Liebe Leserinnen und Leser
Von Erich Maria Fink und Thomas Maria Rimmel
„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens!“ (Lk 2,14). Wie sehr sehnt sich jedes Menschenherz nach Frieden, gerade in einer so zerrissenen und bedrohten Welt, wie wir sie im Augenblick erleben. Das Geheimnis, das an Weihnachten aufleuchtet, rührt uns Menschen im Tiefsten an, denn es birgt eine unüberbietbare Botschaft der Hoffnung und der Freude. „Siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr“ (Lk 2,10f.).
Zwei aktuelle Ereignisse stimmen uns auf das Weihnachtsgeheimnis ein. Da ist zunächst die bevorstehende Papstreise in die Türkei. Leo XIV. macht sich auf den Weg nach Nicäa (heute İznik) – zur Wurzel des christlichen Glaubensbekenntnisses. Die Verheißung von Weihnachten verliert ihre ganze Kraft, wenn das Kind in der Krippe nicht mehr als „Christus, der Herr“ gesehen wird. Die Hoffnung auf die wahre Versöhnung zwischen Himmel und Erde und damit verbunden auf den Frieden unter den Völkern würde sich in einer oberflächlichen Romantik ohne nachhaltige Wirkung auflösen, wäre nicht Gott selbst zu uns gekommen.
Zum Glauben an die Menschwerdung Gottes, an das Geheimnis des dreifaltigen Gottes, hat die Kirche im 4. Jahrhundert nach einer tiefen Krise zurückgefunden. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 n. Chr. war der Wendepunkt. Unter Kaiser Konstantin versammelten sich 318 Bischöfe aus Ost und West und stellten sich der Häresie des Arianismus, der die Göttlichkeit Christi geleugnet hatte. Sie formulierten jenes „Credo“, das Jesus Christus als „wahren Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater“, bekennt.
Es ist das Herzstück des gemeinsamen Glaubens aller Christen. Katholiken, Orthodoxe, Protestanten und Anglikaner teilen es als unverzichtbares Erbe. Auch in diesem Sinn ist Nicäa Zeichen der Einheit und des Friedens. So wird Papst Leo XIV. am 10. und 11. Dezember in İznik mit Patriarch Bartholomäus von Konstantinopel und Vertretern orthodoxer, anglikanischer und protestantischer Kirchen zusammenkommen. In einer ökumenischen Feier werden die Teilnehmer das „Credo“ miteinander sprechen. Der Papst wird eine Ansprache halten, in der er auch die aktuelle Relevanz von Nicäa für Frieden und Gerechtigkeit betonen möchte. Geplant ist ebenfalls ein Treffen mit Christen und Muslimen aus der Türkei, um den interreligiösen Dialog zu fördern.
Zum anderen hat Papst Leo XIV. am 28. Oktober 2025 ein Dokument über den Bildungsauftrag der Kirche veröffentlicht, in dem er vor allem die Aufgabe der Erziehung zum Frieden und zur Liebe hervorhebt. Anlass war der 60. Jahrestag der Erklärung des II. Vatikanischen Konzils über die christliche Erziehung. So sehr der Friede ein Geschenk Gottes ist, das wir von ihm erbitten und uns von ihm schenken lassen müssen, so notwendig ist gleichzeitig das Mitwirken des Menschen. Diese Thematik beleuchten wir unter verschiedensten Aspekten mit spannenden Beiträgen hochrangiger Autoren. Möge die Lektüre wertvolle Anregungen schenken und eine neue Freude am Glauben vermitteln!
Liebe Leserinnen und Leser, von ganzem Herzen wünschen wir Ihnen eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit sowie ein frohes und friedliches Neues Jahr 2026. Denken Sie bei Ihrer Weihnachtsgabe bitte auch an unser Apostolat, das nur durch Ihre Spenden möglich ist (meine Volksbank Raiffeisenbank eG, IBAN: DE46 7116 0000 0001 1905 80, BIC: GENODEF1VRR). Ein aufrichtiges Vergelt’s Gott und reichsten Segen auf die Fürsprache Mariens, der Königin des Friedens!
Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 12/Dez.2025+1/Jan.2026
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Das Schreiben von Papst Leo XIV. über Erziehung im Licht von Weihnachten
Ein Bild von Gottes Liebe formen
Prof. Dr. Peter Schallenberg, Moraltheologe in Paderborn, erläutert das neue Apostolische Schreiben „Disegnare nuove mappe di speranza“ von Papst Leo XIV. im Licht der Weihnachtsbotschaft. Im Dokument vom 28. Oktober 2025 geht es um Erziehung und Bildung. Christliche Pädagogik zielt auf die Ausformung des individuellen Gottesebenbildes in jedem Menschen ab und muss deshalb „liebevolle Erziehung zur Liebe“ sein. Auf dem „Humus des Friedens“, wie ihn die Engel in Bethlehem verheißen haben, kann „diese Liebe gedeihen und blühen“.
Von Peter Schallenberg
Das neue Apostolische Schreiben von Papst Leo XIV. zum 60. Jahrestag der Erklärung des II. Vatikanischen Konzils „Gravissimum educationis“ über die christliche Erziehung trägt den schönen und fast poetischen Titel „Neue Landkarten der Hoffnung zeichnen“. Das kommt daher, dass der Papst in seinem neuen Lehrschreiben durchgängig das Bild der Reise verwendet: Der Mensch auf der Reise zu sich selbst, der Mensch auf der Reise zum Mitmenschen, der Mensch schließlich auf der Reise zu Gott.
Wer „wandert“, macht „Erfahrung“
Im Deutschen sprechen wir heute noch von „Erfahrung“ und übersetzen damit den lateinischen Begriff „experientia“, in dem das lateinische Verb „ire“ für „gehen, wandern“ steckt: Wer eine Erfahrung macht, der ist auf eine Fahrt von sich weg zu einem Ziel jenseits von sich selbst gegangen. Zum Ziel seiner selbst, das nur gefunden wird, wenn man sich verlässt und Erfahrung von anderen Menschen und von Gott macht, und so sich selbst neu und anders findet, als wenn man einfach bei sich geblieben wäre.
Übrigens haben die Kirchenväter der frühen Christenheit (bis hin zum vom Papst ausdrücklich erwähnten heiligen Bonaventura in seinem großartigen Kommentar zum Lukas-Evangelium) das Gleichnis Jesu im Lukas-Evangelium vom verlorenen Sohn genau in dieser Weise interpretiert: Der scheinbar verlorene Sohn findet sich erst als geliebtes Kind wieder, als er bei den Schweinen verloren gegangen ist und sich an das Vaterhaus und die Liebe des Vaters erinnert und umkehrt und das Vaterhaus ganz neu findet; der ältere Sohn dagegen verharrt im Vaterhaus und versteinert und verbittert und scheint am Ende der Geschichte die Liebe des Vaters fast verloren zu haben, wenn nicht noch ein Wunder geschieht...
Wer finden will, muss suchen und aufbrechen auf die große Fahrt des Lebens und Erfahrung machen von Liebe und Zuwendung und Vergebung und Umkehr.
Odysseus und Penelope – Hoffnung und Treue
Und etwas steht beim Papst und seiner Rede von Reise und Landkarte und Hoffnung auch im Hintergrund die berühmte Odyssee aus der griechischen Sagenwelt: Odysseus, der griechische König von Ithaka, kehrt aus dem zehnjährigen trojanischen Krieg heim in sein Land, zurück zu seiner Ehefrau Penelope, in der Hoffnung auf deren stete Treue trotz langer Abwesenheit, und diese wiederum versucht verzweifelt dem Drängen der allzu hitzigen Freier zu widerstehen in der Hoffnung auf die treue Rückkehr ihres Mannes. Und so geschieht es!
Und wiederum deuten die christlichen Kirchenväter diese Odyssee, diese mühselige Irrfahrt des Odysseus über das stürmische Mittelmeer als Bild der Lebensfahrt des Menschen über die Stürme und Anfechtungen des Lebens hin zum verheißenen Hafen der Liebe Christi, der bereits am Ufer der Ewigkeit ausschaut nach uns und uns sehnsüchtig erwartet, in der Hoffnung, dass auch wir ihn sehnsüchtig zu erreichen suchen.
„Bildung“ und das Bild von den Landkarten
All dies verbindet sich mit dem Bild der Landkarten der Hoffnung, die wir unserer Lebensfahrt zugrundelegen; der Papst spricht gleich zu Beginn seines Schreibens von einer christlichen Pädagogik, die uns einen Anker des Heils und einen Leuchtturm in der Nacht zur sicheren Navigation zur Verfügung stellt. Und dabei kommt ihm zugute, dass der italienische Begriff für das deutsche Wort Erziehung zwar „educazione“ heißt, also genau wie in der deutschen Sprache wörtlich: „He-rausführen“ (des Menschen aus dem allzu engen Gefängnis eines bloßen Überlebens und einer einfachen Bedürfnisbefriedigung) und „Herausziehen“ (des eigentlich von Gott gemeinten inneren Menschen, unseres tief im Inneren unserer selbst schlummernden Gottesebenbildes) des von Gott geliebten Menschen, der von Gott geschaffenen und ersehnten unsterblichen Seele.
Und das wiederum erinnert an den zweiten Begriff von Erziehung, der in italienischer Sprache „formazione“ heißt, etwa so viel wie „Formatierung“ in der Computersprache, also Prägung einer zunächst gestaltlosen Materie, und der seit Meister Eckhart in deutscher Sprache wunderbar und selbst erklärend „Bildung“ heißt. Der dominikanische Mystiker des späten Mittelalters Meister Eckhart prägte dieses frühe deutsche Wort exakt nach dem Wort Bild und Urbild und Ebenbild und meinte damit: Erziehung heißt eben nichts anderes als die Ausbildung des Gottesebenbildes im individuellen Menschen. Oder etwas anders: Je mehr wir an Liebe und Gutheit erfahren auf der Fahrt unseres Lebens, und je mehr wir davon weitergeben, desto mehr bilden wir das uns von Gott eingesenkte Abbild seiner selbst aus und werden zum höchst individuellen und eigenartigen Abbild seiner Liebe. Denn so wie ich hat vorher noch keiner auf Gottes Liebe im eigenen Leben geantwortet; jeder Daumenabdruck ist anders und jede Antwort eines Menschen auf Gott ist anders und jedes Gottesebenbild ist anders... Und dennoch gleich und besonders gültig!
Christliche Pädagogik – Erziehung zur Liebe
Die großen Heiligen und Persönlichkeiten der christlichen Pädagogik, die der Papst in seinem Schreiben erwähnt – von Joseph von Calasanza, dem Begründer der ersten Volksschule im römischen Trastevere, über Don Bosco bis hin zu Maria Montessori – waren beseelt von diesem Gedanken der Ausbildung des individuellen Gottesebenbildes in jedem Menschen und der dazu notwendigen liebevollen Erziehung zur Liebe. Und das bedeutet: Erziehung aus christlicher Sicht beginnt immer in einem Haus der Liebe, in der Familie wie in der Schule und später in der Schule der Ehe, und ist zugleich niemals nur einfach eine Information oder Eintrichterung von Kenntnissen, die nützlich und effektiv verwendet werden könnten. Nein, Erziehung heißt immer: Bildung einer integralen Persönlichkeit, die mehr innere Tugend ausdrückt als nützliche Kenntnisse speichert. Denn das können auf Dauer Roboter und Computer besser und mathematisch exakter... Lieben aber kann man niemals mathematisch exakt, sondern nur asymptotisch gleichsam, tastend, versuchend, irrend und bereuend, umkehrend und um Vergebung bittend. In dem festen Vertrauen, dass Gott uns zuerst geliebt hat und all unser Unvermögen vergibt und vollendet.
Entwaffnet die Worte, hebt den Blick, behütet das Herz!
Am Ende seines Schreibens fasst der Papst sehr schön und kurz zusammen in einem dreifachen Aufruf an alle, die in der Bildung und Erziehung arbeiten, an uns alle in der Arbeit an uns selbst und mit unseren Freunden: Entwaffnet die Worte, hebt den Blick, behütet das Herz! Und er ergänzt mit einem Zitat seines Ordensvaters Augustinus: Unsere Gegenwart und unsere Zeit ist uns gegeben zur Vorbereitung auf die Zukunft der Ewigkeit.
Da aber diese zukünftige Ewigkeit Gottes angefüllt sein wird mit Liebe, ist die beste Vorbereitung darauf die jetzige und lebenslange Einübung in die Liebe, die Erfahrung von wirklicher und wahrer und buchstäblich entwaffnender Liebe. Die lebendige Landkarte dazu hat der Vater selbst uns gegeben in seinem eigenen Sohn, und an uns liegt es hier und jetzt und heute, diese Landkarte zu übertragen in unser eigenes und eigentümliches Leben, das in der Hoffnung auf Vollendung gelebt und ausgebildet werden soll.
Im Licht von Weihnachten und der Verheißung des Friedens
Heute! So heißt es im Lukas-Evangelium an zwölf bedeutsamen Stellen, und zuerst bei der Weihnachtsgeschichte: „Heute ist Euch der Retter geboren, Christus der Herr!“ Wer das jeden Tag beim ersten Aufwachen bis hin zum Einschlafen denkt und verinnerlicht, der findet jenen Frieden, den die Welt von Kommerz und Profit niemals geben kann und von dem Weihnachten und die Engelchöre singen.
Und erst auf dem Humus dieses Friedens kann jene Liebe gedeihen und blühen, die das individuelle Bild des lebendigen und liebenden Gottes in uns sich ausbilden lässt. Denn darum geht es ja auf der lebenslangen Fahrt eines jeden Menschen: ein Bild von Gottes ewiger und treuer Liebe gewinnen, damit – wie bei den drei Königen – unser Herz beim Anblick des göttlichen Kindes in der Krippe „von sehr großer Freude“ erfüllt wird. Das ist dann eine Freude über eine von Gott geschenkte Landkarte, die man selbst nie dem eigenen Leben hätte vorzeichnen können!
Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 12/Dez.2025+1/Jan.2026
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Bischof Oster distanziert sich vom Papier der DBK-Schulkommission
„Der Text spricht nicht in meinem Namen“
Die Schulkommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) hat mit Datum vom 1. Oktober 2025 ein Dokument mit dem Titel „Geschaffen, erlöst und geliebt. Sichtbarkeit und Anerkennung der Vielfalt sexueller Identitäten in der Schule“ veröffentlicht. Bischof Dr. Stefan Oster SDB von Passau hat dazu kritisch Stellung genommen. Nach einer eingehenden Analyse der theologischen und anthropologischen Ausrichtung des Papiers kommt er zu dem Ergebnis, dass er sich als verantwortlicher Hirte ausdrücklich davon distanzieren muss. Seine ausführliche Stellungnahme sowie der Wortlaut des DBK-Dokuments sind im Internet abrufbar (vgl. Anm.).
Von Werner Schiederer
„Neugeburt“ – Kern des christlichen Glaubens
Bischof Stefan Oster kritisiert das Papier „Geschaffen, erlöst und geliebt“ der Schulkommission der Deutschen Bischofskonferenz scharf, da es ein christliches Verständnis von Identität und Erlösung vernachlässige und stattdessen weltliche, humanwissenschaftliche Ansätze priorisiere. Er betont zunächst die Realpräsenz Christi in der Eucharistie als Kern des Glaubens, die zu einer „Neugeburt“ und neuen Identität führt: „In der Eucharistie geschieht wahrhaftig Wandlung – und sie geschieht, damit wir als Gläubige uns wandeln und mit uns die Welt.“ Durch Christus werde der Mensch „neue Schöpfung“ (Gal 6,15), integriert in Ganzheit und Heiligkeit, im Gegensatz zur Sünde, die desintegriert: „Die Sünde desintegriert den Menschen, treibt ihn innerlich auseinander. Christus integriert in neuer Identität.“
Oberflächliche Verwendung des Begriffs „sexuelle Identität“
Oster wirft dem Papier vor, den Begriff „sexuelle Identität“ – als Oberbegriff für Orientierung und Geschlecht – „inflationär“ zu verwenden, ohne theologische Tiefe: „Von dem viel umfassenderen Verständnis von Identität aus christlicher Sicht: kein Wort.“ Es orientiere sich am Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, insinuiere Vielfalt als „naturhaft“ und ignoriere den „gläubigen Weg des Christen [als] Drama der Selbstwerdung in Gott“. Die Schule solle „Geburtshelferin“ der Persönlichkeitsentwicklung sein, doch ohne christliche Ganzheit: „Eine Schule, die die Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsbildung aller Schülerinnen und Schüler fördern will, kann die Situation von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans-, intergeschlechtlichen und non-binären Jugendlichen nicht ignorieren“ (S. 9). Die kirchliche Lehre werde als „umstritten“ dargestellt, um Selbstbestimmung zu fördern: „die Sexualmoral der Kirche differenziert darzustellen und das Kontroversitätsgebot zu befolgen“ (S. 38f.).
