Nachfolgend lediglich die Überschriften und Hinführungen zu den einzelnen Beiträgen.

Die letzten drei Nummern von Kirche heute sind jeweils noch nicht online gestellt.
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August-September 2021

Liebe Leser

Von Erich Maria Fink und Thomas Maria Rimmel

Ökumene ist das Bemühen um die sichtbare Einheit aller Christen. Die katholische Kirche sieht darin ihren ureigenen Auftrag. Denn es gehört zu ihrem Wesen, die weltweite Christenheit zu repräsentieren und dem einen geheimnisvollen Leib Christi einen integralen Ausdruck zu verleihen. Umso größer ist ihre Verantwortung für die Wiederherstellung der sichtbaren Einheit mit den getrennten Christen.

Unter allen christlichen Konfessionen hat allein sie das Petrusamt bewahrt. Und sie ist sich bewusst, dass es ohne diesen obersten Hirtendienst keinen sichtbaren Ausdruck der Einheit aller Christen geben kann. „Weide meine Lämmer! Weide meine Schafe!“ (Joh 21,15ff). So hat Jesus dem hl. Petrus und seinen Nachfolgern die Aufgabe übertragen, in seiner Vollmacht allen Christen durch die ganze Geschichte hindurch als oberster Hirte vorzustehen. Wenn die Kirche im Blick auf die getrennten Christen um die Gnade betet, dass „ein Hirt und eine Herde werde“, meint sie damit auch konkret die Einheit aller mit dem Papst.

Die biblische Vision von dem einen Hirten und der einen Herde, die schon bei den Propheten des Alten Bundes aufscheint, zielt zunächst auf Jesus Christus als den von Gott gesandten Hirten ab und auf das aus allen Völkern herausgerufene neue Volk Gottes, das dieser Hirte weidet. Der Papst ist nach göttlichem Willen zwar „Stellvertreter Christi auf Erden“, doch muss er sein Amt immer in dem Bewusstsein ausüben, dass bis ans Ende der Zeiten Jesus Christus selbst der oberste Hirte seiner Herde bleibt. Er ist es, der für die Seinen da ist bis zum Ende der Welt (Mt 28,20) und sie zum ewigen Leben führt. Der Petrusnachfolger aber muss in allem die Hirtensorge des Herrn widerspiegeln.

Auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat sich die katholische Kirche die Pflicht auferlegt, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um den ökumenischen Dialog in Gang zu bringen und die bestehenden Spaltungen zu überwinden. In seiner Enzyklika „Ut unum sint“ – „Dass sie eins seien“ vom 25. Mai 1995 bezeichnete der hl. Papst Johannes Paul II. diese Selbstverpflichtung der katholischen Kirche zur Ökumene als „unumkehrbar“.

Papst Franziskus stellt sich dieser Herausforderung. Auf dem Weg zu wachsender Übereinstimmung möchte er bis an die Grenzen des Möglichen gehen. Beim Empfang einer Delegation des Lutherischen Weltbundes am 25. Juni 2021, dem Jahrestag der Verlesung der „Confessio Augustana“, sprach er sich für „eine in den Unterschieden versöhnte Einheit“ aus. Doch eine erneuerte Gemeinschaft könne nicht durch „kirchliche Diplomatie“, durch „menschliche Vermittlung und Übereinkünfte“ erreicht werden, sondern nur durch „die Gnade Gottes, die das Gedächtnis und das Herz reinigt“. Und im Blick auf das 500-Jahr-Jubiläum der „Confessio Augustana“ 2030 rief er dazu auf: „Im nächsten Schritt wird es um das Verständnis der engen Verbindung zwischen Kirche, Amt und Eucharistie gehen. Dabei wird es wichtig sein, mit geistlicher und theologischer Demut auf die Umstände zu schauen, die zu den Spaltungen geführt haben.“

Als Leitartikel geben wir dazu den Vortrag von Kurt Kardinal Koch wieder, den er am 8. Juni 2021 auf einer Ökumene-Konferenz in Ungarn gehalten hat. Um konkrete Fragen wie Amt und Eucharistie besser klären zu können, muss nach Kardinal Koch der fundamentale Unterschied im Verständnis der Beziehung zwischen Gott und Welt anerkannt und ausgeräumt werden.

Liebe Leser, von Herzen danken wir Ihnen für Ihre großherzige Unterstützung, auf die wir ganz und gar angewiesen sind, und wünschen Ihnen auf die Fürsprache unserer himmlischen Mutter Maria Gottes reichsten Segen.

 

An welcher Frage entscheidet sich die Ökumene mit den Protestanten?

