“,[1] die er als Weihbischof von Krakau bereits 1960 veröffentlicht hat. Auf dieser Studie über die eheliche Liebe baut auch seine „Theologie des Leibes“ auf, die er in den berühmten Mittwochskatechesen zwischen 1979 und 1984 entfaltet hat. Es lohnt sich, beispielhaft das Kapitel „Probleme der Ehe und des ehelichen Verkehrs“ vor Augen zu führen, um zu erkennen, wie konkret und auch heute aktuell seine Überlegungen zur Sexualmoral sind. Das Kapitel findet sich im ergänzenden Abschlussteil von „Liebe und Verantwortung“, in dem sich Karol Wojtyła mit dem Zusammenhang von Sexualwissenschaft und christlicher Ethik beschäftigt. Auf die Verweise zu den Ausführungen in den vorausgehenden Kapiteln der Studie wurde im nachfolgenden Auszug verzichtet. weiter...

 

Zur aktuellen Bedeutung der „Theologie des Leibes“

Vermächtnis des hl. Johannes Paul II.

Von Erich Maria Fink

Der hl. Johannes Paul II. hat uns ein gewaltiges Schrifttum hinterlassen. Es ist bleibender Ausdruck seines Denkens und Wirkens. Durch seine Wahl zum Papst erlangte sein geistiges Schaffen auch lehramtlichen Charakter und Bedeutung für die ganze Kirche. Dabei stechen besonders seine Abhandlungen über die menschliche Liebe und das Wesen von Mann und Frau hervor. Er selbst hat diesen Schwerpunkt seines Werkes als „Theologie des Leibes“ bezeichnet. Angesichts der „Gender-Ideologie“ tritt ihre Bedeutung und prophetische Kraft mit zunehmender Brisanz hervor. Pfr. Erich Maria Fink zeigt auf, wie der Ansatz Johannes Pauls II. mit der Diskussion um Gender und die Stellung der Frau in der Kirche zusammenhängt. weiter...

 

Zum Drama „Der Bruder unseres Gottes“ von Karol Wojtyła

Wegzeichen der Barmherzigkeit

Von Theo Mechtenberg

Dr. Theo Mechtenberg (geb. 1928) ist Theologe und promovierter Germanist. Seit Mitte der 1960er Jahre setzt er sich unermüdlich für die deutsch-polnische Verständigung ein und verleiht dem Brückenschlag einen reichhaltigen publizistischen Ausdruck. Auf diesem Hintergrund hat er auch zahlreiche Schriften Karol Wojtyłas aus dem Polnischen ins Deutsche übersetzt bzw. übertragen. Als ausgesprochener Kenner des Denkens und Lebens Johannes Pauls II. veröffentlichte er am 15. April 2017 auf seiner Webseite[2] einen eindrucksvollen Beitrag zum Drama „Der Bruder unseres Gottes“,[3] das Wojtyła bereits 1949 als junger Priester fertiggestellt hatte. Mechtenberg führt mit seinem Artikel auf einzigartige Weise in die geistigen Wurzeln und das Erbe des hl. Johannes Paul II. ein. weiter...

 

„Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“

Von Bischof Rudolf Voderholzer, Regensburg

In einem Offenen Brief hat der Regensburger Bischof Voderholzer auf den Textentwurf des Synodalforums III reagiert, in dem es um die Thematik Frauen und Ämter geht. Er protestiert, da entgegen ausdrücklicher Vereinbarungen eine biblische Grundlegung mitgeliefert wurde, die erst im Zusammenhang mit dem Gesamttext beraten werden sollte. Doch wendet er sich auch inhaltlich gegen die gemachten Aussagen. Ein Auszug. weiter...

 

Johannes Paul II. und Therese von Lisieux

Allein die Liebe rettet

Von Monika-Maria Stöcker

Am 19. Oktober 1997, dem Weltmissionssonntag, erhob Papst Johannes Paul II. die hl. Therese von Lisieux (1873-1897, Festtag: 1. Oktober) zur Kirchenlehrerin. Am selben Tag veröffentlichte er dazu das Apostolische Schreiben „Wissenschaft der göttlichen Liebe“. Schon am 24. August 1997 hatte er zum Abschluss des Weltjugendtags in Paris beim Angelus erklärt: „Ich habe Wert darauf gelegt, diesen Akt hier feierlich anzukündigen, denn die Botschaft der heiligen Therese, dieser in unserer Zeit so sehr gegenwärtigen jungen Heiligen, ist besonders für euch Jugendliche geeignet."[4] weiter...