Ignorierung von Sünde und Gnade
Besonders problematisch sei die Verknüpfung von Schöpfung und Erlösung: „Geschaffen, erlöst, geliebt“ suggeriere, Diversität sei schon erlöst und gottgewollt, ohne Erlösungsbedürftigkeit: „Die Vielfalt sexueller Identitäten ist ein Faktum“ (S. 5). Humanwissenschaften nähmen den Menschen „in ihrer konkreten Vorfindlichkeit“ wahr, ignorierten Sünde und Gnade. Oster warnt: „Der Mensch in seiner Vorfindlichkeit ist das Maß der Dinge.“ Bei Transidentität fehle Kritik, obwohl internationale Einschränkungen (z.B. in UK, Schweden) Folgen zeigten; der Text schlage affirmativ vor, ohne Schutz vulnerabler Jugendlicher.
Mangel an echter Begleitung Jugendlicher
Persönlich würdigt Oster den Wunsch nach Begleitung, kritisiert aber Versäumnisse der Kirche: „Wir haben oft genug genau darin versagt.“ Dennoch dürfe man nicht auf anthropologische Grundpositionen verzichten: „Gott liebt Dich wie Du bist – aber er will nicht, dass Du bleibst, wie Du bist. Er will, dass Du durch Seine Gnade Christus ähnlicher wirst.“ Der Text führe zu einer „entsakramentalisierten“ Anthropologie, die prinzipielle Grenzen überschreite. Oster distanziert sich: „Der Text spricht nicht in meinem Namen.“
Anmerkung: Die deutschen Bischöfe. Kommission für Erziehung und Schule, Nr. 58: Geschaffen, erlöst und geliebt. Sichtbarkeit und Anerkennung der Vielfalt sexueller Identitäten in der Schule, Bonn, 1. Oktober 2025. Einsehbar und zum Download unter: www.dbk-shop.de/media/files_public/166bf6581adb9d49f8f6460292162a6f/DBK_1258.pdf
Ungekürzte Stellungnahme von Bischof Stefan Oster: stefan-oster.de/geschaffen-erloest-geliebt-kommentar/
Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 12/Dez.2025+1/Jan.2026
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Zum Erziehungsauftrag der Kirche
Unsere Mission im Konflikt
Aus seiner Erfahrung im Südsudan richtet der aus Italien stammende Bischof Christian Carlassare an seine Brüder und Schwestern in Europa die Botschaft: Wahre Mission im Konflikt liegt in Fürsorge, Brückenbau, Bildung und Gerechtigkeit. Weltweit müsse die Kirche zu einer friedlicheren Welt beitragen und die verwandelnde Kraft des Evangeliums erneuern.
Von Bischof Christian Carlassare, Diözese Bentiu/Südsudan
Ruf des Glaubens in konfliktreicher Zeit
Der Südsudan ist von Konflikten und Armut gezeichnet. Am 4. und 5. Oktober 2025 feierten wir das Jubiläum der Weltmission. In einer Zeit, in der die Hoffnung zu erlöschen droht, muss die Kirche mit dem Antlitz des Evangeliums auf die Menschen zugehen. Als Comboni-Missionar und Bischof von Bentiu habe ich diese Realität am eigenen Leib erfahren. Im Jahr 2021 wurde ich in der Diözese Rumbek kurz vor meiner Bischofsweihe in einen Hinterhalt gelockt und schwer an den Beinen verletzt. Aus dieser Prüfung entstand ein Weg der Versöhnung, der mein Bischofsamt prägt. Ich habe gelernt, keine Feinde zu haben und mit niemandem in Konkurrenz zu treten. Der andere ist immer mein Bruder, den ich brauche. Nur im Geist der Offenheit, Geduld und Barmherzigkeit kann Heilung geschehen. Nicht der Umgang der anderen mit mir leitet mich, sondern die Dankbarkeit für die göttliche Barmherzigkeit, die ich selbst erfahren habe. Diese Haltung macht mich frei, den Menschen im Südsudan zu begegnen – als Brüder und Schwestern.
Kirche als Gemeinschaft von Widerstand und Hoffnung
In unserem Land ist die Kirche eine Gemeinschaft des Widerstands und der Hoffnung. Sie setzt sich unermüdlich für Frieden, Gerechtigkeit und die Würde jedes Menschen ein. Afrika ist für mich eine „spirituelle Lunge“ für die Welt – ein junger, vitaler Atem, der Europa neuen Schwung verleihen kann, wenn dieses seine Berufung zur Solidarität nach dem Evangelium wiederentdeckt. Besonders die Jugendlichen bilden den Schlüssel zur Zukunft: Durch Bildung und ganzheitliche Erziehung kann ein Land, das von Kriegen zerrissen ist, neu aufgebaut werden. Die Kirche investiert bei uns auf diesem Gebiet mutig, mit Weitsicht und Herz.
Auch in Europa hat die Kirche die Berufung, die Herzen für das Gute, Heilige und Gerechte zu öffnen. Wir dürfen nicht in alte Ideologien zurückfallen, sondern müssen für Frieden, Gerechtigkeit und die Würde jedes Menschen arbeiten – ohne Ausnahme. Die Welt dürstet nach echter, gegenseitiger Solidarität. Europa könnte sich sensibler einsetzen, nicht nur mit materieller Hilfe, um sein Gewissen zu beruhigen, sondern mit Verantwortung, um die Welt geschwisterlicher zu machen. Statt Migration zu bekämpfen, sollten wir sie klar regulieren, aber auch als Chance für Begegnung, Menschlichkeit und gemeinsames Wachstum begreifen.
Das Jubiläum als Aufbruch zur Erneuerung
Das Jubiläum der Weltmission ist eine Gnadenzeit, die uns zum Kern des Evangeliums zurückruft. Es ist ein Aufruf nicht nur für eine Gruppe in der Kirche, sondern eine Einladung an jeden Christen: Werde dir bewusst, dass Christus lebt und verkündet werden muss, wo Leid die Hoffnung erstickt! Die Evangelisation muss heute das Gesicht der Versöhnung annehmen, um menschlichere und brüderliche Beziehungen zu schaffen. Dazu gehören nicht nur Worte, sondern konkrete Taten der Nächstenliebe: die Sorge für körperliche und seelische Gesundheit, um Traumata der Gewalt zu heilen; die Mobilisierung der Gemeinschaften vor Ort für bessere Lebensbedingungen; Investitionen in Schulen und menschliche Bildung.
Konkrete Schritte zur Förderung von Frieden und Versöhnung
Der erste konkrete Schritt ist unser Dasein, das heißt zuzuhören und an den Leiden der Menschen Anteil zu nehmen, besonders der Opfer von Gewalt und Armut. Das gilt nicht nur für ausländische Missionare. Als südsudanesische Christen zeigen wir einen alternativen Weg zu Korruption und Gewalt. Die kirchliche Gemeinschaft wirkt heilend auf das soziale Gefüge ein, das von spaltenden Politikern zerrissen wird. Wir bauen Brücken, wo Mauern stehen, und weisen den Pfad zu einem nachhaltigen und gerechten menschlichen Fortschritt.
Die Kirche sieht Bildung als Schlüssel zur Freiheit. In einem Afrika, wo Führer oft auf Gewalt statt auf Weisheit setzen, ist die Erziehung der kommenden Generation entscheidend für wahre Befreiung. Zu oft werden junge Menschen manipuliert, um Konflikte zu verlängern, die alle ärmer machen. Die Kirche bietet Schulbildung auf allen Ebenen an, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern menschlich formt. Neben den staatlichen Einrichtungen treten die Schulen der La-Salle-Brüder und der Loreto-Schwestern wie ein Licht hervor, ebenso die Katholische Universität des Südsudans. Das Zentrum für Gerechtigkeit und Frieden bildet in Sozialwissenschaften aus – für Konfliktlösung, gesellschaftliche Transformation und eine kreislauffähige Wirtschaft. So gibt die Kirche in unsrem Land den Jugendlichen Hoffnung, der kommenden Generation, die schließlich eine geschwisterliche und freie Gesellschaft aufbauen kann.
Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 12/Dez.2025+1/Jan.2026
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An der Demut Gottes keinen Anstoß nehmen
Das Weihnachtsgeheimnis
In seinem neuen Buch mit dem Titel „Am Ende wartet Gott – Versuche, die Philosophie zu Ende zu denken“ (vgl. Rezension S. 8ff.) geht Pater Engelbert Recktenwald auch auf das Weihnachtsgeheimnis ein. Die Menschwerdung offenbare Gott als selbstlose Liebe, im Kontrast zu Weisheit (Griechen) oder Macht (Islam). Der christliche Glaube ermögliche dem Menschen eine freundschaftliche Beziehung zu seinem Schöpfer (Joh 15,15). Umgekehrt erschließe sich dieses Geheimnis nur einem liebevollen Herzen. Freie Anerkennung der Liebe führe zu Erkenntnis und innerer Umwandlung nach dem Bild Gottes. Wer sich also darauf einlasse, werde selbst Christus immer ähnlicher: „Es ist der selige Kreislauf einer Spirale, die uns immer tiefer in das Geheimnis Gottes hineinführt!“ (S. 75-79).
Von Engelbert Recktenwald FSSP
Gott: Weisheit – Macht – Liebe
Bei Menschen, die ihre eigenen Überzeugungen ernst nehmen, prägt das Gottesbild unweigerlich auch ihr Menschenbild und die gelebte Spiritualität. Bei den alten Griechen war die Weisheit das hohe Ideal, denn Gott war nach Aristoteles das Denken des Denkens, und die Vollendung des Menschen bestand in der theoria, der Schau der Wahrheit. In einer verbreiteten Ansicht des Islam ist es die Macht, die die Schlüsselstellung unter den göttlichen Eigenschaften einnimmt. Deshalb bereitet dem gläubigen Muslim der Gedanke, seine Religion durch Machtausübung zu verbreiten, keine Probleme, während umgekehrt die Erfahrung einer Machtunterlegenheit wie etwa bei den Kreuzzügen eine Kränkung hervorruft, die über Jahrhunderte hinweg fortwirkt. Der Gedanke, dass Gott aus Liebe auf die Ausübung seiner Macht verzichtet, sich entäußert und ein Mensch, ja sogar ein Kind wird, das seinerseits jeden Machtnimbus verschmäht, dem Thron eine Krippe vorzieht und sich bitterer Armut hingibt, ein solcher Gedanke wird entrüstet als mit Allahs Würde unvereinbar zurückgewiesen. Doch genau das macht den Kern der christlichen Gottesidee aus: Nicht mehr Weisheit oder Macht, sondern die Liebe ist die Schlüsseleigenschaft, um Gott und sein Handeln zu verstehen.
„Ich habe euch Freunde genannt“
Durch die Menschwerdung hat Gott es uns ermöglicht, uns in ein neues Verhältnis zu ihm zu setzen. Das adäquate Verhältnis gegenüber einem Gott der Macht ist das der Unterwerfung und des blinden Gehorsams. Sobald die Liebe das Verhältnis prägt, wird aus Unterwerfung Freundschaft und aus blindem Gehorsam ein Gleichklang der Gesinnung, der sich aus der inneren Vertrautheit und dem Eingeweihtsein in den Liebesratschluss Gottes ergibt: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte, denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe“ (Joh 15,15). Die Unterwerfung ist von der Furcht geprägt, die Freundschaft von der Liebe.
Sich mit einem Gott der Macht gut zu stellen, ist ein Akt der Klugheit im eigenen Interesse. Die Ebene moralischen Handelns ist damit noch nicht betreten. Moralisch wertvolles Verhalten ist erst möglich, wenn das bloße Klugheitskalkül überschritten wird und sich das Eigeninteresse durch die Liebe verwandelt in das Interesse am Wohlergehen des Geliebten.
Aber wenn Gott absolut vollkommen ist und sich selbst genügt, scheint ein Interesse an seinem Wohlergehen unmöglich oder zumindest sinnlos zu sein. Genau dieser Not ist durch Gottes Menschwerdung abgeholfen. Gott hat sich dadurch in die Lage gebracht, von uns helfende und tröstende Liebe annehmen zu können. Am sichtbarsten war das der Fall im Verhältnis zu Maria, seiner Mutter. Aber dass auch wir im geistlichen Leben in eine analoge Rolle rücken können, ist dies nicht angedeutet in dem ungeheuren Wort: „Denn wer den Willen meines himmlischen Vaters tut, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter“? (Mt 12,50). Durch unsere Liebe können wir den Herrn erfreuen, ihn über die Sünden, die sein Herz verwunden, „trösten“ und ihm „helfen“, Seelen zu retten.
Erbarmen als höchste Offenbarung der Allmacht
An dieser Demut Gottes keinen Anstoß zu nehmen, ist nur möglich, wenn man jene Hierarchisierung der Werte akzeptiert, die sich durch die Anerkennung der Liebe als höchstem Wert ergibt. So hatte es sich die heilige Theresia vom Kinde Jesus angewöhnt, alle Vollkommenheiten Gottes durch die unendliche Barmherzigkeit (also jene Form der Liebe, die sich dem Elenden zuwendet) zu betrachten. Wenn die Macht der höchste Wert ist, dann erscheint Liebe, die sich entäußert und erbarmt, als Zeichen von Schwäche. Ist jedoch die Liebe als höchster Wert anerkannt, dann können wir in ihrem Licht das Erbarmen Gottes gerade als höchste Offenbarung seiner Allmacht verstehen, so wie es in der Oration des zehnten Sonntags nach Pfingsten ausgedrückt ist: Deus, qui omnipotentiam tuam parcendo maxime et miserando manifestas [...] („O Gott, der du deine Allmacht am meisten durch Nachsicht und Erbarmen offenbarst [...]“).
Ehrfurcht vor dem Weihnachtsgeheimnis
So erweist sich Gott durch das Weihnachtsgeheimnis als ein Gott, der die Menschen nicht von außen durch seine Macht unterwerfen und beherrschen, sondern ihr Herz von innen her durch seine Liebe gewinnen will. Seine Verherrlichung besteht nicht darin, dass er Furcht und Schrecken verbreitet, sondern die Zartheit und Schönheit seiner Liebe bis ins Innerste unseres Herzens ausbreitet. Wir gehen vor ihm in die Knie nicht aus Furcht vor der Größe seiner Macht, sondern aus dankbarer Ehrfurcht vor der Größe seiner Liebe. Wir machen uns klein, weil auch er für uns klein geworden ist. So erweist sich die Liebe als die einzige Macht, die auch die Herzen erreicht. Indem Gott klein wurde, ist seine Liebe machtvoll geworden.
„Wie viele und große Lehren gehen von der Krippe in Bethlehem aus! O welch glühende Liebe muss das Herz für den empfinden, der für uns ganz zart und klein geworden ist! Bitten wir das Göttliche Kind, es möge uns mit Demut erfüllen; denn allein dank dieser Tugend sind wir imstande, dieses Geheimnis göttlicher Zärtlichkeit und Menschenfreundlichkeit zu erfassen und zu genießen“ schreibt der heilige Pater Pio.