Gott und die Welt

Von Kurt Kardinal Koch

Am 8. Juni 2021 hielt Kurt Kardinal Koch, der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, auf einer Ökumene-Tagung in Ungarn einen der Hauptvorträge. Die Konferenz, an der neben Péter Kardinal Erdö, dem Erzbischof von Budapest, auch Bischöfe der evangelischen Kirchen in Ungarn teilnahmen, fand in der benediktinischen Erzabtei Pannonhalma statt. In seinem Vortrag zeigte Kardinal Koch den maßgeblichen Unterschied zwischen katholischem und protestantischem Glaubensverständnis auf. Die Reformation hatte die „Gnade“ in den Mittelpunkt der christlichen Erlösung gestellt, doch ihr eine völlig neue Deutung gegeben. Nach reformatorischer Lehre ist „Gnade“ nämlich nur eine vergebende Haltung Gottes gegenüber dem Menschen, aber keine Mitteilung göttlichen Lebens in diese Welt hinein. Kardinal Koch machte diese Zusammenhänge an den drei Begriffen Transzendenz, Immanenz und Transparenz fest. Sein Vortrag in voller Länge. weiter...

 

Vorausblick auf 500 Jahre „Confessio Augustana“ 2030

In den Unterschieden versöhnte Einheit

Von Papst Franziskus

Am 25. Juni 2021 empfing Papst Franziskus eine Delegation des Lutherischen Weltbundes, darunter den Präsidenten, Erzbischof Musa Panti Filibus, und den damals noch amtierenden Generalsekretär, Pfarrer Martin Junge. Hintergrund ist das Gedenken an die Verlesung der „Confessio Augustana“ am 25. Juni 1530 vor Kaiser Karl V. auf dem Reichstag zu Augsburg, aber auch der Ausblick auf das 500-Jahr-Jubiläum 2030. Papst Franziskus ging in seiner Ansprache davon aus, dass das Augsburger Bekenntnis als Dokument innerkatholischer Versöhnung gedacht war, und legte wichtige Kriterien für den aktuellen ökumenischen Dialog vor. Gleichzeitig erinnerte er an seinen Besuch 2016 in Lund, der Stadt, wo der Weltbund gegründet wurde. „Bei diesem unvergesslichen ökumenischen Ereignis erlebten wir die dem Evangelium innewohnende Kraft der Versöhnung und wir bezeugten, dass wir ,durch Dialog und gemeinsames Zeugnis […] nicht länger Fremde‘ sind (Gemeinsame Erklärung, 31. Oktober 2016), sondern Brüder und Schwestern“, so der Papst. weiter...

 

„Prognosen für die Zukunft des Ökumenismus“

Zur Frage der katholisch-protestantischen Ökumene

Von Joseph Ratzinger

Sehr häufig wird eine Rede Joseph Ratzingers zum Thema Ökumene zitiert, die er im Rahmen einer Ökumenischen Akademie am 25. und 26. Januar 1976 in Graz gehalten hat. Die Tagung fand zum zehnjährigen Gedenken an die Aufhebung der gegenseitigen Exkommunikationen zwischen den Patriarchaten von Konstantinopel und Rom statt. Professor Ratzinger sprach zum Thema „Prognosen für die Zukunft des Ökumenismus“. Seine Rede wurde zunächst in der Fachzeitschrift Ökumenisches Forum – Grazer Hefte für konkrete Ökumene (Jg. 1 (1977), Nr. 1, S. 31-41) veröffentlicht und später auch in den Sammelband „Theologische Prinzipienlehre“ (München 1982, 203-214) aufgenommen. Zunächst ging Ratzinger auf „die geschichtlichen Grundlagen der Kirchenspaltung“ ein und behandelte dann die „Frage der Wiedervereinigung zwischen Ost und West“ sowie die „Frage der katholisch-protestantischen Ökumene“. Nachfolgend dieser zweite Teil. weiter...

 

Die „Confessio Augustana“ und der Dialog mit den Protestanten

Für eine aufrichtige Ökumene

Von Erich Maria Fink

Am 25. Juni 1530 wurde auf dem Reichstag zu Augsburg vor Kaiser Karl V. die sog. „Confessio Augustana“, das „Augsburger Bekenntnis“, vorgetragen. Bis heute bilden die 28 Artikel dieser Bekenntnisschrift eine wichtige Glaubensgrundlage für die kirchlichen Gemeinschaften, die aus der Reformation hervorgegangen sind. 2030 jährt sich das Ereignis zum 500. Mal. Der Lutherische Weltbund wird auf seiner Generalversammlung im Jahr 2023 mit der Vorbereitung des Jubiläums beginnen. Papst Franziskus sieht darin eine Chance für die Ökumene. Es wäre ein guter Anlass für einen inhaltlichen Dialog zwischen Katholiken und Protestanten, der beide Seiten auf eine gemeinsame Grundlage zurückführen könnte. Pfarrer Erich Maria Fink geht auf die ökumenischen Perspektiven ein, die das Jubiläum im Blick auf eine gemeinsame Beschäftigung mit der Bekenntnisschrift bietet. weiter...