 

Der Zwölfer-Kreis hat sich mit der „Mariahilfkirche Luzern“ geschlossen

Nun leuchten alle Sterne

Von Notker Hiegl OSB

Am Samstag, den 18. Juli 2020, wurde das zwölfte Heiligtum in die Gebetsgemeinschaft „Maria – Mutter Europas“ aufgenommen und damit der von P. Notker Hiegl OSB geplante 12-Sterne-Kranz vollendet. Es handelt sich um die Mariahilfkirche in Luzern, der im Rahmen eines Festgottesdienstes die Ehrenplakette „Maria Mater Europae“ überreicht werden konnte. weiter...

 

100 Jahre Gnadenbild von Fatima

„In Weiß gekleidet“

Von Jörg Fleischer

Pfarrer Jörg Fleischer (geb. 1982) erinnert an die Entstehung des Gnadenbilds von Fatima vor 100 Jahren und weist auf die geistlichen Impulse hin, die von der Statue ausgehen. Papst Johannes Paul II., der Fatima dreimal besuchte, schenkte auch der Statue große Aufmerksamkeit. Am 15. Mai 2019 sagte Papst Franziskus bei der Generalaudienz: „Der 13. Mai ist der Tag, welcher der ersten Erscheinung Unserer Lieben Frau von Fatima gedenkt. Am gleichen Tag fand das Attentat auf das Leben des hl. Johannes Paul II. statt. Erinnern wir uns an seine Worte: ‚In allem, was geschehen ist, sah ich den besonderen Schutz Mariens‘.“ Und aus der Botschaft der Gottesmutter zitierte er: „Ich bin gekommen, um die Menschheit zu bitten, ihr Leben zu ändern und Gott nicht länger mit ihren Sünden zu beleidigen. Die Menschen sollen den Rosenkranz beten und ihre Sünden büßen.“ weiter...

 

Vom Hirtenmädchen und dem Künstlermönch (5)

Schwester Lúcia fand Gefallen

Von Dorothea und Wolfgang Koch

In der letzten Folge der Artikelserie über die Entstehung der Statue vom Unbefleckten Herzen Mariens am Glockenturm der Rosenkranzbasilika in Fatima findet das Werk seinen glücklichen Abschluss. Prof. Dr. Wolfgang Koch und seine Frau Dorothea, die die Geschichte in fünf Beiträgen zusammengefasst haben, halten den Bericht des Künstlermönchs P. Thomas McGlynn für eines der eindrucksvollsten Zeugnisse über die Ereignisse von Fatima. Schwester Lúcia, die an der Gestaltung der Statue aktiv mitgewirkt hatte, befürwortete eine Veröffentlichung der Entstehungsgeschichte. Ihr ging es allein darum, „die Seelen, die heute so materialistisch gesinnt sind, zu Übernatürlichem zu erheben“. weiter...


[1] Karol Wojtyła (Johannes Paul II.): Liebe und Verantwortung – Eine ethische Studie. Karol Wojtyła lässt die anspruchsvolle Schönheit der Berufung zur Liebe, wie sie sich in Ehe und Familie verwirklicht, aufleuchten. Im Vorwort zur ersten Auflage 1960 erklärte er, es bestehe die „Ansicht“, „Geistliche und Personen, die im Zölibat leben“, dürften „in Sachen Liebe und Ehe eigentlich überhaupt nichts sagen“. Doch dem entgegnete er: „Ihr Mangel an eigener, persönlicher Erfahrung wird durch eine sehr reiche mittelbare Erfahrung ausgeglichen, die der pastoralen Arbeit entspringt. Bei dieser Arbeit begegnen sie diesen Problemen so oft und in den unterschiedlichsten Situationen, dass sich daraus eine andere, zweifelsohne mehr mittelbare und ‚fremde‘, zugleich aber auch breitere Erfahrung bildet.“ Auf der Grundlage des polnischen Textes neu übersetzt und herausgegeben von Josef Spindelböck, 2., neu durchgesehene Auflage 2010, geb., 420 S., 15,80 Euro. Bestellbar beim Verlag St. Josef, Kremser Str. 7, A-3123 Kleinhain, Tel. 0043 (0) 2742 360088, E-Mail: ver-lag@stjosef.at
[2] Mechtenberg-Polen Blog: atmech1.wixsite.com/mechtenberg-polen/
[3] Veröffentlichung auf Deutsch: Der Bruder unseres Gottes, in: Karol Wojtyła: Der Bruder unseres Gottes. Strahlung des Vaters. Zwei Dramen. Übertragung ins Deutsche von Theo Mechtenberg, Herder 1981, S. 9-127. Auf diese Ausgabe beziehen sich die in Klammern gesetzten Seitenangaben im nachfolgenden Artikel.
[4] Monika-Maria Stöcker: Das Abenteuer einer großen Liebe – Therese von Lisieux (1873-1897), geb., 230 S., ISBN 978-3-7902-2102-2 Euro 7,00 – Bestell-Tel.: 0651-4608-121, Mail: buchversand@paulinus-verlag.de, paulinus-verlag.de