Damit lenkt er unsere Aufmerksamkeit auf einen weiteren philosophisch relevanten Sachverhalt: Nur wenn wir selbst ein liebevolles Herz haben, können wir die Liebe Gottes erkennen und die Menschwerdung als eine Weise ihrer Offenbarung verstehen. Ein machtbesessenes Herz bleibt ihr gegenüber blind und vermag im Machtverzicht nur Torheit und Schwäche zu sehen. Das bedeutet, allgemeiner gefasst: Der Werterkenntnis geht immer ein freier Akt der Anerkennung voraus, nämlich der Anerkennung des Wertes in seinem Anspruch und in seiner inneren Bedeutsamkeit und Werthaftigkeit, hier insbesondere der Liebe als des höchsten Wertes.
Weitverbreitet ist heute ein anderes Erkenntnisideal, nämlich das der exakten Wissenschaften. Mathematik, Logik und die Naturwissenschaften, soweit deren Methoden mathematisch geprägt sind, bieten konsensfähige Erkenntnisse, weil diese sich auf Denknotwendigkeiten stützen. Keiner diskutiert ernsthaft die Frage, ob drei mal drei in Wirklichkeit doch vielleicht nur 8,9 wäre. Je mehr sich die Ergebnisse der Wissenschaften von diesen Denknotwendigkeiten entfernen, desto größer wird der Spielraum für alternative Theorien und umso umstrittener werden sie. Eine Erkenntnis scheint umso gesicherter zu sein, je mehr uns die Freiheit zu einer alternativen Denkmöglichkeit genommen ist.
Im ethischen Bereich ist es genau umgekehrt. Keine Macht der Welt kann uns die Freiheit nehmen, die Liebe oder, allgemeiner ausgedrückt, das moralisch Gute als höchsten Wert anzuerkennen oder nicht. Die Anerkennung ist ein freier Akt. Aber erst infolge dieses freien Aktes beginnt das moralisch Gute zu leuchten und uns die Augen für seine, des Guten, Schönheit, Hoheit und Würde zu öffnen. Wir werden nicht durch eine Erkenntnis zur Anerkennung des Guten gezwungen, sondern erst die Anerkennung macht uns den Weg frei zu einer Erkenntnis, die in ihrer Tiefe vorher so nicht möglich war.
Umgewandelt nach seinem Bild
„Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt“ schreibt Blaise Pascal. Diese Aussage ist wahr, solange wir unter dem Herzen nicht etwas Irrationales verstehen, sondern jenen Teil der Vernunft, der uns in Kontakt bringt mit der Welt der sittlichen Werte. Und dieser Kontakt kann nur dann zu einem inneren Verständnis der Werte führen, wenn wir uns ihrem Anspruch konformieren, unser Herz für ihren Anruf öffnen. Auf übernatürlicher Ebene nennen wir diesen Anruf „Gnade“. In dem Maße, in dem wir uns ihr öffnen, erreichen wir das, was der hl. Thomas von Aquin die Erkenntnis durch Wesensverwandtschaft, Konnaturalität, nennt: Nur wer selbst gut ist, kann Güte wahrnehmen; nur der Demütige kann den Wert der Demut erfassen; nur wer selbst liebt, kann die Liebe Gottes verstehen. Und umgekehrt vermehrt dann wiederum die Erkenntnis dieser Liebe unsere Liebe. Es ist der selige Kreislauf einer Spirale, die uns immer tiefer in das Geheimnis Gottes hineinführt und uns selbst immer mehr umwandelt nach dem Bild dessen, was wir im Weihnachtsgeheimnis erkennen dürfen.
Durch diese Umwandlung werden wir selbst zu solchen Menschen, deren Verhalten nur durch die Liebe verstanden werden kann. Das bringt es natürlich mit sich, dass unser Verhalten von jenen, die nicht an die Liebe glauben, ebenso verkannt wird wie das Handeln Gottes in der Menschwerdung. Erkenntnis Gottes und eigenes Verkanntwerden gehen Hand in Hand. Aber der spirituelle Gewinn dieser Erkenntnis ist so überreichlich, dass uns sogar das Verkanntwerden als Gewinn erscheint, da wir dadurch Christus ähnlich werden und an seinem Schicksal teilhaben. Je mehr wir uns in die Liebe, die im Weihnachtsgeheimnis aufleuchtet, vertiefen, umso überzeugter können wir wie der hl. Paulus sagen: „Ich halte dafür, dass alles Verlust ist, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles überragt. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen und in ihm erfunden zu werden“ (Phil 3,8).
Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 12/Dez.2025+1/Jan.2026
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Brückenschlag zwischen Glauben und neuzeitlicher Philosophie
Die Vollendung der Philosophie in der Liebe
Im Oktober 2025 ist im Media Maria Verlag ein neues Buch von Pater Engelbert Recktenwald erschienen, das den vielversprechenden Titel trägt: „Am Ende wartet Gott. Versuche, die Philosophie zu Ende zu denken“.[1] Es geht um eine philosophische Apologie des christlichen Glaubens. Recktenwald versucht aufzuzeigen, dass Glaube und Vernunft auch in der heutigen Zeit miteinander versöhnt werden können. Ein konsequentes Nachdenken über die großen Fragen des Menschen käme am Gottesgedanken nicht vorbei, ja, es finde in der personalen Liebe Gottes seine Vollendung. Klaus-Hermann Rössler meint in seiner Rezension, dass sich in dem 160 Seiten umfassenden Buch Klarheit der Argumentation und seelsorgliche Erfahrung miteinander verbinden. Auch die gute Lesbarkeit mache es empfehlenswert.
Von Klaus-Hermann Rössler
Bereits der frühchristliche Schriftsteller Tertullian stellte 197 n. Chr. in seinem Werk Apologeticum die rhetorische Frage zum Verhältnis von Philosophie und Glaube: „Was also haben gemeinsam der Philosoph und der Christ, der Schüler Griechenlands und der des Himmels, ... der Freund und der Feind des Irrtums, der Verfälscher der Wahrheit und ihr Erneuerer und Dolmetscher?“[2] Der polemische, ja unversöhnliche Unterton kam in den Zeiten einer breiten Ablehnung und Verfolgung des Christentums nicht von ungefähr. Konsequenterweise führt man das berühmte Bekenntnis „Credo, quia absurdum“ auf Tertullian zurück (zu Deutsch meint der Satz: „Ich glaube, weil es das Fassungsvermögen der Vernunft übersteigt“).
Theologie in der Krise?
Vor über 50 Jahren trat erneut die Diskrepanz zwischen der Philosophie unserer Epoche und der Theologie stark ins Bewusstsein der interessierten Öffentlichkeit, die Rede von der „Krise der Theologie“ kam auf, woran sich bis heute nichts geändert hat: „Über die Tatsache der Krise ist man sich theologischer- und kirchlicherseits einig, nicht so sehr über die Erklärung dieser Tatsache. Die Erklärung der Krise als einer Identitätskrise ist bereits selbst schon Problem eines theologischen Selbstverständnisses und hängt als solche auch davon ab, wie und wieweit man deren philosophische, moralische und historische Dimension sieht.“[3]
Der Kant- und Scholastikspezialist Pater Engelbert Recktenwald sieht die Theologie, insofern sie in der Tradition der Kirche steht, keineswegs durch die Philosophien der Moderne ernsthaft in ihrem Selbstverständnis gefährdet. Im Gegenteil, der Fachphilosoph nimmt die rationale Auseinandersetzung mit heutigen Denkansätzen, Kritiken und Fragen als Herausforderung an – und er tut dies auf der Grundlage eigener profunder Kenntnisse und einer weitgespannten Aufmerksamkeit für die ganze Bandbreite neuzeitlicher Philosophie. Sein Credo lautet: „... die Wege der Theologie können nur gegangen werden kraft einer Vernunft, die die Anstrengung des Begriffs nicht scheut.“[4]
Sein aktuelles Werk „Am Ende wartet Gott. Versuch, die Philosophie zu Ende zu denken“,[5] das bereits verstreut erschienene Aufsätze anhand ihres inhaltlichen Zusammenhangs neu vereint, lässt sich wie folgt charakterisieren: „Im Sprichwort führen alle Wege nach Rom, in der Philosophie immerhin recht viele zu Gott. Man muss sie nur gehen... Erst im Licht des christlichen Glaubens fügen sich deren verstreute Einsichten zu einem Welt- und Menschenbild zusammen, das vom Intellekt besser erfasst werden kann als manche Kritiker des Glaubens überhaupt ahnen – so wie es Chesterton einmal formulierte: Die Rätsel Gottes sind befriedigender als die Lösungen der Menschen.“[6]
Philosophie, die in die Liebe Gottes einmündet
Recktenwald ist selbst von Hause aus Philosoph, multimedial produktiver Publizist mit einer breiten Themenpalette, Priester der Petrusbruderschaft in Hannover. Nach den Werken „Wirklichkeitserschließendes Sollen“ 2023 (besprochen in Kirche heute, Ausgabe April 2024 durch Dr. Michael König) und „Autonomie: Eine philosophische Klärung“ 2024 hat der Autor jetzt, 2025, „Am Ende wartet Gott“ vorgelegt: seine akribisch betriebene Philosophie mündet im Sinne der klassischen Theologie in der Liebe Gottes. Ein bezeichnendes Beispiel für seinen Brückenschlag zwischen Glauben und Moralphilosophie ist die Verbindung zwischen Pater Pio, den er zunächst zitiert, und seinen eigenen Überlegungen zu den Konsequenzen des Kant‘schen Vernunftdenkens. Pater Pio lenke „unsere Aufmerksamkeit auf einen ... philosophisch relevanten Sachverhalt: Nur wenn wir selbst ein liebevolles Herz haben, können wir die Liebe Gottes erkennen und die Menschwerdung als eine Weise ihrer Offenbarung verstehen.“[7]
Wie kommt es zu einem solchen Brückenschlag?
Der Autor geht zunächst vom Bedürfnis des Menschen nach einem Sinn im Leben aus. Der Sinn des Lebens kann aber – im Gegensatz zu dem, was einige moderne Philosophen meinen – nicht erfunden, sondern er muss entdeckt werden,[8] sonst ist er keiner. „Der Sinn der Welt muss außerhalb ihrer liegen“, meint der Sprachphilosoph Wittgenstein.[9]
Recktenwald erläutert weiter: „Die Freiheit des Menschen besteht in der Fähigkeit zur Entscheidung und zur Auswahl ... und alles kommt darauf an, jene Zwecke, für die es sich zu leben lohnt, von jenen zu unterscheiden, für die zu leben nur eine Verschwendung kostbarer Lebenszeit bedeutet.“[10]
Nicht wir sind also das Maß aller Dinge, sondern etwas anderes ist das Maß für uns.[11] „Wenn Selbstbehauptung oder Selbsterhaltung das letzte Ziel ist, wird alles sinnlos.“[12] Der Sinn des Lebens und das moralische Sollen können nicht erfunden werden.[13] „Immanuel Kant erkannte diesen Sinn in der Unbedingtheit des Sittengesetzes, das es mir ermöglicht, durch die Verwirklichung von Moralität meiner Existenz einen absoluten Wert zu geben.“[14] „Das unterscheidend Menschliche, nämlich Würde, kommt uns zu durch die moralische Vernunft. Der hl. Thomas spricht vom Sittengesetz als vom dictamen rationis, dem Spruch der Vernunft, die er offensichtlich in gewisser Übereinstimmung mit Kant – bei aller tiefgreifenden Differenz – als ‚gesetzgeberische Anlage des Menschen‘ denkt. Wenn der Mensch sich dem Sittengesetz unterwirft, lässt er nicht etwas Fremdes über sich herrschen, sondern seine eigene Vernunft, und insofern wird er autonom. In dieser Autonomie besteht die Würde des Menschen.“[15]
Das Unbedingte ist nicht nur ein Wert, sondern eine Person
Die Hingabe an das unbedingt geltende Sittengesetz gewährleistet also die menschliche Autonomie. Allerdings geht unser Autor in einer entscheidenden Wendung über Kant hinaus, folgt aber dabei dessen Logik der personalen Autonomie: „... erst wenn das Unbedingte nicht nur ein Wert, sondern eine Person ist, erhält jene Hingabe ihren letzten Sinn, ja überhaupt erst ihre vollgültige Rechtfertigung. Denn Hingabe als personaler Akt darf letztlich nur einer Person gelten, nicht bloß einem Wert oder einem Gesetz. Max Scheler und Viktor Frankl nennen Gott deshalb die ‚absolute Wertperson‘. Damit drücken sie jene Einheit von Sinn und Sein aus, die nach Spaemann den Gottesbegriff kennzeichnet.“[16]
Moralfähigkeit läuft auf Gottesfähigkeit hinaus.[17] „Den Glauben an das Gute kann ich gegen alle Infragestellungen seiner Erhabenheit nur durchhalten, wenn er zum Glauben an den Guten wird. So kommen wir zu einem Gottesbegriff, der Sein und Sollen in einer ursprünglichen Einheit zusammenfasst.“[18] Nach Kant ist der Mensch „Subjekt einer moralisch-praktischen Vernunft. Dadurch ist er imstande, den höchstmöglichen Wert zu verwirklichen, jenen Wert des schlechthin Guten, der allein dem guten Willen eigen ist... Der Christ ist durch die Offenbarung imstande, diesen Sachverhalt noch tiefer zu erfassen. Die sittliche Güte ist die Heiligkeit, wodurch der Mensch Anteil gewinnt an der Heiligkeit Gottes.“[19] „Die Liebe, nicht das Glück, ist das Motiv unseres moralischen Handelns. Dass die Moral uns nicht vom Glück trennt, ist bloß eine Voraussetzung, ihr zu folgen, nicht aber das Motiv. Das Motiv ist die Liebe zu Gott und zum Nächsten. Wir lieben Gott nicht bloß um unseres Vorteils willen, sondern weil er in sich selbst liebenswürdig ist.
„‘Seid heilig, wie auch ich heilig bin!‘, heißt es deshalb sowohl im Alten wie im Neuen Testament (Lev 11,45; 1 Petr 1,16). Den Nächsten lieben wir, weil er als Gottes Ebenbild erschaffen ist und deshalb eine Würde besitzt, die um ihrer selbst willen zu achten ist. Wir sollten nach Heiligkeit streben aus Liebe... Das Geheimnis des Glücks besteht also darin, das Streben nach Glück zugunsten einer wertvolleren Tätigkeit aufzugeben. Ich werde erst glücklich, wenn es mir wichtiger ist, ein guter Mensch zu sein als ein glücklicher.“[20] „Gott kann das Glück seiner Liebe nur dem schenken, der sich dieser Liebe durch eigene Liebe öffnet.“[21]
Kontinuität im Denken als Leitstern
Die Aufsätze des Werkes können für sich oder im Zusammenhang gelesen werden; sie behandeln eingehend „Fragen der Ethik, des Sinns, des Glücks und ihres Zusammenhangs mit Gott.“[22] Es handelt sich um philosophisch-katechetische und auch kontrovers-theologische Essays, in einem einfachen und verständlichen Stil geschrieben, bildungsgesättigt, aber interessant vermittelt, auch zur Erstorientierung und zum Einstieg in die Themen geeignet. Dabei versteht es der Autor zu differenzieren, ohne dabei die Klarheit seiner Gedanken zu verlieren und Positionen zurückzuweisen, ohne in Polemik zu verfallen – eine wohltuende Lektüre. Je ein Kapitel (Kap. 7 und Kap. 17) widmet er den Autoren Tolkien und Lewis, in einem eigenen Kapitel meditiert er ein Zitat des nunmehrigen Kirchenlehrers Kardinal Newman – lesenswert!