 

„Sich selbst vom Herrn reformieren lassen!“ (Papst Franziskus)

Am Ende bleibt die Kirche des Glaubens

Von Richard Kocher

Pfr. Dr. Richard Kocher, Programmdirektor des christlichen Senders „Radio Horeb“, zitiert in seinem Geleitwort zum Programmheft für August 2021 weitere Auszüge aus dem Aufsatz von Joseph Ratzinger „Wir wird die Kirche im Jahre 2000 aussehen?“ aus dessen Buch „Glaube und Zukunft“ (1970). Ratzinger hat eine Prognose über die Zukunft der Kirche abgegeben, die in verblüffender Weise Wirklichkeit geworden ist bzw. auf dem Weg dazu ist. Eine gekürzte Wiedergabe. weiter...

 

„Die Macht der kleinen Herde“ (4)

Erneuerung von Gott her

Von Lorenz Rösch

Im vierten Teil seiner Artikelserie „Die Macht der Kleinen Herde“ stellt Pfarrer Lorenz Rösch ein inzwischen weltweit bekanntes Beispiel gelungener Gemeinde-Erneuerung vor. Es handelt sich um die Pfarrei Saint Benedict in Ostkanada, die Father James Mallon 2010 als neuer Pfarrer übernahm. Mit Unterstützung seines Bischofs versuchte er, neue Wege missionarischen Aufbruchs einzuschlagen. Seine Erfahrungen sollte er auf Wunsch des Bischofs schriftlich festhalten. Father James konnte damals nicht ahnen, dass sein seelsorgliches Experiment zu einer weltweiten Erneuerungsbewegung werden würde. Sie nennt sich nach dem Titel seines Buches „Divine Renovation“ und stellt ein Netzwerk dar, das Pfarreien auf der ganzen Welt miteinander verbindet und in ihrem Bemühen um Erneuerung unterstützt. Pfr. Rösch sieht hier das zentrale päpstliche Anliegen beispielhaft umgesetzt, „… alles zu verwandeln, damit … jede kirchliche Struktur … mehr der Evangelisierung der heutigen Welt als der Selbstbewahrung dient"[1] weiter...

 

Entwicklung „neuer“ Menschenrechte (5)

Gibt es das „Recht“, aktive Sterbehilfe zu leisten?

Von Grégor Puppinck

Im fünften Teil seiner Artikelserie „Entwicklung ‚neuer‘ Menschenrechte“ geht Grégor Puppinck auf die Euthanasie ein (Der denaturierte Mensch und seine Rechte, BeBe-Verlag 2021, ISBN 978-3-903602-07-6). Es geht nicht um die aktuelle Frage des assistierten Suizids mit ihrer eigenen Problematik, sondern um die aktive Sterbehilfe, also die vorsätzliche Herbeiführung des Todes einer dritten Person, mit oder ohne deren Wissen. Unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Euthanasiepraxis, welche die Welt in Schrecken versetzt hatte, wurde in Europa jede Form aktiver Sterbehilfe verboten. Puppinck fragt sich, wie es plötzlich zu einem solchen Sinneswandel kommen konnte, dass die Tötung von Menschen gar geboten wird. weiter...

 

Afrikanische Länder im Fadenkreuz des Terrors

Das Evangelium – einzige Quelle der Hoffnung

Von Tobias Lehner

Afrika gehört aktuell zu den Sorgenregionen des weltweiten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“. Besonders die Länder der Sahel-Region werden von dschihadistischen Kämpfern überrannt. Wie der aktuelle Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2021“ von „Kirche in Not“ darstellt, soll die Region zum Ausgangspunkt eines „transnationalen Kalifats“ werden – einem islamistischen Herrschaftsbereich von Mali bis Mosambik in der Subsahara-Region, über die Komoren im Indischen Ozean bis zum Süden der Philippinen im Südchinesischen Meer. Auch andere afrikanische Länder, wie zum Beispiel Mosambik im Südosten des Kontinents, stehen im Fadenkreuz des Terrors. Millionen Menschen sind auf der Flucht, ganze Landstriche entvölkert. Hilfsorganisationen mussten aus Sicherheitsgründen ihre Mitarbeiter abziehen. Nicht so die Kirche: Priester, Ordensleute und Katecheten bleiben vor Ort und stemmen die Versorgung und die Begleitung der schwer traumatisierten Menschen. „Kirche in Not“ unterstützt sie dabei – und wird so Zeuge von Geschichten der Hoffnung inmitten von Terror und Leid. Wir dokumentieren zwei dieser Geschichten. weiter...

 

Fatima im Licht der Barmherzigkeit Gottes

Gott will die Sünder retten

Von Anna Roth

Die Theologin und Autorin Anna Roth hatte zum 100-jährigen Jubiläum von Fatima ein Buch herausgebracht, das den Titel trägt: „Maria & Fatima im Licht der Barmherzigkeit Gottes“. Es geht also darum, die Botschaft von Fatima im Licht der Barmherzigkeit Gottes zu verstehen. Doch ist Fatima nicht eine Drohbotschaft mit Höllenwarnung? Sind diese Gegensätze zwischen barmherziger Liebe Gottes einerseits und Höllenqualen andererseits aufknotbar? weiter...


[1] Papst Franziskus: Evangelii Gaudium (EG), Nr. 27: „Ich träume von einer missionarischen [Grund-]Entscheidung, die fähig ist, alles zu verwandeln…“