Nachfolgend lediglich die Überschriften und Hinführungen zu den einzelnen Beiträgen.

Die letzten drei Nummern von Kirche heute sind jeweils noch nicht online gestellt.
Die vollständige Ausgabe können Sie hier bestellen.

Februar-März 2022

 

Liebe Leser

Von Erich Maria Fink und Thomas Maria Rimmel

Papst Franziskus hat einen Brief an alle Eheleute geschrieben. Veröffentlicht wurde er am Fest der Heiligen Familie, dem 26. Dezember 2021. Als Anlass wird die schwierige Situation genannt, der die Ehepaare und Familien angesichts der anhaltenden Pandemie auf der ganzen Welt ausgesetzt sind. Die heutigen Herausforderungen müssten aus dem christlichen Glauben heraus bewältigt werden.

Das Dokument stellt verschiedene Impulse zusammen, die Papst Franziskus den Eheleuten im Lauf seines Pontifikats mit auf den Weg gegeben hat. Zitiert werden Äußerungen des Papstes aus den vergangenen neun Jahren, Ansprachen, Botschaften, Katechesen, die Enzyklika Fratelli tutti, das Apostolische Schreiben Evangelii gaudium, das Apostolische Schreiben Patris corde und vor allem das Nachsynodale Apostolische Schreiben Amoris laetitia. So gesehen hat der Brief vor allem pastoralen Charakter.

Doch das ganze Schreiben zielt auf das Ehesakrament ab. Die christlichen Eheleute sollten sich der Gnade dieses Sakraments bewusst werden und sie im täglichen Leben verwirklichen. Ehe könne heute nur gelingen, wenn die Ehepartner ständig aus dieser Quelle schöpften. „Die Berufung zur Ehe beinhaltet die Aufgabe, ein wankendes – aber aufgrund seiner sakramentalen Wirklichkeit dennoch sicheres – Schiff auf einer manchmal rauen See zu steuern. Wie oft würdet Ihr, wie die Apostel, am liebsten sagen oder vielmehr schreien: ‚Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?‘ (Mk 4,38). Vergessen wir nicht, dass durch das Sakrament der Ehe Jesus in diesem Boot anwesend ist. Er sorgt für Euch, er ist immer bei Euch, auch wenn das Boot in stürmischer See auf- und niedergeht“, so der Papst.

Mit allem Nachdruck ruft er die Eheleute zur Vergebung auf, die allein Krisen zu überwinden und zerbrochene Beziehungen wiederherzustellen vermag. „Vergesst nicht, dass die Vergebung alle Wunden heilt“, so Papst Franziskus. „Gegenseitiges Verzeihen ist das Ergebnis einer inneren Entscheidung, die im Gebet, in der Beziehung zu Gott, reift, als ein Geschenk der Gnade, mit der Christus die Eheleute erfüllt, wenn sie ihn handeln lassen, wenn sie sich an ihn wenden. Christus ‚wohnt‘ in Eurer Ehe und wartet darauf, dass Ihr ihm Euer Herz öffnet, damit er Euch mit der Kraft seiner Liebe beistehen kann, wie den Jüngern im Boot. Unsere menschliche Liebe ist schwach, sie braucht die Kraft der treuen Liebe Jesu. Mit ihm könnt Ihr ein ‚Haus auf Fels‘ (Mt 7,24) errichten.“

Was Papst Franziskus schreibt, entspringt einer betrachtenden Theologie, einer tiefen Theologie, die pastoral ausgerichtet ist. Es ist einfach zu kurz gegriffen, wenn kirchliche Medien schreiben: „Papst Franziskus ist kein Theologe. Er ist Seelsorger.“ So wird Benedikt XVI. als Professor auf dem Stuhl Petri dargestellt, Franziskus aber als Pfarrer. Es ist genauso abwegig, Papst Franziskus die theologische Kompetenz abzusprechen wie Benedikt XVI. das pastorale Gespür. Niemand kann ein guter Seelsorger sein, wenn er nicht auf einer soliden Theologie aufbaut, und niemand kann ein guter Theologe sein, wenn er nicht auf die Menschen ausgerichtet ist. Wir sollten diese beiden Pontifikate nicht leichtfertig abwerten, sondern sie in ihrer jeweiligen Bedeutung für den heilsgeschichtlichen Weg der Kirche anerkennen. Auch der Brief an die Eheleute ist wieder ein wunderbares Geschenk, ein leuchtender Mosaikstein des katholischen Glaubens. Lassen wir ihn fruchtbar werden!

Liebe Leser, wir freuen uns, die russisch-orthodoxen Holzskulpturen vorstellen zu können, ein Beitrag zur Ökumene, aber auch ein Impuls zur bevorstehenden Fastenzeit. Aufrichtig sagen wir Ihnen Vergelt’s Gott für Ihre Spenden und wünschen Ihnen Gottes reichsten Segen!