Man merkt: Recktenwald tut das, was er tut, mit Volleinsatz seiner Person, als Seelsorger, Theologe, aber auch als Philosoph beachtlichen Tiefgangs. Kontinuität, die auf Jesus Christus zurückgeht, ist dabei sein Leitstern. Christus, der sich den Weg, die Wahrheit und das Leben nannte, erleuchtet ihm auch die Einheit von Glauben und Denken.
Wenig erstaunlich vor diesem Hintergrund nimmt er eine klassische Haltung zur kirchlichen Tradition ein: die Erkenntnis der Kontinuität von biblischen Zeiten bis heute, kirchliche Einheit als deren erkennbare Frucht. 1960 im Saarland geboren, trat er 1979 zunächst in die Priesterbruderschaft St. Pius X ein. 1985 empfing er durch Erzbischof Lefebvre die Priesterweihe. „Meine Entscheidung zum Eintritt in Zaitzkofen beruhte auf der Überzeugung, dass die Differenzen mit Rom vorübergehender Natur seien. Die Sanktionen gegen den Erzbischof hielt ich für schreiendes Unrecht. Ich hoffte, dass ihm, der damals nicht müde wurde, den Kontakt mit Rom zu suchen, eines Tages Gerechtigkeit widerfahren würde.“[23] Er habe nicht absehen können, dass „sich die Piusbruderschaft einmal weigern würde“, diese Gerechtigkeit, die Rom ihr nach langer Zeit widerfahren lassen wollte, entgegenzunehmen „und sich vom Opfer zum Täter wandeln würde.“[24] Einen Groll gegen seine damaligen Vorgesetzten hegte und hegt er nicht. Nach den von Rom verbotenen Bischofsweihen verließ er im Juli 1988 die Piusbruderschaft und wurde zum Mitgründer der Priesterbruderschaft St. Petrus, die bereits im selben Jahr 1988 von dem hl. Papst Johannes Paul II. als „Klerikale Gemeinschaft apostolischen Lebens päpstlichen Rechts“ anerkannt wurde. Anschließend absolvierte er ein Philosophie-Magister-Studium bei dem Philosophen Robert Spaemann in München. Neun Jahre lehrte er am Priesterseminar der Petrusbruderschaft in Wigratzbad. Zeitweise war er auch Pressesprecher der Bruderschaft und Distriktsoberer in Deutschland. Später war er als Seelsorger Leiter ihres Hauses in Köln und wirkt heute als Priester in Hannover.
Die Verbindung von philosophischem Bemühen um Exaktheit und Klarheit und die seelsorgerischen Erfahrungen des Autors verstärken die Argumentation und gute Lesbarkeit des Buches, das allen wärmstens zu empfehlen ist, die eine Brücke zwischen Glauben und neuzeitlicher Philosophie suchen.
Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 12/Dez.2025+1/Jan.2026
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www.kirche-heute.de
[1] Engelbert Recktenwald: Am Ende wartet Gott. Versuche, die Philosophie zu Ende zu denken, Illertissen 2025, 160 S., ISBN 978-3-947931-61-3 – www.media-maria.de
[2] Zit. nach Theo Kobusch: Christliche Philosophie: Das Christentum als Vollendung der antiken Philosophie, in: Metaphysik und Religion. Zur Signatur des spätantiken Denkens / Akten des Internationalen Kongresses vom 13.-17. März 2001 in Würzburg, Hrsg. Theo Kobusch und Michael Erler, Berlin 2002, 239.
[3] Vgl. Eberhard Simons: Das Dilemma der Theologie. Zur wissenschaftstheoretischen und wissenschaftspraktischen Situation heutiger Theologie, Philosophisches Jahrbuch 1972, Zitat 336.
[4] Engelbert Recktenwald: Wirklichkeitserschließendes Sollen, Baden-Baden 2023, 5.
[5] Engelbert Recktenwald: Am Ende wartet Gott. Versuche, die Philosophie zu Ende zu denken, Illertissen 2025.
[6] www.media-maria.de
[7] Am Ende wartet Gott, 77//8.
[8] Ebd. 12.
[9] Zitat ebd. 25.
[10] Ebd. 12/13.
[11] Ebd. 13.
[12] Ebd. 20.
[13] Ebd. 27.
[14] Ebd. 21.
[15] Ebd. 40.
[16] Ebd. 20.
[17] Ebd. 36.
[18] Ebd. 35.
[19] Ebd. 36.
[20] Ebd. 51.
[21] Ebd. 56.
[22] Ebd. 9.
[23] Engelbert Recktenwald: Mein Weg mit der Piusbruderschaft und mit der Kirche, in: www.kath-info.de/piusbruderschaft.html
[24] Ebd.
Wie Dichter nach Sinn und Geheimnis suchten, abseits von Dogmen
Aus der Weihnachtsbotschaft wächst Hoffnung
„Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt“, so beten wir im Angelus. Und schon die frühe Kirche bekannte sich zur immerwährenden Jungfräulichkeit der Gottesmutter Maria. Sie entwickelte eine klare Vorstellung von der Geburt in Bethlehem. Jesus Christus kam zur Welt, wie er am Auferstehungstag durch die verschlossenen Türen eintrat. Studiendirektor Jakob Knab lädt uns zu einem Dialog mit Schriftstellern ein, die der Kirche fernstanden, sich aber auf ihre je eigene Weise Maria und dem Weihnachtsgeheimnis anzunähern versuchten. Der spanische Lyriker und Dramatiker Federico García Lorcas (1898-1936) wurde katholisch erzogen, stand der Kirche aber kritisch gegenüber, obwohl er den christlichen Glauben nicht grundsätzlich ablehnte. Bertolt Brecht (1898-1956) wurde zwar evangelisch getauft, war jedoch überzeugter Atheist. Die Kirche als Institution stand im Widerspruch zu seinen Überzeugungen. Rainer Maria Rilke (1875-1926) war katholisch getauft und hatte eine sehr fromme Mutter. Dieses Milieu empfand er als einengend und entwickelte eine ambivalente Haltung zur Kirche.
Von Jakob Knab
Federico García Lorcas – „surrealistischer“ Zugang zu Maria
Im Jahr 1928, als das intellektuelle Europa vom Surrealismus geprägt war, erschien in Spanien ein schmaler Gedichtband, Federico García Lorcas „Romancero gitano“ (dt. Zigeunerromanzen). Der Band wurde zu einem Kultbuch; denn der Dichter spielt auf dem Gefühlsklavier in einer Weise, die noch heute atemberaubend erscheint. Dies tut er auch in seinem Gedicht „Sankt Gabriel“. Hier sein „surrealistischer“ Zugang zu Maria:
Die Gitarren spielen von selber
für Sankt Gabriel, den Engel,
Gabriel, da weint ein Kind!
Hörst du es im Mutterleib?
Der Erzengel Gabriel
eine Lilie und ein Lächeln
Und die Sterne dieser Nacht
waren plötzlich kleine Glocken
Gott mir Dir
Maria Verkündigung
Du wundersame Brünette
mit Deinen schwarzen Augen
Du wirst einen Sohn bekommen
Schöner als die Saat des Windes
Auf dem Kind wirst Du drei Wunden finden
und ein Muttermal
Seiner überraschten Mutter
Singt das Kind im Schoß ein Lied
Schon entschwand auf einer Leiter
in die Luft Sankt Gabriel
Und die Sterne dieser Nacht
waren plötzlich unsterbliche Blumen
Bertolt Brecht – Suche nach der „Realität“
An Weihnachten 1925 erschien im Berliner Börsen-Kurier das Gedicht „Maria“. Autor war der aus Augsburg gebürtige Bertolt Brecht; ein Jahr zuvor war der Bürgerschreck Brecht von München nach Berlin übersiedelt. Hier ist sein „realistischer“ Zugang zu Maria:
Die Nacht ihrer ersten Geburt war kalt gewesen.
In späteren Jahren aber vergaß sie gänzlich
den Frost in den Kummerbalken und rauchenden Ofen
und das Würgen der Nachgeburt gegen Morgen zu.
Der Wind, der sehr kalt war, wurde zum Engelsgesang.
Und von dem Loch im Dach, das den Frost einließ,
blieb nur der Stern, der hineinsah.
Brecht hat sich auf die Suche gemacht nach der „Realität“ der konkreten Maria hinter den vielen Marien-Erzählungen. Der Widerspruch zwischen der geschilderten Härte der Verhältnisse und der späteren Erinnerung daran ist offenkundig. Brechts Gedicht zeugt von großer Sympathie für die Frau, die unter bedrückenden Umständen ein Kind zur Welt bringt. Keine Madonna ist hier präsent, keine Himmelskönigin, sondern eine gebärende Frau.
Der ganze Duktus des Textes bezeugt den Respekt des Dichters für eine Geburt in Frost und Kälte. Diese Achtung und die Hoffnung, die daraus erwächst, weisen auf die biblische Botschaft hin.
Kierkegaard – Sartre – Horkheimer
Das Weihnachtsevangelium des Lukas eilt in kurzen Sätzen von „Kaiser Augustus“ zu „Gott in der Höhe“. Der Evangelist Lukas zeichnet keine Idylle, welche aus der Erinnerung erwächst, sondern er entwirft eine Geschichtstheologie: Die römische Besatzungsherrschaft unter Kaiser Augustus wird herausgefordert. Der Wendepunkt der Geschichte ist die Geburt eines Kindes in Bethlehem, am Rande des römischen Reiches. Auch Kaiser Augustus wird – dies ist eine Konsequenz des Monotheismus – wie jeder Machthaber der Vergottung verdächtigt. Der Evangelist Lukas wendet sich gegen diese Vergöttlichung. Deshalb das biblische Bekenntnis zu dem einen und einzigen Gott: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden!“
Wir Nachgeborenen wissen, wie das menschliche Leben dieses Kindes von Bethlehem enden wird: es wird in die konfliktbeladene Dynamik von Macht und Gewalt hingeraten und daran leiden. Das Gottvertrauen dieses Jesus von Nazareth hatte ihn davor bewahrt, in die Logik von Egoismus und Gewalt einzustimmen. Seine Sendung, im Namen Gottes zu handeln, führte letztlich zu seinem gewaltsamen Tod am Kreuz.
Das Evangelium gibt eine radikale Antwort auf die Frage: Was ist der Mensch? Die Antwort reicht an die Wurzeln unseres Daseins. Die menschliche Existenz ist nicht nur eine „Krankheit zum Tode“ (Kierkegaard); der Mensch in seinem Scheitern und Gelingen ist nicht nur eine „nutzlose Leidenschaft“ (Sartre); er darf auf mehr hoffen. Zu unserem Menschsein gehört auch die „Sehnsucht nach dem ganz Anderen“ (Horkheimer). Solange wir leben, sehnen wir uns. Diese Sehnsucht hält uns lebendig. Diese Hoffnung weitet unser Herz.
Rainer Maria Rilke – das Rettende und Unsagbare
In seinem Gedicht „Mariae Verkündigung“ eröffnet Rainer Maria Rilke einen großartigen Zugang zum Geheimnis von Weihnachten; denn die genannten Linien, Fäden und Stränge werden aufs Neue aufgenommen und verwoben. Sein Leben lang war Rainer Maria Rilke – zwischen den großen Religionen und Kulturen – auf der Suche nach Sinn und nach der Wahrheit, nach Überlebenswahrheiten für sich und die Menschheit. Auf seiner persönlichen Suche nach „Gott“ wollte er das Rettende und Unsagbare in seine Dichtungen übersetzen.
Im Mai 1913 erschien sein „Marien-Leben“, eine Sammlung von dreizehn Gedichten. Im Gedicht „Mariae Verkündigung“ feiert er das Geheimnis der Menschwerdung Gottes. In der Begegnung Marias mit dem „Engel“ verdichtet und erfüllt sich, „was Millionen schauten, trieben, trugen, hineingedrängt in sie“:
Nicht daß ein Engel eintrat, erschreckte sie.
Nicht, daß er eintrat, aber daß er dicht,
der Engel, eines Jünglings Angesicht,
so zu ihr neigte; daß sein Blick und der,
mit dem sie aufsah, so zusammenschlugen
als wäre draußen plötzlich alles leer
und, was Millionen schauten, trieben, trugen,
hineingedrängt in sie: nur sie und er;
Schaun und Geschautes, Aug und Augenweide,
sonst nirgends als an dieser Stelle: sieh,
dieses erschreckt. Und sie erschraken beide.
Dann sang der Engel seine Melodie...
Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 12/Dez.2025+1/Jan.2026
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Werden Heilige und Kirchenlehrer von Rom getadelt?
Zum marianischen Titel „Miterlöserin“
Seit 1993 ist Dr. Manfred Hauke Professor für Dogmatik an der Theologischen Fakultät Lugano. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Forschung liegt auf der Mariologie. Bereits 1992 wurde er Mitglied der Pontificia Academia Mariana Internationalis (PAMI) und 2005 Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Mariologie. In einem Interview, das Luisella Scrosati von La Nuova Bussola Quotidiana mit Hauke führte, ging er auf das neue Dokument Mater populi fidelis (Mutter des gläubigen Volkes Gottes) des Dikasteriums für die Glaubenslehre ein. Offiziell heißt das Schreiben vom 4. November 2025 „Lehrmäßige Note zu einigen marianischen Titeln, die sich auf das Mitwirken Marias am Heilswerk beziehen“. Für Professor Hauke lässt der Titel „Miterlöserin“ keinen Zweifel an der einzigartigen Heilsvermittlung Christi aufkommen, wenn er im Rahmen des katholischen Glaubens benutzt wird. Wäre dies der Fall, müsste man beispielsweise die Schriften von Newman und Johannes Paul II. verbessern, so Hauke.
Interview von Luisella Scrosati mit Manfred Hauke
Die Hauptsorge der Note scheint darin zu bestehen, dass einige marianische Titel wie „Miterlöserin“ und „Mittlerin aller Gnaden“ die Einzigartigkeit der Heilsvermittlung Christi verdunkeln könnten. Besteht Ihrer Meinung nach tatsächlich diese Gefahr?
Meiner Ansicht nach besteht in einem gesunden katechetischen und theologischen Kontext diese Gefahr nicht. Wer könnte beispielsweise dem hl. Papst Johannes Paul II., der die beiden genannten Titel mehrfach verwendet hat, Unausgewogenheit vorwerfen? Die Note selbst erinnert daran, dass er den Titel „Miterlöserin“ „mindestens sieben Mal“ verwendet hat (Nr. 18).
Sollte man Kardinal John Henry Newman, der am 1. November von Papst Leo XIV. zum Kirchenlehrer ernannt wurde, vielleicht den Titel „Kirchenlehrer“ wieder aberkennen, weil er als englischer Konvertit den Titel „Miterlöserin“ gegen den Anglikaner Edward Pusey verteidigt hat? Oder sollte man gegen die Schriften des heiligen Alfons von Liguori, ebenfalls Kirchenlehrer, intervenieren? Oder müsste man gegen zahlreiche Heilige vorgehen, darunter die heilige Edith Stein und die heilige Teresa von Kalkutta? Nach Newman sind die marianischen Titel „zweite Eva“, „Mutter des Lebens“ und „Mutter Gottes“ viel stärker als der kritisierte Titel „Miterlöserin“ (Brief an Pusey). Oder muss man vielleicht Papst Leo XIII. tadeln, der vom amtierenden Papst durch die Wahl dieses Papstnamens gewürdigt worden ist, weil er einem Gebet mit dem marianischen Titel „Miterlöserin der Welt“ (auf Italienisch „Corredentrice del Mondo“) einen Ablass gewährt hat (Acta Sanctæ Sedis 18, 93)?
Eher kommt es dagegen zu Missverständnissen in der protestantischen Welt, welche die Mitwirkung des Menschen an der Erlösung grundsätzlich ablehnt, und zwar nach dem Prinzip „sola gratia“ – „allein durch Gnade“. Aus diesem Grund hat die Theologische Kommission des Zweiten Vatikanischen Konzils „einige Ausdrücke und Begriffe weggelassen, die von den Päpsten verwendet wurden und die, obwohl sie an sich sehr wahr sind, für die getrennten Brüder (in diesem Fall die Protestanten) nur schwer verständlich sein könnten. Unter anderem ... „Miterlöserin der Menschheit“ – „Corredentrice del genere umano“ (Acta synodalia, I, 99). – Doch ist es richtig, einen an sich „sehr wahren“ Ausdruck aus ökumenischen Gründen zu opfern?