 

Brief des Heiligen Vaters Franziskus an die Ehepaare anlässlich des „Familienjahres Amoris laetitia“

Liebe Eheleute in aller Welt!

Von Papst Franziskus

Den Brief des Papstes an die Eheleute geben wir im Wortlaut wieder. Wir wollen damit unterstreichen, dass ein Schreiben noch so schön sein kann, doch muss es gelesen und betrachtet werden, damit es eine Wirkung erzielen und die Familien in ihrem Bemühen stärken kann. Das Anliegen von Papst Franziskus besteht gerade darin, die kirchliche Lehre auch für die heutige Zeit verständlich zu machen. Es ist eindrucksvoll, wie er auf die Tatsache eingeht, dass eheliche Beziehung zerbrechen können und dass dieses Zerbrechen viel Leid mit sich bringt. Doch rückt er in keiner Weise vom Ideal der unauflöslichen Ehe ab, sondern zeigt die konkreten Wege auf, die beschritten werden müssen, damit vertrauenswürdige Liebe und glückliches Zusammenleben gelingen können, wie Gebet, Vergebung und Dialog, vor allem aber der ständige Blick auf Jesus. weiter...

 

Nicht die Machbarkeit rettet, sondern die Annahme Gottes

Ehe und Familie am Scheideweg

Von Ralph Weimann

Prof. Dr. Dr. Ralph Weimann (geb. 1976), promoviert in Theologie und Bioethik, trifft in seinem Beitrag die nüchterne Feststellung, dass sich die moderne Gesellschaft immer weiter vom christlichen Menschenbild und von den Idealen der christlichen Ehe und Familie entfernt. Die Welt ist vom Wahn ergriffen, vollkommene Herrschaft über das Leben ausüben zu wollen. Die Faszination der Macht und des Machbaren hat in Politik und Gesetzgebung die Oberhand gewonnen. Der Mensch wird ganz vom „Willen zur Macht“ her verstanden, wie ihn schon Nietzsche beschrieben hat, losgekettet von Gott. Als Christen sind wir berufen, unseren Werten treu zu bleiben und uns einzugestehen, dass ein „Anschluss“ an die heutige Zeit nicht möglich ist. Es wäre die Quadratur des Kreises. Die Kirche würde scheitern, wie auch die Welt auf diesem Weg, wie Weimann schreibt, in die Irre geht. weiter...

 

Warum ist „Humanae vitae“ heute so wichtig?

Manipulation des Körpers

Von Michael Maria Waldstein

Das Jahrbuch der Theologie des Leibes 2020 trägt den Titel „Amor. Als Abbild Gottes schuf er ihn“ (Be&Be Heiligenkreuz). Den größten Teil des Buches macht die Abhandlung von Prof. Dr. Michael Maria Waldstein über die „Theologie des Leibes“ Johannes Pauls II. aus. Angesichts der zunehmenden technischen Manipulation des menschlichen Körpers trete die prophetische Dimension der Enzyklika Humanae vitae immer deutlicher hervor. Waldstein ist verheiratet, Vater von acht Kindern und lebt mit seiner Frau in Steubenville. An der dortigen Franciscan University lehrt er Bibelwissenschaft. Nachfolgend ein Zwischenresümee (S.182). weiter...

 

Die hl. Therese von Lisieux und ihre Sehnsucht nach dem Priestertum

Meine Berufung ist die Liebe

Von Sr. Theresia Mende OP

Sr. Dr. Theresia Mende OP ist Dominikanerin im Kloster Wettenhausen. 2015 wurde sie Mitarbeiterin am Institut für Neuevangelisierung im Bistum Augsburg, 2018 übernahm sie die Leitung des Instituts, welche sie bis 2021 innehatte. Ihre Namenspatronin ist die hl. Therese von Lisieux, die sie sehr verehrt. Im Rahmen des Jubiläumsjahres „50 Jahre Theresienwerk“ geht sie der Frage nach: „Die Berufung der hl. Therese von Lisieux, eine Berufung für heute?“ In ihrem Beitrag greift sie auch das Thema Frauenpriestertum auf, das von den Teilnehmern des „Synodalen Weges“ in Deutschland heftig diskutiert wird. Von Befürwortern der Öffnung des Priesteramtes für Frauen wird zuweilen die hl. Therese von Lisieux vereinnahmt, da sich in ihren Briefen und autobiografischen Schriften eine große Sehnsucht nach dem Priestertum widerspiegelt. Sr. Theresia betrachtet diese Frage im Licht des Selbstverständnisses der hl. Therese, die nach langem Ringen um ihren Platz in Welt und Kirche zu dem Ergebnis gekommen war: „Meine Berufung ist die Liebe!“ weiter...