Jedenfalls haben die Protestanten nicht nur ein Problem mit diesem Wort, sondern auch mit der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils über die einzigartige Mitwirkung Mariens an der Erlösung. Eine falsche Ökumene kann der katholischen Lehre schaden, die in ihrem ganzen Reichtum verkündet werden muss. Wenn die Kirche alle von den Protestanten ungeliebten Ausdrücke zu entfernen hätte, müsste sie auch den in der Note (Nr. 9, 11, 15) erwähnten Titel „Mutter Gottes“ (Theotokos) streichen. Auch hier könnte man mögliche Missverständnisse eines solchen Titels bei denen geltend machen, die nicht gut katechisiert sind.
Mittlerweile titeln fast alle Medien, einschließlich der katholischen, Maria sei nicht „Miterlöserin“. Man ist ziemlich erstaunt zu lesen, dass ein Titel wie der der „Miterlöserin“, der tatsächlich in den Wortschatz der Theologie und auch in die Lehre der Päpste eingegangen ist, in der Note plötzlich als „unangemessen“ (inappropriato) und „unpassend“ (sconveniente) bezeichnet wird.
Der Titel „Miterlöserin“ ist der kürzeste Ausdruck, um die einzigartige Mitwirkung Marias an der Erlösung auszudrücken. Das Missverständnis, Maria würde auf die gleiche Stufe wie Jesus gestellt, wird durch die Präzisierung vermieden, dass die Mitwirkung Marias vollkommen von Christus abhängt und ihm untergeordnet ist. Es wäre ziemlich schwierig, einen kurzen Titel zu verbieten, der eine zentrale Wahrheit ausdrückt, die vom Zweiten Vatikanischen Konzil mit großer Klarheit gelehrt worden ist.
Beachten wir jedoch die Präzisierung von Kardinal Fernández in seiner einleitenden Präsentation: „Es geht nicht darum, die Frömmigkeit des gläubigen Volkes Gottes zu korrigieren...“ Unter den Gläubigen sind die Ausdrücke „Miterlöserin der Menschheit“ (zum Beispiel in „Die Aufrufe der Botschaft von Fatima“ der Dienerin Gottes, Schwester Lucia) und noch mehr „Mittlerin aller Gnaden“ weit verbreitet; letztere Anrufung greift den Titel des liturgischen Festes auf, das Papst Benedikt XV. 1921 eingeführt hat. Er wurde auch von Papst Benedikt XVI. (Brief vom 10. Januar 2013 an Erzbischof Sigismund Zimowski) und Papst Franziskus verwendet: „Einer der alten Titel, mit denen die Christen die Jungfrau Maria angerufen haben, ist eben ‚Mittlerin aller Gnaden‘. Vertraut Ihr eure Wünsche und guten Vorsätze an, die ihr in eurem Innersten hegt! Möge Sie euch mit der Freude anstecken, Christus nachzufolgen und ihm auf demütige und gehorsame Weise in der Kirche zu dienen...“ (Botschaft an Erzbischof Gian Franco Saba von Sassari, Sardinien, vom 13. Mai 2023).
Wollte die Note Ihrer Meinung nach nur den Titel der Miterlöserin ablehnen oder auch wichtige Aspekte der einzigartigen Mitwirkung Mariens am Erlösungswerk?
Trotz der kritischen Bemerkungen zu den beiden Titeln gibt die Nota die Lehre des Konzils und des päpstlichen Lehramtes wieder (Nr. 4-15), insbesondere in Bezug auf die „einzigartige Mitwirkung Mariens am Heilsplan“ (Nr. 3; siehe auch Nr. 36f. und 42). Das Dokument zitiert auch den klarsten Text zu diesem Punkt, die marianische Katechese von Johannes Paul II. vom 9. April 1997, die zwischen der Teilnahme Mariens an der objektiven Erlösung durch Christus auf Erden und unserer Mitwirkung am Heilsprozess unterscheidet (Nr. 3, 37b).
Der heilige Pius X. lehrte (Enzyklika „Ad diem illum“), dass die Allerseligste Jungfrau aufgrund ihrer einzigartigen Heiligkeit und ihrer Verbindung mit dem Erlösungswerk „uns durch Verdienst der Angemessenheit (de congruo), wie man sagt, das verschafft, was Christus uns durch Verdienst der Gerechtigkeit (de condigno) gebracht hat“. In der Note scheint es diesbezüglich eine Zurückhaltung, wenn nicht sogar eine Umkehrung zu geben, wenn festgestellt wird, dass „allein die Verdienste Jesu Christi [...] in unserer Rechtfertigung angewendet werden“ (Nr. 47). Was ist Ihre Meinung dazu?
Die wichtige Unterscheidung von Pius X. wird nicht zitiert, aber es scheint, dass ein – leider fast verborgener – Hinweis auf die Unterscheidung zwischen dem Verdienst Christi (meritum de condigno) und dem Verdienst Mariens (meritum de congruo) gemacht wird (Nr. 47f.). Um von einem universalen Ausmaß der mütterlichen Vermittlung Marias in Christus zu sprechen, ist ein Rückgriff auf diese Art von Verdienst unerlässlich.
In den abschließenden Paragraphen der Note wird ein viel diskutiertes Thema erneut aufgegriffen, nämlich dass Maria, nach den Worten von Papst Franziskus, „mehr Jüngerin als Mutter“ sei (Nr. 73). Was ist an diesem Ausdruck wahr und wo liegen die Fallstricke?
Nach dem heiligen Augustinus hat Maria das Wort Gottes zuerst in ihrem Herzen und dann in ihrem Schoß empfangen (Predigt 215, 4). Andererseits ist es nicht möglich, in Maria das Sein als „Jüngerin“ und das Sein als „Mutter Gottes“ sowie als „Mutter des gläubigen Volkes“ voneinander zu trennen. Die spezifische Würde Marias ergibt sich gerade aus ihrer Sendung, die Mutter Gottes zu sein, welche die menschliche Natur des Erlösers hervorgebracht hat. Hier liegt auch die Grundlage für ihre gesamte Mitwirkung am Heilswerk (cooperazione salvifica).
Für „Kirche heute“ fügt Prof. Dr. Manfred Hauke nachfolgende Ergänzung über die Marienverehrung des hl. Karl Borromäus an:
Die Note des Dikasteriums für die Glaubenslehre ist datiert auf den Gedenktag des hl. Karl Borromäus am 4. November. Dieser berühmte Heilige ist auch der Namenspatron von Karol Wojtyla, des hl. Johannes Pauls II. Bei einer Ansprache vor dem Angelus am 4. November 1984 bei seinem Besuch in Arona, dem Geburtsort des Heiligen am Lago Maggiore, hob er ausführlich die Marienverehrung des hl. Karl hervor. Dabei sagte er unter anderem: „An Unsere Liebe Frau – die Miterlöserin (la Corredentrice) – wendet er sich mit besonders kennzeichnenden Schwerpunkten...“.
Der hl. Karl hat zwar den Begriff der Miterlöserin nicht verwandt, aber inhaltlich entsprechende Aussagen gemacht. Der Heilige nennt Maria die „Reparateurin des Menschengeschlechtes“ (humanae gratiae reparatrix) sowie des menschlichen Elends. Er vergleicht sie mit der Arche Noahs, die inmitten der Sintflut Rettung gewährte. Sie ist wie die Bundeslade, die der König David im Triumph nach Jerusalem brachte. Sie ist wie die Himmelsleiter, weil durch sie Gott selbst auf die Erde herabgestiegen ist, damit durch sie die Menschen zum Himmel hinaufsteigen können. Am Kreuz hat Jesus uns im Lieblingsjünger seiner Mutter anvertraut. Anstelle Evas hat Maria dem himmlischen Vater für Eva, die Mutter des Menschengeschlechtes, Genugtuung geleistet. Die unter dem Kreuz geweint hat, wurde Königin der Märtyrer (Stellenbelege in M. Hauke: San Carlo e la venerazione alla Vergine Maria, Lugano-Siena 2021, 59f.).
Heiliger Karl Borromäus, bitte für uns!
Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 12/Dez.2025+1/Jan.2026
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Segnung der Statue der „Jungfrau der Offenbarung“ auf dem Petersplatz
Historische Begegnung mit Papst Leo XIV.
Am 5. Oktober 2025 hat Papst Leo XIV. auf dem Petersplatz die Statue der „Jungfrau der Offenbarung“ (Vergine della Rivelazione) gesegnet. Die Begegnung fand nach der Sonntagsmesse statt und bildete den Auftakt zu einer offiziellen Diözesan-Wallfahrt vom Vatikan zum Marienheiligtum der „Jungfrau der Offenbarung“ bei Tre Fontane. Schwester Micaela Siciliani, die der Ordensgemeinschaft der „Missionarinnen der Göttlichen Offenbarung“ angehört, berichtet von der Begegnung mit dem Papst und beleuchtet den geschichtlichen Hintergrund dieser zehn Kilometer langen Fußwallfahrt.
Von Sr. Micaela Siciliani
Geschichtlicher Hintergrund
Am 12. April 1947 soll in einer Grotte bei Tre Fontane die Jungfrau Maria dem antiklerikalen Bruno Cornacchiola und seinen drei Kindern erschienen sein. Nach der Beschreibung des Sehers wurde eine Marienstatue angefertigt, die Papst Pius XII. bereits ein halbes Jahr nach der Erscheinung auf dem Petersplatz segnete.
Zeitzeugen, darunter der Jesuitenpater Virginio Rotondi (1912-1990), der 1950 die geistliche Gemeinschaft Movimento Oasi und 1958 das Säkularinstitut Ancilla Domini gegründet hatte, berichteten, dass die Statue der „Jungfrau der Offenbarung“ am Sonntag, den 5. Oktober 1947, noch verhüllt auf dem Petersplatz rechts vom Obelisken stand und bei der Ankunft von Papst Pius XII. unter dem begeisterten Beifall der versammelten Gläubigen enthüllt wurde. Alle warteten gespannt, was geschehen würde. Papst Pius XII. war offensichtlich informiert und auf das Ereignis eingestellt. Er nahm eine Segnung der Statue vor und gab die Erlaubnis, sie zum Erscheinungsort zu bringen. Dies geschah in einer von sechs weißen Pferden gezogenen Sänfte.
Um 15:15 Uhr, so wird berichtet, setzte sich die Prozession mit einer großen Menschenmenge vom Petersplatz aus in Bewegung und zog betend über den Corso Vittorio, die Piazza Venezia und die Via dei Fori Imperiali zur Basilika Sankt Paul vor den Mauern, wo sich eine weitere Pilgerschar anschloss. Von hier aus setzte die Prozession ihren Weg fort und erreichte schließlich die Hänge des Eukalyptushügels bei Tre Fontane. Dort wurde die Statue in der Grotte, in der sich die Gottesmutter gezeigt hatte, aufgestellt.
Erste offizielle Wallfahrt
Zum ersten Mal organisierte nun die Diözese Rom am 5. Oktober 2025 eine offizielle Wallfahrt zum Marienheiligtum der „Jungfrau der Offenbarung“. Die Fußwallfahrt fand in Erinnerung an diese erste Prozession mit der Statue am 5. Oktober 1947 statt, wiederum an einem Sonntag. Nach der Heiligen Messe machte Papst Leo XIV. in seinem Papamobil vor der Pilgergruppe mit der Statue der „Jungfrau der Offenbarung“ halt und segnete sie. Die Pilger wiederum sprachen die Einladung aus: „Heiliger Vater, wir erwarten Sie im Heiligtum der Jungfrau der Offenbarung!“ Anschließend machten sich etwa 450 Gläubige zu Fuß auf den Weg und begleiteten die Statue nach Tre Fontane.
In diesem Heiligen Jahr 2025 war der 5. Oktober auch das „Jubiläum der Missionare“ und zugleich der Festtag der hl. Faustyna Kowalska (1905-1938), der bekannten polnischen Ordensschwester und Mystikerin, durch die Gott die „Botschaft der Göttlichen Barmherzigkeit“ in die Welt bringen wollte.
Aus der Erscheinung von 1947 ging die Familie der Missionarinnen und Oblaten der Göttlichen Offenbarung hervor. Bei den Oblaten handelt es sich um Laien, welche die Spiritualität der Ordensgemeinschaft der Missionarinnen teilen und mit ihr verbunden sind. Oberin der Gemeinschaft ist die 68-jährige Schwester Rebecca Nazzaro, die seit einem Jahr auch das Römische Pilgerwerk leitet.
Die Begegnung mit Papst Leo XIV. kommentierte Mutter Rebecca mit den Worten: „Als die Madonna am 12. April 1947 bei Tre Fontane erschien, hatte sie bereits ihre Füße auf die Hauptstadt der Christenheit gesetzt und sie mit ihrer mütterlichen Gegenwart gesegnet. Wenige Monate später, am 5. Oktober desselben Jahres, wurde die zu Ehren der Jungfrau der Offenbarung angefertigte Statue zum ersten Mal von einem Strom römischer Gläubiger in einer Prozession begleitet.“ Und sie fuhr fort: „Im Lauf der Jahre haben wir die Erinnerung an die Marienerscheinung und an jene erste Prozession zu Ehren der Madonna mit großer Liebe bewahrt. In diesem Jubiläumsjahr erneuerten wir sie mit noch größerer Freude und mit der Gewissheit, dass Maria mit uns geht. Wir sind tief bewegt, dass Papst Leo XIV. wenige Monate nach seiner Wahl unsere Ordensfamilie, die mit zahlreichen Freunden auf dem Petersplatz versammelt war, treffen und grüßen konnte.“
Der offizielle diözesane Charakter der diesjährigen Wallfahrt sei ein Zeichen dafür, dass die „Madonna mit dem grünen Mantel“ im Herz der Kirche von Rom angekommen sei, so Mutter Rebecca. Und das Treffen mit Leo XIV. mit seiner überraschenden Geste sei historisch. Die Jungfrau Maria habe sich selbst ihren Weg gebahnt, um die tiefe Verbindung zwischen ihr und dem Nachfolger Petri zu unterstreichen. Sie wolle ihre Liebe zum Heiligen Vater bekräftigen und die Gläubigen wie schon 1947 dazu aufrufen, die Kirche zu lieben, ihr zu dienen und sie lieben zu lehren.
75. Jahrestag des Mariendogmas
Der 1. November 2025 ist der 75. Jahrestag der Verkündigung des Dogmas von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel. Die zentrale Botschaft Mariens an Bruno Cornacchiola lautete: „Mein Leib konnte nicht verwesen und ist nicht verwest.“ Die gesamte Botschaft, die der Seher dem Papst übermittelte, hätte mit dazu beigetragen, dass alle bestehenden Hindernisse aus dem Weg geräumt und die Verkündigung des Domas vorgenommen werden konnte.
Bei der Wallfahrt am 5. Oktober dieses Jahres wurde der Weg der Herzensbekehrung in den Vordergrund gestellt. Die Gläubigen sollten der Aufforderung Mariens an Bruno Cornacchiola folgen, „in den heiligen Schafstall zurückzukehren“. Was in unseren Herzen noch nicht dem Willen Gottes entspreche, müsse nach dem Vorbild Mariens neu auf Christus und seine Kirche ausgerichtet werden.