 

Das Erbe der Konvertiten Erik Peterson, Heinrich Schlier und Dietrich von Hildebrand

Herausragende Gestalten des 20. Jahrhunderts

Von Jakob Knab

Studiendirektor Jakob Knab (geb. 1951) bringt das leuchtende Zeugnis der drei Professoren Erik Peterson, Heinrich Schlier und Dietrich von Hildebrand in Erinnerung. Sie entstammten alle der Welt des Protestantismus, folgten als suchende Wissenschaftler aber ihrer intellektuellen Sehnsucht nach Wahrheit und fanden so den Weg zur katholischen Kirche. Gerade in den Bereichen der biblischen Theologie und der Philosophie war es ihnen wichtig, sich an einem Fundament orientieren zu können, das dem Zeitgeist zu widerstehen vermag. Was die drei Konvertiten verbindet, ist die Klarheit, mit der sie die nationalsozialistische Ideologie durchschauten und sich weltanschaulichen Abwegen widersetzten. weiter...

 

Zum Heimgang von Alice von Hildebrand

Von Hildebrand-Projekt/Wikipedia

Im Alter von fast 99 Jahren ist Alice von Hildebrand am 14. Januar 2022 in New Rochelle in den USA gestorben. Geboren am 11. März 1923 in Brüssel kam sie ebenfalls als Flüchtling in die USA und wuchs an der Seite von Dietrich von Hildebrand zu einer einflussreichen Philosophin und Theologin heran. 1912 hatte Dietrich von Hildebrand Margarete Denck geheiratet und war 1938 mit seiner Familie, d.h. mit seiner Frau, seinem Sohn Franz und seiner Schwiegertochter, über die Schweiz, Frankreich, Portugal und Brasilien in die USA geflohen. Nach Margaretes Tod im Jahr 1957 heiratete er dort 1959 die 34 Jahre jüngere Alice Jourdain, die bei ihm studiert hatte und sich nach seinem Tod im Jahr 1977 mit großem Engagement für sein Vermächtnis einsetzte. Das von ihr ins Leben gerufene Hildebrand-Projekt veröffentlichte aus Anlass ihres Todes einen Nachruf in englischer Sprache – www.hildebrandproject.org/about/alice-von-hildebrand – In deutscher Übersetzung findet sich eine gekürzte Form auf Wikipedia (Alice von Hildebrand), die wir nachfolgend widergeben. weiter...

 

Impuls des Chefarztes der Malteser Klinik von Weckbecker

Heilfasten hellt die Seele auf

Interview mit Rainer Matejka

1954 wurde bei Bad Brückenau in der Röhn die Malteser Klinik von Weckbecker eröffnet. Der Gründer und Namensgeber der Klinik, Dr. med. Erich von Weckbecker (1920–2005), wandte sich, geprägt durch eigene Krankheit in Jugend- und Studienzeit und motiviert durch Genesung dank traditioneller Heilmethoden, der Naturheilkunde zu und entwickelte sein bis heute gültiges Vier-Säulen-Konzept: 1. Heilfasten und Diätetik, 2. Bewegung und Entspannung, 3. Wassertherapie nach Kneipp und 4. Spiritualität. Dabei wird wissenschaftlich anerkannte Naturheilkunde kombiniert mit moderner Schulmedizin eingesetzt. Dr. Rainer Matejka (geb. 1957) ist seit 2016 Chefarzt der Malteser Klinik von Weckbecker. weiter...

 

Die geheimnisvolle Welt der christlichen Holzskulpturen in Russland

Brücke zwischen Ost- und Westkirche

Von Erich Maria Fink

Die Russisch-Orthodoxe Kirche ist bekannt für ihre Ikonen. Eine andere Form der darstellenden Kunst kennt sie nicht, so jedenfalls ist die allgemeine Vorstellung von der Ostkirche. Pfarrer Erich Maria Fink stellt die eindrucksvollen Holzschnitzereien vor, die sich ab dem 14. Jahrhundert in ganz Russland verbreitet haben, eine geheimnisvolle Welt, die fast in jeder orthodoxen Kirche präsent war, doch ab dem 19. Jahrhundert durch das Eingreifen der staatlichen Religionsbehörden fast völlig ausgelöscht wurde. Trotzdem bilden die verbliebenen Zeugnisse eine mächtige Brücke zwischen der katholischen Kirche des Westens und der orthodoxen Kirche in Russland. weiter...

 

Vorbilder aus allen Jahrhunderten

Heilige Ehepaare

Prälat Prof. Dr. Helmut Moll (geb. 1944) stellt auf 48 Seiten mehr als 60 christliche Ehepaare aus allen Jahrhunderten vor,[1] die im Ehe- und Familienleben sowie in ihrer weltlichen Arbeit zur Heiligkeit gereift sind und auch für heute Vorbildcharakter haben. Dank Resilienz pflegten sie eine gelungene Kommunikation, lebten die Treue und lösten auftretende Konflikte mit ihren Kindern gewaltlos. weiter...


[1] Helmut Moll: Selige und heilige Ehepaare. Mit einem Vorwort von Christoph Kardinal Schönborn, Augsburg, 3. Aufl. 2020, 48 Seiten, geheftet, DIN A5, ISBN 978-3-940879-48-6