Die zehn Kilometer lange Fußwallfahrt endete mit einer heiligen Messe im Heiligtum bei der Grotte von Tre Fontane, die vom Rektor des Heiligtums, Monsignore Tarantelli Baccari, gefeiert wurde. Hand in Hand mit der Jungfrau zu gehen, um eines Tages das schöne und strahlende Antlitz Christi zu betrachten, so fasste ein Gesang den Sinn der Wallfahrt zusammen. Einige junge Leute waren aus Bethlehem und aus Paris angereist, um an diesem Ereignis teilzunehmen. Nachdem sie abwechselnd die Statue getragen und zum Abschluss die heilige Messe mitgefeiert hatten, bekundeten sie ihren Wunsch, diesen Ort den Menschen in ihrer Umgebung bekannt zu machen. Mit der „Jungfrau der Offenbarung“ seien sie im Gebet um den Frieden im Nahen Osten und auf der ganzen Welt verbunden. Voller Hoffnung würden sie dem Jubiläum der Erlösung im Jahr 2033 entgegengehen.
Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 12/Dez.2025+1/Jan.2026
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Zur Heiligsprechung von José Gregorio Hernández und Carmen Rendiles Martínez
Venezuelas erste Heilige
Der 19. Oktober 2025 war für Venezuela ein großer Tag, der landesweit mit besonderem Nationalstolz gefeiert wurde. Zum ersten Mal in der Geschichte des südamerikanischen Landes wurden zwei Venezolaner heiliggesprochen. Einmal handelt es sich um José Gregorio Hernández (1864-1919), dessen Verehrung als „Arzt der Armen“ schon vor hundert Jahren eingesetzt hat. Zum anderen ist es die Ordensfrau Maria vom Berge Karmel (1903-1977), die mit bürgerlichem Namen Carmen Elena Rendiles Martínez hieß und deshalb vom Volk meist Mutter Carmen genannt wurde. Geboren ohne linken Arm zeigte sie besonderes Verständnis für Ausgegrenzte und gründete als Ordensoberin zahlreiche Schulen für arme Kinder.
Von „The Catholic Herald“
Papst Leo XIV. sprach den als „Arzt der Armen“ bekannten José Gregorio Hernández am Sonntag, den 19. Oktober 2025, auf dem Petersplatz vor zehntausenden Pilgern aus Lateinamerika und anderen Ländern heilig.
Der venezolanische Laie, der 1919 auf dem Weg zu einer kranken Frau getötet wurde, ist zusammen mit der Ordensfrau Carmen Rendiles Martínez, der Gründerin der Kongregation der Dienerinnen Jesu von Caracas, heiliggesprochen worden – ein historischer Moment für Venezuela und die gesamte Kirche.
Die Kanonisierung der ersten beiden Heiligen Venezuelas wurde in Caracas mit Jubel gefeiert. Tausende versammelten sich vor der Kirche Nuestra Señora de La Candelaria, um die heilige Messe auf Großbildschirmen zu verfolgen. Im ganzen Land hielten Kirchen Mahnwachen und Prozessionen zu Ehren der neuen Heiligen des Landes ab. Viele sahen die Zeremonie als Zeichen der Hoffnung inmitten tiefer wirtschaftlicher Not, politischer Spaltung und weit verbreiteter Auswanderung.
Die Regierung von Präsident Nicolás Maduro unterstützte die Heiligsprechung öffentlich und half bei der Organisation von Feierlichkeiten in den Heimatstädten der Heiligen, doch das Ereignis hat die Spannungen zwischen Staat und Kirche eher verschärft.
Während die Regierung versuchte, sich der Verehrung von Hernández durch das Volk anzuschließen, warfen ihr im Exil lebende venezolanische Geistliche und Oppositionelle vor, einen zutiefst religiösen Anlass zu politisieren.
Pater José Palmar, ein venezolanischer Priester, der heute in den Vereinigten Staaten lebt, sagte gegenüber OSV News (Nachrichtenagentur des katholischen Verlags Our Sunday Visitor), „keine Regierung dürfe die Heiligkeit von José Gregorio vereinnahmen, um ihre eigenen Fehler zu verschleiern“, und forderte die Geistlichen in Venezuela auf, sich gegen Manipulationen zu wehren.
In Caracas kümmerten sich Staatsbeamte um die Restaurierungsarbeiten an der Kirche Nuestra Señora del Rosario in Isnotú, dem Geburtsort von Hernández, und gaben die Plakatierung von Wänden und Parks in Auftrag, um an die Heiligsprechung zu erinnern. Die lokalen Behörden bezeichneten diese Bemühungen als Zeichen und Ausdruck des Nationalstolzes. Die Verantwortlichen der Kirche dagegen hoben ihre spirituelle Bedeutung hervor.
Die venezolanische Bischofskonferenz nannte die Heiligsprechung ein „Zeichen der Einheit und des Glaubens“ und ermutigte die Regierung, diesen Anlass mit „Gnadenakten“ wie der Freilassung politischer Gefangener zu begehen.
In seiner Predigt lobte der Papst Hernández als „Vorbild christlicher Nächstenliebe, dessen Hände Leib und Seele gleichermaßen heilten“. Die Entscheidung, die Heiligsprechung voranzutreiben und damit die weit verbreitete Verehrung Hernández‘ anzuerkennen, spiegelte den Wunsch wider, den Glauben der einfachen Gläubigen zu würdigen.
Historisch gesehen hat Hernández‘ Aufstieg zur Ehre der Altäre Jahrzehnte gedauert. Er wurde 2021 nach der wundersamen Heilung eines jungen Mädchens seliggesprochen und wird seit langem in venezolanischen Wohnungen, Krankenhäusern und auf den Straßen verehrt, wobei sein Bildnis auf Wänden und Altären im ganzen Land zu sehen ist. Als Papst Johannes Paul II. 1996 Venezuela besuchte, unterzeichneten mehr als fünf Millionen Menschen eine Petition, in der sie um seine Heiligsprechung baten.
Die Anerkennung des „Arztes der Armen“ Venezuelas bringt einer Nation, die mit Inflation, Sanktionen und Massenarmut zu kämpfen hat, spirituellen Trost. Für viele Venezolaner ist die Heiligsprechung von José Gregorio Hernández nicht nur eine Würdigung eines bescheidenen Arztes, sondern auch ein Moment der Einheit in einem Land, das sich nach Erneuerung sehnt.
Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 12/Dez.2025+1/Jan.2026
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Uneingeschränktes Lebensrecht
Die Aktion Lebensrecht für Alle e.V. (ALfA) tritt für das uneingeschränkte Lebensrecht jedes Menschen ein – ob geboren oder ungeboren, behindert oder nicht, krank oder gesund, alt oder jung. Die ALfA hat ca. 11.000 Mitglieder und ist Mitglied im Bundesverband Lebensrecht (BVL). Zur Entscheidung im FEMM-Ausschuss zum EU-weiten Recht auf Abtreibung vom 6.11. nimmt die Bundesvorsitzende der ALfA, Cornelia Kaminski, wie folgt Stellung:
Mit Bedauern nimmt die ALfA die positive Abstimmung über die Europäische Bürgerinitiative „My Voice, My Choice“ im FEMM-Ausschuss zur Kenntnis. Diese Initiative präsentiert den Zugang zu sicheren und legalen Abtreibungen als grundlegendes Menschenrecht – verbunden mit Gleichheit, Würde und Selbstbestimmung. „Wir warnen ausdrücklich vor einer Fehlinterpretation der Menschenrechte,“ so Cornelia Kaminski, die Bundesvorsitzende der ALfA. „Menschenrechte sind Grundrechte aller Menschen. Menschen haben diese Rechte, weil sie Menschenwürde besitzen. Das Bundesverfassungsgericht hat dies unzweifelhaft auch für Menschen im frühesten Stadium ihrer Existenz anerkannt. Das erste und wichtigste Menschenrecht ist das Recht auf Leben. Es kann daher kein Menschenrecht auf die Tötung eines anderen Menschen geben.
Die Resolution des FEMM-Ausschusses fordert die Kommission dazu auf, Gesetzesinitiativen vorzulegen, die eine erschwingliche, sichere und diskriminierungsfreie Abtreibungsversorgung in allen EU-Staaten sicherstellen sollen. Damit wird die ausdrücklich den Nationalstaaten zustehende Kompetenz übergangen. Die EU besitzt keinerlei Recht, nationale Regelungen zur Abtreibung auszuhebeln oder zu umgehen – insbesondere nicht durch finanzielle Förderung von Abtreibungstourismus für Bürgerinnen anderer Staaten. Jedes andere Vorgehen wäre ein Bruch des Subsidiaritätsprinzips und gefährdet die europäische Rechtsordnung.
Die ALfA stellt fest: Die Resolution unterstreicht zwar ein Recht auf essenzielle Gesundheitsversorgung. Aber: Abtreibung ist grundsätzlich keine Dienstleistung zur Wiederherstellung von Gesundheit. Im Gegenteil: Wissenschaftliche Studien zeigen: Über 90% der Frauen leiden körperlich nach einer Abtreibung, bei medikamentöser Abtreibung sind es über 95%. Die Studienlage belegt zudem eindeutig: Abtreibungen sind psychisch hoch belastend – eine kanadische Studie von 2025 weist eindrücklich nach, dass Frauen nach Abtreibung deutlich häufiger psychisch krank werden als nach Geburt. Für das ungeborene Kind ist eine Abtreibung ohnehin nie ein Angebot zur Wiederherstellung von Gesundheit.
Auch die Forderung nach Solidarität und Förderprogrammen greift zu kurz: Reproduktive Rechte bestehen im Recht auf Fortpflanzung, nicht auf Abtreibung. Wahre Solidarität bedeutet die Förderung von Schwangeren und Familien, z.B. durch Mutterschaftsgeld, Elterngeld, Kinderbetreuung und steuerliche Entlastungen – und nicht die Unterstützung von Abtreibungen.
Die EBI „My Voice, My Choice“ hat deutlich weniger Unterschriften gesammelt als die Lebensrechtsinitiative „One of Us“ und ist damit keinesfalls Ausdruck europäischer Werte. Europas Fundament ist die Anerkennung der Menschenwürde und des Lebensrechts gemäß Grundrechtecharta. Eine Initiative, die diese Prinzipien missachtet, stellt die europäische Grundordnung in Frage. „Wir appellieren an die Europaabgeordneten, bei der nun anstehenden Abstimmung die politischen, juristischen und ethischen Auswirkungen grundsätzlich abzuwägen und für den Schutz des Lebens einzutreten,“ so Kaminski.
Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 12/Dez.2025+1/Jan.2026
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Katholiken im Exil – Biblische Weisheit für den Weg in die Heimat
Die neue Wirklichkeit
Bereits 2020 brachten die beiden Bestseller-Autoren Scott Hahn und Brandon McGinley miteinander ein Buch heraus, in dem sie sich für den öffentlichen Charakter der Religion einsetzten („It is Right and Just: Why the Future of Civilization Depends on True Religion“ – deutsche Ausgabe 2022: „Würdig und recht: Warum die Zukunft der Gesellschaft vom wahren Glauben abhängt“). Drei Jahre später legten sie wieder eine gemeinsame Publikation vor, die nun auch auf Deutsch erschienen ist. Sie trägt den Titel: „Katholiken im Exil. Biblische Weisheit für den Weg in die Heimat“ (Verlag Media Maria, 208 S., ISBN 978-3-911850-01-8; engl. Original: „Catholics in Exile – Biblical Wisdom for the Journey Home“). Es ist gleichsam eine vertiefende Ergänzung: Als Bürger des Himmelreichs leben wir Christen auf Erden wie Fremde im Exil. Zugleich ist es unsere Aufgabe, diese Welt im Geist des Evangeliums umzugestalten. Wir leben eine Existenz der Hoffnung, haben aber schon hier realen Anteil am göttlichen Leben, dessen Fülle uns verheißen ist – in der Ewigkeit, der wir entgegengehen. Nachfolgend ein Auszug, der uns gerade heute ermutigen kann (S. 100-105).
Von Scott Hahn und Brandon McGinley
Der Verfasser des Hebräerbriefs vergleicht unsere Gottesbeziehung vor der Menschwerdung mit unserer Gottesbeziehung danach. Über die Begegnung mit der göttlichen Macht in der Wüste schreibt er: „Ja, so furchtbar war die Erscheinung, dass Mose rief: Ich bin voll Angst und Schrecken“ (Hebr 12,21). Doch was ist mit uns? Was für eine Begegnung steht uns durch die Gnade der Menschwerdung offen? „Ihr seid vielmehr zum Berg Zion hinzugetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln, zu einer festlichen Versammlung und zur Gemeinschaft der Erstgeborenen, die im Himmel verzeichnet sind, und zu Gott, dem Richter aller, und zu den Geistern der schon vollendeten Gerechten, zum Mittler eines neuen Bundes, Jesus, und zum Blut der Besprengung, das mächtiger ruft als das Blut Abels“ (Hebr 12,22-24).
Die neue Realität nach der Menschwerdung
Das ist die neue Realität; das ist unsere Realität. Wir leben zwar im Exil, haben aber auf unserer Wanderschaft Zugang zu unserer Heimat, dem himmlischen Jerusalem. Wir müssen den Herrn fürchten, ja, aber im kindlichen Sinne des Wortes und nicht mit jenem Schrecken, der sogar Mose überwältigte. Wir haben – im Gebet, in der Messe, in den Sakramenten – durch den Sohn Zugang zum Vater, und zwar auf eine Weise, die in ihrer Vertraulichkeit für alle, die den Vater vor Christus kannten, unvorstellbar gewesen wäre. Und wir haben Zugang zu den Engeln und Heiligen („den Geistern der schon vollendeten Gerechten“), die unsere Bitten vor seinen Thron tragen.
Der letzte Vers schließlich verweist unmittelbar auf den vorangegangenen Abschnitt des Briefs, wo von Abel die Rede war: „Und durch den Glauben redet Abel noch, obwohl er tot ist“ (Hebr 11,4). Während das Opfer Abels – sowohl die Erstlinge, die er darbrachte, als auch sein eigenes Leben – den künftigen Lohn des Glaubens ankündigte, lässt das Opfer Christi diesen Lohn für uns heute gegenwärtig werden. Und so fragen wir uns erneut mit Christus und den Heiligen aller Jahrhunderte bis hin zum heiligen Papst Johannes Paul II.: Wovor sollten wir uns fürchten?
Genau genommen wirkt die verwandelnde Kraft der Gnade nicht nur auf persönlicher, sondern auch auf gesellschaftlicher Ebene. Die Gnade ist der einzigartige und unvergleichliche Beitrag des Christen zu jeder Gesellschaft, in der er lebt. Wie es im Brief an Diognet heißt: „In eine solche Stellung hat Gott sie versetzt, und sie haben nicht das Recht, dieselbe zu verlassen.“[1]
Christus – unsere lebendige Hoffnung
Das ist das zentrale Thema des ersten Petrusbriefs: dass die vorrangige soziale Pflicht des Christen darin besteht, der Welt die Gnade Christi mitzuteilen. Er beginnt mit einer Beschreibung der lebendigen Hoffnung, nämlich Christus, die er der abstrakten Hoffnung des Alten Bundes gegenüberstellt:
Er hat uns in seinem großen Erbarmen neu gezeugt zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unzerstörbaren, makellosen und unvergänglichen Erbe, das im Himmel für euch aufbewahrt ist. Gottes Kraft behütet euch durch den Glauben, damit ihr die Rettung erlangt, die am Ende der Zeit offenbart werden soll. Deshalb seid ihr voll Freude, wenn es für kurze Zeit jetzt sein muss, dass ihr durch mancherlei Prüfungen betrübt werdet. Dadurch soll sich eure Standfestigkeit im Glauben, der kostbarer ist als Gold, das im Feuer geprüft wurde und doch vergänglich ist, herausstellen – zu Lob, Herrlichkeit und Ehre bei der Offenbarung Jesu Christi (1 Petr 1,3-7).
Die kostbarste Ressource, die wir in diesem Leben des Exils anhäufen können, ist weder Reichtum noch Macht noch Schläue, sondern Glaube. Und dieser Glaube gründet sich auf die Hoffnung und wird von der Hoffnung getragen – keiner fernen, sondern einer gegenwärtigen Hoffnung auf die Person Jesus Christus. „Ihn habt ihr nicht gesehen und dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht; aber ihr glaubt an ihn und jubelt in unaussprechlicher und von Herrlichkeit erfüllter Freude, da ihr das Ziel eures Glaubens empfangen werdet: eure Rettung“ (1 Petr 1,8-9).
Am Anfang von Spe salvi erklärt Papst Benedikt XVI., dass Glaube einfach Hoffnung ist, oder doch zumindest, dass die beiden, wenngleich unterschiedlich, nicht voneinander zu trennen sind: „Wie sehr die Beschenkung mit einer verlässlichen Hoffnung das Bewusstsein der frühen Christen bestimmte, zeigt sich auch, wo die christliche Existenz mit dem Leben vor dem Glauben oder der Situation der Anhänger anderer Religionen verglichen wird. Paulus erinnert die Epheser daran, wie sie vor ihrer Begegnung mit Christus ,ohne Hoffnung und ohne Gott in der Welt‘ waren (Eph 2,12). Natürlich weiß er, dass sie Götter hatten, dass sie Religion hatten, aber ihre Götter waren fragwürdig geworden, und von ihren widersprüchlichen Mythen ging keine Hoffnung aus.“[2]
Sehen wir uns die letzte Aussage noch einmal an: „Von ihren widersprüchlichen Mythen ging keine Hoffnung aus.“ Was ist das anderes als eine Beschreibung unserer heutigen Welt? Wir leben mit der Vorstellung, dass es – in unserem Land oder in unserem eigenen Leben – irgendein perfektes Arrangement aus weltlichen Angelegenheiten gibt, das uns ganz und gar erfüllen wird. Diese Vorstellung basiert auf widersprüchlichen politischen, identitären und konsumistischen Mythen, die uns letztlich immer enttäuschen werden. Die Götter „Sex“, „Geld“ und „Macht“ haben sich als fragwürdig erwiesen, und wenn wir die Leere nicht mit etwas füllen, das wirklich anbetungswürdig ist, werden wir der Verzweiflung anheimfallen.
Gottes Transzendenz und Allmacht in den Sakramenten
Der Christ stimmt also nicht ein in den Chor der trübsinnigen Wehklage oder des verzweifelten Zynismus. Vielmehr spiegelt seine Lebensführung das Licht, die Hoffnung und die Gnade Christi wider. Das beginnt mit den Sakramenten, die ein Quell der Gnade sind und „die übernatürliche Ordnung innerhalb der Welt sichtbar machen. Der Sakramentenempfang ist eine Anerkennung der göttlichen Transzendenz und Allmacht. In den Sakramenten wird das unverdiente Geschenk der göttlichen Gnade demütig angenommen.“[3] Und dann strahlen „die sakramentale Gnade und die in der Messe verrichteten Gebete [...] auf das ganze Leben aus zur Ehre des dreieinen Gottes. Dies geschieht auf direkte Weise (Gebet, Fasten usw.), aber auch auf indirekte (friedfertige Gesinnung, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft usw.).“[4]
Genau das ist die Berufung derer, die Christus nachfolgen: zu jeder Zeit und an allen Orten, doch vor allem dann, wenn die sie umgebende Kultur und zivile Ordnung in Aufruhr sind. Das Römische Reich war nicht unbedingt ein angenehmer Aufenthaltsort für die ersten Christen – und sollte es wenige Jahrhunderte später für niemanden mehr sein. (Erinnern Sie sich, dass der heilige Augustinus seinen Gottesstaat unter dem Eindruck der Plünderung Roms durch Alarich und die Westgoten im Jahr 410 geschrieben hat.) Der heilige Petrus schrieb nicht an Menschen, denen die Trauben in den Mund wuchsen, während sie auf seidenen Sofas faulenzten; er schrieb an eine Untergrundkirche. Und im vierten Jahrhundert wurden seine Worte von Menschen gelesen, die mitansehen mussten, wie ihre Zivilisation unterging.
Zuversichtliches Leben der Tugend und Gnade
Er verordnet keinen politischen Widerstand, keine Verachtung und auch keinen Zynismus, sondern das ehrliche und zuversichtliche Leben der Tugend und Gnade: „Legt also alle Bosheit ab, alle Falschheit und Heuchelei, allen Neid und alle Verleumdung! [...] Ihr [...] seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat. Einst wart ihr kein Volk, jetzt aber seid ihr Gottes Volk; einst gab es für euch kein Erbarmen, jetzt aber habt ihr Erbarmen gefunden“ (1 Petr 2,1.9-10).
Die Basis eines solchen Lebens ist die Hoffnung. Wer nicht wirklich auf die Verheißungen der Menschwerdung hofft, kann nicht so leben. Doch wer darauf hofft, für den wird dieser Lebensstil das Natürlichste auf der Welt.
Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 12/Dez.2025+1/Jan.2026
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[1] Mathetes: Brief an Diognet, in: BKV, 1. Reihe, Band 12, Kap. 6, 166.
[2] Enzyklika Spe salvi über die christliche Hoffnung, 2.
[3] Scott Hahn & Brandon McGinley: Würdig und recht, 37.
[4] Ebd., 189.
Erzpriester Nikolaj Sabuga (1951-2014) – Protagonist der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche
Sehnsucht nach ökumenischem Austausch
Die beiden russisch-orthodoxen Gelehrten Dr. Dionisij Martyschin (Denys Martyshyn) und Dr. habil. Pawel Botschkow (Pavel Bochkov) stellen in ihrem Beitrag einen herausragenden orthodoxen Geistlichen vor, der mit Hochachtung auf die katholische Kirche blickte und sich nachdrücklich für den ökumenischen Dialog mit der Westkirche einsetzte. Es handelt sich um den Erzpriester Nikolaj Petrowitsch Sabuga (1951-2014), der sich als spätberufener Theologe den Professorentitel erwarb und Rektor der Kiewer Geistlichen Akademie und des dortigen Seminars wurde (1994-2007). Martyschin und Botschkow, ebenfalls Priester, schildern den Weg Sabugas vom weltlichen Philologen zum einflussreichen Kirchenführer, seine akademischen und pastoralen Tätigkeiten sowie sein Vermächtnis für die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats. Sabuga hatte seine persönlichen Qualitäten sowie sein phänomenales Gedächtnis ganz in den Dienst des christlichen Glaubens und der theologischen Wissenschaft gestellt. Er wurde Zeuge fast aller bedeutenden kirchlichen und gesellschaftspolitischen Ereignisse beim Neuaufbau der ukrainischen Orthodoxie nach dem Ende des Sowjetregimes. Mit seinem scharfen Verstand verband er einen subtilen Humor und ein besonderes Gespür für Ästhetik. Trotz seiner zahlreichen Ämter gab er nicht das typische Bild eines Kirchenfunktionärs ab, sondern blieb eine beeindruckende charismatische und geistliche Persönlichkeit.
Von Dionisij Martyschin und Pawel Botschkow
Frühes Leben und Ausbildung
Nikolaj Sabuga wurde am 13. März 1951 in dem alten Städtchen Bachmatsch (Tschernihiwer Gebiet im Zentrum der Ukrainischen Sowjetrepublik) als Sohn eines Eisenbahners geboren. Er schloss die örtliche Schule mit Goldmedaille ab und studierte von 1969 bis 1973 Anglistik an der Staatlichen Universität in der ukrainischen Stadt Tschernowitz, wo er sein Diplom mit Auszeichnung erhielt. Während des Studiums besuchte er regelmäßig die orthodoxe Liturgie in der Nikolaus-Kathedrale in Tschernowitz und kam in intensiven Austausch mit dem Klerus, wodurch er die liturgische und historische Tradition des orthodoxen Glaubens kennenlernte.
Militärdienst und erste Berufstätigkeit
1979 wurde er zum Wehrdienst eingezogen; von Juli 1980 bis Februar 1981 diente er als Offizier in der sowjetischen Truppe in Afghanistan. Für Mut und Heldentum erhielt er am 2. August 1981 den Orden des Roten Sterns. Nach der Rückkehr in seine Heimat arbeitete er als Lehrer und Übersetzer wissenschaftlicher und literarischer Texte in Kiew, wobei sein Herz zunehmend für Christus und die Orthodoxe Kirche entbrannte.
Weg zum Priestertum
Vom 1. September 1990 an unterrichtete er am wiedergegründeten Kiewer Geistlichen Seminar Englisch, Latein und Ukrainisch. 1992 erwarb er als Externer den Abschluss „Bachelor der Theologie“. Am 28. Juli 1992 wurde er im Kiewer Frauenkloster Mariä Schutz und Fürbitte zum Diakon und am 2. August desselben Jahres in der Illinska-Kirche (Elias-Kirche) im Kiewer Stadtteil Podil zum Priester geweiht. Beide Weihen erteilte ihm der bekannte Metropolit Wladimir (Sabodan) von Kiew und der ganzen Ukraine. 22 Jahre lang (1992-2014) war Wladimir (Wolodymyr) Oberhaupt der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats.
Akademische Laufbahn
Im August 1992 nahm Sabuga seine Tätigkeit als Sekretär des Vorstands der Kiewer Geistlichen Akademie und des Seminars (KDAiS) auf und wurde 1993 zum Inspektor ernannt, der die Disziplin und Ordnung der Studien kontrolliert. 1994 begann er selbst Vorlesungen zu halten, und zwar als Dozent für Fundamentaltheologie, Kirchengeschichte des Katholizismus, Protestantismus und Ökumene. Schließlich wurde er 1994 als Rektor der Kiewer Geistlichen Akademie und des Seminars eingesetzt. Gleichzeitig wurde ihm die Verantwortung des Chefredakteurs der kirchlichen Publikationen „Orthodoxer Bote“ und „Schriften der Kiewer Geistlichen Akademie“ übertragen.
Wissenschaftlicher Beitrag
Anatolij Iwanowitsch Bogdanenko, ein renommierter Experte für öffentliche Verwaltung und Forscher zur Lage der theologischen Ausbildung in der Ukraine, betont, dass Sabuga in pädagogischer wie wissenschaftlicher Hinsicht wesentlich dazu beigetragen habe, dass die Theologie in der nachsowjetischen Gesellschaft auf eine akademische Ebene gehoben und in das zeitgenössische System der Wissenschaft integriert werden konnte. Seine theologisch-soziale Sichtweise sei für die moderne orthodoxe und säkulare Wissenschaft höchst aktuell. Zur Bewältigung der vielen Herausforderungen, vor denen die theologische Ausbildung in der ukrainischen Orthodoxie heute stehe, sollten die facettenreichen Ansichten dieses herausragenden Professors und talentierten Rektors neu in Betracht gezogen werden.
Internationale Vernetzung
1999 verlieh der Heilige Synod der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche dem Erzpriester Nikolaj Sabuga den Titel Professor der Theologie, 2001 erhielt er den Ehrendoktortitel der Internationalen Personalakademie (MKA). 2002 gründete er an der Interregionalen Akademie für Personalmanagement (MAUP) und der MKA die Fakultät für Theologie und christliche Kommunikation – ein Projekt, an dem sich auch Metropolit Wladimir und der Gründer der MAUP, Georgij Wassiljewitsch Schtschokin, beteiligten. Auch setzte sich Sabuga für regelmäßige internationale theologische Konferenzen, den Austausch von Delegationen und Publikationen sowie gemeinsame Verlagsprojekte verschiedener christlicher Konfessionen ein.
Leitung der Außenbeziehungen
Im November 2005 wurde Sabuga zum Vorsitzenden der Abteilung für die Außenbeziehungen der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche ernannt. Seine Sprachkenntnisse und sein diplomatisches Geschick stärkten die internationalen Kontakte der ukrainischen Orthodoxie. Er bezeichnete sich selbst immer als „Büro Priester“ und sah seine Hauptaufgabe im Dienst an Kirche und Theologie. In seinem Haus sammelte er eine umfangreiche Bibliothek zu Geschichte, Theologie und Philosophie und konnte ganze Passagen, etwa aus Goethes „Faust“, auswendig zitieren. Zudem war er ein Kenner von Kunst, Antiquitäten und seltenen Buchausgaben.
Spätere Jahre und Heimgang
Durch die schwere Belastung seiner Ämter verschlechterte sich seine Gesundheit; 2007 beantragte er seine Entlassung aus den kirchlichen Ämtern. Dennoch blieb er aktiv: Er war geistlicher Leiter verschiedener Vereinigungen, wie z.B. des Kiewer Adelsvereins und des „Kosaken-Heers des Saporoger Tieflandes“. Er pflegte Kontakte zu Veteranen des Afghanistan-Kriegs und wurde im Dezember 2010 zum Ehrenrektor der Himmelfahrtskirche in Demejewka ernannt, einem Stadtteil von Kiew, sowie im Februar 2011 zum Ehrenrektor der St. Georgs-Kirche am Südbahnhof, wo er bis zu seinem Lebensende priesterliche Dienste versah. Am 8. Juni 2011 nahm er als Delegierter am Bischofssynod der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche teil. Trotz schwerer Krankheit hielt er weiterhin Gottesdienste, unterstützt von seinem Freund, Professor und Erzpriester Vitalij Kosowskij, der ihn in der Kiewer Elias-Kirche aufnahm. Nikolaj Sabuga verstarb am 13. November 2014 im Alter von 63 Jahren. Sein Leichnam wurde zunächst in die St. Georgs-Kirche überführt und dann am 14. November in die Mariä-Entschlafens-Kathedrale des Kiewer Höhlenklosters gebracht, wo am 15. November nach Abschluss der Trauerliturgie der Ritus der Priesterbestattung abgehalten wurde.
Vermächtnis
Nikolaj Sabuga ist ein Beispiel dafür, wie ein Mensch durch unermüdlichen Einsatz, intellektuelle Brillanz und tiefe Frömmigkeit sowohl die akademische Theologie als auch das kirchliche Leben einer Nation prägen kann. Sein Wirken als Pädagoge, Autor, Übersetzer, Rektor und Brückenbauer zwischen Kirche und Staat bleibt ein bedeutendes Erbe für die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche und für das ökumenische Gespräch weltweit.
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Lebensweg des Priesters, Predigers und Professors Romano Guardini
Licht in der Finsternis
Unbeirrt hat Romano Guardini (1885-1968) seine Stimme erhoben, um Menschen in den geschichtlichen Wirren seiner Zeit Orientierung zu geben. Unzähligen hat er geholfen, sich den Anfechtungen der modernen Zeit zu stellen und ein neues Glaubensfundament zu finden. In seinem Licht wurden Widerstandsgruppen während des NS-Regimes geformt und Zeugen herangebildet, die in allen gesellschaftlichen Bereichen dem antichristlichen Ansturm der Moderne standhielten. Als ihm am 24. September 1952 der „Friedenspreis des Deutschen Buchhandels“ verliehen wurde, betonte das Entscheidungsgremium: „Sein Werk hat stets dem Frieden, der Verständigung unter den Menschen und ihrer Versöhnung gedient.“ Jakob Knab wirft ein Schlaglicht auf das Wirken dieser außerordentlichen Priestergestalt.
Von Jakob Knab
Persönliche Vorbemerkung
Als im Frühjahr 2007 der Arbeitskreis „Historische Friedensforschung“ in Freiburg im Breisgau tagte, begegnete ich Frau Professorin Annette Kuhn aus Bonn. In unserem angeregten Gespräch fielen auch die Namen Reinhold Schneider und Romano Guardini. Ihre Augen leuchteten auf, als ich eher beiläufig das kleine Buch von Helmut Kuhn „Romano Guardini. Der Mensch und das Werk“ (München 1961) erwähnte. Dankbar lächelnd meinte sie, jener Autor Helmut Kuhn sei ihr Vater.[1]
Vordenker der katholischen Jugendbewegung
Romano Guardini wurde am 17. Februar 1885 in Verona geboren. Ein Jahr später siedelte die Familie nach Mainz über, wo er dann zur Schule ging. Nachdem er zwei Semester Chemie in Tübingen und drei Semester Nationalökonomie in München und Berlin studiert hatte, spürte er die Berufung zum Priester. Sein Theologiestudium absolvierte er in Freiburg im Breisgau und in Tübingen.
Guardinis Aufsatz „Das Erwachen der Kirche in den Seelen“ (1922) galt als eine Art „Magna Charta“ der katholischen bündischen Jugend (Quickborn, Bund Neudeutschland). Hier seine Schlussgedanken: „Lebendiger Ausdruck dieser Lebensganzheit ist jene Form des religiösen Verhaltens, worin der ganze Mensch zum ganzen Gott in übernatürliche Gemeinschaftsbeziehung tritt, ist die Liturgie. Sie bestimmt die katholische Haltung gegenüber dem Religiösen im engeren Sinne.“ Drei Jahre später hielt Guardini im Aufsatz „Vom liturgischen Mysterium“ (1925) fest: „Die Einmaligkeit und Unwiederholbarkeit gehört zum Wesen der Geschichte; zu ihrem Wesen und zu ihrer Würde. Es ist ein Geschehen durch Person und an Person. (...) In der Liturgie steht die glaubende Gesamtheit, und der einzelne mit ihr, in jenem unmittelbaren Verhältnis zum Erlöser, und zwar in einem wesentlich kontemplativen Akt: der Betrachtung, des Gebetes, der Teilnahme und Teilhabe in Opfer und Sakrament. In diesem Gesamtkomplex bildet der Vorgang der eucharistischen Feier das Kerngeschehen.“
Leitfigur als Professor in Berlin
Guardinis Weg zur Professur war schwierig. Auf den Berliner Lehrstuhl war er auf Initiative Carl Heinrich Beckers (1876-1933), des damaligen Staatssekretärs im preußischen Kultusministerium, berufen worden; denn er kannte und schätzte Guardini aus der Jugendbewegung. Um dem Widerstand der konfessionalistisch orientierten Protestanten des Evangelischen Bundes zu begegnen und Romano Guardini in Berlin durchsetzen zu können, musste Becker Guardini an die katholisch-theologische Fakultät der Friedrich-Wilhelm-Universität Breslau berufen, von wo der Führer der katholischen Jugendbewegung als „Ständiger Gast“ an die Berliner Universität „abgetreten“ wurde (und als „Ständiger Gast“ stand er im Vorlesungsverzeichnis ganz hinten in der Nähe des Sportlehrers). Guardini saß also in Berlin buchstäblich zwischen allen (Lehr-)Stühlen. Noch bevor die hochbegabte Oberstufenschülerin Hannah Arendt,[2] die aus einer jüdischen Familie in Hannover stammte, 1924 in Berlin ihr Abitur ablegte, besuchte sie, die Jahre später zur bedeutendsten Denkerin des 20. Jahrhunderts reifte, die Vorlesungen des katholischen Gelehrten Romano Guardini an der Friedrich-Wilhelms-Universität. Auch die aufrechte und bekennende Protestantin Elisabeth Schmitz fand in Guardinis Vorlesungen Orientierung. Jahre später wird sie mit ihrer Denkschrift „Zur Lage der deutschen Nichtarier“ von 1935/36 die Bekennende Kirche auffordern, ihre Stimme zu erheben gegen die Ausgrenzungen und Verfolgungen von Menschen jüdischer Herkunft.
Im März 1939 wurde der Lehrstuhl des unangepassten Außenseiters Romano Guardini aufgehoben. Ohnehin war Guardini an der Berliner Universität nie willkommen. „Für die Universität war ich,“ so sein Rückblick Jahrzehnte später, „der vom Zentrum aufgezwungene Propagandist der katholischen Kirche, welcher an der Hochburg des deutschen Protestantismus nichts zu suchen hatte, und sie zeigte mir das auf jede Weise. Auch als es im Laufe der Jahre jedem deutlich sein konnte, dass meine Vorlesungen nichts mit Propaganda zu tun hatten und das akademische Niveau hielten, habe ich nie auch nur das leiseste Zeichen einer Großmut empfangen, welche ihrer absoluten Übermacht gewiss angestanden hätte.“[3] Diese Fakultät war eine Kaderschmiede der nationalprotestantischen Weltanschauung.
Geistlicher Führer in der Finsternis der NS-Ideologie
Schon 1935, zwei Jahre nach der sog. Machtergreifung, hatte er sich in seiner Schrift „Der Heiland“ offen gegen die von den Deutschen Christen betriebene Enthistorisierung der Person des Juden Jesus gewandt und dagegen die enge Verbundenheit von Christentum und „jüdischer Religion“ aus der Geschichtlichkeit Jesu heraus begründet. Gegen die ideologische Gleichschaltung durch das NS-Regime und gegen das völkische Mythengeraune hatte Guardini 1935 am christlichen Bekenntnis festgehalten: „Demgegenüber ist Christus durch und durch reale Geschichte. Keines der damals lebenden Völker hat ein so weites und helles geschichtliches Bewusstsein wie das jüdische.“[4] Nach dem Ende der NS-Gewaltherrschaft entfaltete Guardini diese Zusammenhänge in seiner Kleinschrift „Der Heilbringer“; denn Begrifflichkeiten wie „Geheimnis des Blutes, ewiges Blut“ begegnen im Dritten Reich auf Schritt und Tritt. Der Mythos braucht einen Verkünder und Heilsbringer. Dafür ist der Gruß „Heil Hitler“ sinnfälliger Ausdruck. Guardini hingegen legte dieses Bekenntnis ab: „Christus befreit den Menschen aus der Unentrinnbarkeit des Wechsels von Leben und Tod, von Licht und Finsternis, von Aufstieg und Niedersinken. Er durchbricht die verzaubernde, scheinbar von allem Daseinssinn gesättigte, in Wahrheit alle personale Würde auflösende Eintönigkeit der Natur.“[5]
Begegnungen und intensive Lektüre prägten das Lebensgefühl des Freundeskreises von der „Weißen Rose“. Jene Lesewut erfuhren diese jungen Menschen als die wundersame, große Möglichkeit, die eigene Lebensspur zu finden und zu selbstbestimmten Persönlichkeiten zu reifen. „Es ist manchmal so“, gestand Willi Graf Ende 1941 seiner Schwester, „dass man nur die Sinnlosigkeit sieht und doch in ihr bestehen muss. Unser Versuch müsste sein, in allen Dingen einen Sinn zu sehen, denn dass es nichts ohne ihn gibt, wird allmählich doch klar...“ Er gelangte zur Gewissheit, dass „letzter Sinn nie klar wird, höchstens erst im Tod.“ Er spricht sich Mut zu, dass man „nicht planlos herumirren darf“, da man sonst dabei „zugrunde geht.“[6] Vor allem in der Lektüre von Guardinis Kleinschriften fand Willi Graf schon seit den Zeiten der katholischen Jugendbewegung – zuerst beim „Bund Neudeutschland“ und dann beim „Grauen Orden“ – Sinn, Halt und Orientierung. „Wir sprechen wiederum“, so hielt er Mitte Februar 1943 fest, „über den Glauben und die Offenbarung, wo sich für uns ja alles entscheidet.“ Dies ist auch der Grund, warum er seiner Schwester Guardinis Kleinschriften „Glaubensgeschichte und Glaubenszweifel“ sowie „Die Offenbarung als Geschichte“ schenkte. Willi Graf selbst betrachtete diese Hefte der Reihe „Christliche Besinnung“ als wertvolle Begleiter. „Man könnte sagen,“ so Guardinis Erkenntnis, „die Wahrheit habe den Charakter eines Lichtes, das auf einen Weg fällt; es reicht immer so weit, als nötig ist, um den nächsten Schritt zu tun.“[7] Willi Graf fühlte sich wohl von dieser existenziellen Einsicht Guardinis angesprochen: „Wahrheit wird aber nur in Freiheit.“ Schließlich ermahnte Guardini den Leser, dort „in Treue auszuharren“, wo alles „durch die Dunkelheit der Erde verhüllt ist.“
„Nach wie vor enthält Guardinis kleine, schon im Dritten Reich konzipierte Schrift „Der Heilbringer in Mythos, Offenbarung und Politik“ (1946), die Hitler als Führer, ‚Erlöser‘, weltlichen Heiland in den Blick nimmt, wichtige Einsichten in die quasi-religiösen Elemente des modernen Totalitarismus.“[8]
Ratgeber in der geistigen Oase von Mooshausen
Guardini war im Frühjahr 1939 von seinen akademischen Aufgaben entbunden und sein Berliner Lehrstuhl aufgehoben worden. Die Begründung lautete: Wenn der Staat selbst eine Weltanschauung habe, könne an der Universität kein Raum für einen Lehrstuhl für katholische Weltanschauung sein. Es blieb ihm zwar, weiterhin illegal mit katholischen Jugendgruppen zu arbeiten, wie zuvor auch auf Burg Rothenfels. Sein Refugium fand er 1943 im schwäbischen Dorf Mooshausen in der Nähe von Memmingen bei dem örtlichen Pfarrer und seinem alten Freund aus Tübinger Studienzeiten, Josef Weiger, in einem christlich gesinnten, widerständigen Kreis.[9] Sie hatten Kontakte mit der Widerstandsgruppe um Hermann Binder (1877-1957) in der nahen Ortschaft Treherz geknüpft. Bis 1944 war Binder der Direktor des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums in Stuttgart. Zu den bekanntesten ehemaligen Schülern dieser Bildungsanstalt zählen der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der Dichter und Pfarrer Eduard Mörike wie auch der Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg.
Das Pfarrhaus in Mooshausen war eine geistige Oase angesichts der ideologischen Gleichschaltung durch das NS-Regime. Es war auch ein Ort des Rettungswiderstandes; Juden auf der Flucht fanden vorübergehend Unterschlupf im Pfarrhaus. Josef Weiger kannte auch die gebürtige Jüdin Vera Jentzsch; er verhalf ihr zur Flucht nach England. Später in London nannte sie sich Jensh. In den Nachkriegsjahren hielt sie Kontakt mit dem Pfarrhaus in Mooshausen.
Im Pfarrhaus entstanden die späten kulturkritischen Schriften Guardinis, wo es um die ideengeschichtliche Aufarbeitung der Diktatur des Bösen ging. Sie konnten erst nach dem Ende der NS-Gewaltherrschaft erscheinen: „Der Heilbringer in Mythos, Offenbarung und Politik“ (1946), „Das Ende der Neuzeit“ (1950) und „Die Macht“ (1951). Es war im Frühsommer 1945, in den ersten Monaten nach der Kapitulation, dass Otl Aicher „auf einem ziemlich ramponierten Motorrad“ Guardini in Mooshausen aufsuchte und ihn mit den Worten ansprach: „Herr Professor, es muss etwas geschehen!“ In dieses Umfeld gehört die am 4. November 1945 in München gehaltene Rede „Die Waage des Daseins“.[10] Die Schlussworte lauteten: „Aber sie waren Christen aus Überzeugung. So standen sie im Raum des Glaubens, und die Wurzeln ihrer Seele reichten in jene Tiefen hinab, von denen gesprochen worden ist.“
Charismatisches Wirken in Tübingen und München
Guardini wurde 1945, nach dem Ende der NS-Gewaltherrschaft, an die Philosophische Fakultät der Universität Tübingen berufen; er lehrte dort Christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie. Gleichzeitig gehörte er zu einer Gelehrtengruppe in Tübingen, die sich regelmäßig mittwochs in Tübingen traf. Die Mitglieder stellten sich in die Tradition der regimekritischen Berliner Mittwochsgesellschaft (1863-1944). Zu dieser akademischen Gesellschaft gehörten der evangelische Theologe Helmut Thielicke, der Politikwissenschaftler Theodor Eschenburg wie auch der einflussreiche und machtbewusste General Dr. Hans Speidel.[11]
1948 folgte Guardini einem Ruf der Universität in München, wo er bis zur Emeritierung 1964 lehrte. Darüber hinaus wirkte er in der Münchner Kirche St. Ludwig von 1949 bis 1962 als charismatischer Universitätsprediger. Am 7. Juni 1952 heirateten Inge Scholl und Otl Aicher in der Münchner Klosterkirche St. Anna. Die Trauung hielt Romano Guardini. Wenige Wochen zuvor hatte Inge Scholl ihr Buch „Die Weiße Rose“ erstmals veröffentlicht.
Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
Am 24. September 1952 wurde ihm in der Frankfurter Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. „Dem Menschen und Schriftsteller Romano Guardini“, so die Begründung, „bezeugen wir damit unseren Dank und unsere Achtung dafür, dass er in einem reichen Leben ein Werk geschaffen hat, das der Wahrheitsforschung und der Formung des Menschen diente. Unbeirrt klingt seine Stimme durch die geschichtlichen Wirren unserer Zeit denen, die hören wollen. Sein Werk hat stets dem Frieden, der Verständigung unter den Menschen und ihrer Versöhnung gedient.“
Angefochtene Zuversicht kennzeichnet den Lebensweg des Priesters, Predigers und Professors Guardini. In den letzten Wochen seines irdischen Daseins litt er an unerträglichen Nervenschmerzen; er war niedergedrückt von Schwermut. Mitmenschliche Zuwendung am Krankenbett schenkte ihm Annette Kuhn, die Tochter seines Weggefährten Helmut Kuhn. Im Angesicht des nahenden Endes bedrückte ihn diese eine Frage: „Warum, Gott, zum Heil die fürchterlichen Umwege, das Leid der Unschuldigen?“ Am 1. Oktober 1968, am Gedenktag der hl. Theresia vom Kinde Jesus, segnete er das Zeitliche.
Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 12/Dez.2025+1/Jan.2026
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[1] Ihre jüdischen Eltern waren zunächst zum Protestantismus konvertiert. So wurde Annette in der Bekennenden Kirche Berlin-Dahlem von Pastor Martin Niemöller getauft. Sie fand, begleitet von Romano Guardini wie zuvor schon ihre Eltern, den Weg zur katholischen Kirche. Guardini ermunterte Annette Kuhn: „Vergiss nicht, dass du auch eine Protestantin bist. Das musst du auch bleiben!“ Ihre Autobiographie: „Ich trage einen goldenen Stern. Ein Frauenleben in Deutschland“ (Berlin 2003).
[2] Hannah Arendt wurde am 14. Oktober 1906 in Linden bei Hannover geboren und wuchs in Königberg in einer jüdisch-assimilierten Familie auf. 1924 begann sie in Marburg ein Studium der Philosophie, Theologie und Klassischen Philologie, das sie ab 1926 an der Universität Heidelberg fortsetzte, wo sie 1928 bei Karl Jaspers über den Liebesbegriff bei Augustinus promoviert wurde. 1933 floh sie nach kurzer Gestapo-Haft ins Ausland.
[3] Romano Guardini: Berichte über mein Leben. Autobiographische Aufzeichnungen, Düsseldorf 1984, 40f.
[4] Romano Guardini: Der Heiland, in: Unterscheidung des Christlichen. Gesammelte Studien von Romano Guardini, Mainz 1935, 375.
[5] Romano Guardini: Der Heilbringer in Mythos, Offenbarung und Politik, Stuttgart 1945, 21.
[6] Willi Graf: Briefe und Aufzeichnungen, hrsg. von Anneliese Knoop-Graf und Inge Jens, Frankfurt am Main 1984, 138.
[7] Guardini: Offenbarung, 6.
[8] Hans Maier: Böse Jahre – Gute Jahre. Ein Leben, 1931ff., München 2011, 326.
[9] Vgl. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz u.a. (Hg.): Begegnungen in Mooshausen, Weißenhorn 1989.
[10] Romano Guardini: Die Waage des Daseins. Rede zum Gedächtnis von Sophie und Hans Scholl, Christoph Probst, Alexander Schmorell, Willi Graf und Prof. Dr. Huber, gehalten am 4. November 1945, Tübingen 1946.
[11] Hans Speidel: Aus unserer Zeit. Erinnerungen, Berlin 1977, 260.
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