Februar-März 2026

Liebe Leserinnen und Leser

Von Erich Maria Fink und Thomas Maria Rimmel

„Augustinus ist Papst“, so hat Vatikan News Anfang dieses Jahres einen Rückblick auf die ersten acht Monate des Pontifikats von Papst Leo XIV. betitelt. Grund ist natürlich nicht nur seine Zugehörigkeit zum Augustinerorden sowie die Tatsache, dass er diesen Orden von 2001 bis 2013 als Generalprior geleitet hat. Tatsächlich geht die relativ kurze Augustinusregel auf den hl. Kirchenvater Augustinus von Hippo (354-430) zurück, doch entstand der Bettelorden der Augustiner erst im 13. Jahrhundert. Der Titel „Augustinus ist Papst“ hängt vor allem damit zusammen, dass Papst Leo XIV. den hl. Augustinus praktisch in jeder Ansprache zitiert.

Es gebe darüber hinaus „augustinische Elemente“, die den Stil von Papst Leo prägten. So sei vor allem seine Arbeitsweise „von der augustinischen Tradition geprägt, die in Bezug auf Überlegungen und Entscheidungsfindung eher kollektiv“ sei. Das wirkt sich schon jetzt im Umgang mit der Römischen Kurie und im Verhältnis zu den Kardinälen aus. Das außerordentliche Konsistorium am 7. und 8. Januar 2026 hat sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, dass Papst Leo dieses Kollegium als sein erstes Beratergremium sieht, mit dem er auf synodale Weise zusammenarbeiten will. Bei aller Hochschätzung des offenen Austauschs aber ruft er Kurienmitarbeiter wie Kardinäle unentwegt zur Geschlossenheit auf. Innerkirchlich will Papst Leo nach dem stürmischen Pontifikat seines Vorgängers die Lage beruhigen und Einheit stiften. Dies versucht er in theologischer Rückbesinnung auf die Grundlagen des Glaubens, wozu er besonders auch die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils zählt.

Der Moraltheologe von Paderborn, Professor Dr. Peter Schallenberg, ordnet im Leitartikel das Konsistorium in die bisherigen Weichenstellungen des derzeitigen Pontifikats ein. Gleichzeitig spannt er den Bogen zur Neujahrsansprache, die Papst Leo am 9. Januar unmittelbar nach der Kardinalsversammlung an das Diplomatische Korps gehalten hat. Der Papst macht keinen Hehl daraus: Nur eine Kirche, die nach innen zusammenhält, kann nach außen hin deutlich auftreten. Und die Art und Weise, wie er „De Civitate Dei“ – „Vom Gottesstaat“, wiederum ein Hauptwerk des hl. Augustinus, auswertete und auf die heutige Zeit anwandte, ließ in aller Welt aufhorchen. Man hatte geradezu den Eindruck, dass Leo, der Löwe, nun zu brüllen beginnt.

Mit den sog. „neuen Menschenrechten“ wie dem angeblichen „Recht auf sichere Abtreibung“ oder mit dem „Phänomen der Leihmutterschaft“ ging er hart ins Gericht, nannte die Sterbehilfe eine „falsche Form des Mitgefühls“, pochte auf die Unterstützung der Familie, welche „in der ausschließlichen und unauflöslichen Verbindung zwischen Frau und Mann“ begründet sei, und bescheinigte der Meinungsdiktatur, wie sie zunehmend auch im Westen zu beobachten sei, einen „orwellschen Beigeschmack“. Er sprach von den „schwerwiegenden Gefahren für das politische Leben, die sich aus falschen Darstellungen der Geschichte, übertriebenem Nationalismus und der Verzerrung des Ideals eines Staatsmanns ergeben“. Gegenüber der „kriegerischen Stimmung“, die sich ausbreite, hob er „die Bedeutung des humanitären Völkerrechts“ hervor und warnte vor der Gefahr, „immer ausgefeiltere neue Waffen zu produzieren, auch unter Einsatz von künstlicher Intelligenz“. Eindeutig sprach er sich gegen die Todesstrafe aus und brach eine Lanze für die Armen und Migranten. Außerdem nahm er kein Blatt vor den Mund, was die weltweite Christenverfolgung angeht. Jeder siebte Christ sei davon betroffen. Ein unüberhörbares Signal an eine Welt, die sich in Aufruhr befindet!

Liebe Leserinnen und Leser, wir wollen Papst Leo solidarisch zur Seite stehen, mit Zeugnis und Gebet für den Frieden. Ein aufrichtiges Vergelt‘s Gott für Ihre Unterstützung! Gleichzeitig bitten wir Sie herzlich: Zeigen Sie mit Ihrer Spende, was Ihnen „Kirche heute“ wert ist! (meine Volksbank Raiffeisenbank eG, IBAN: DE46 7116 0000 0001 1905 80, BIC: GENODEF1VRR) Wir wünschen Ihnen eine gesegnete Fastenzeit an der Hand unserer Himmlischen Mutter Maria!

 

Vom Konsistorium zur Neujahrsansprache an das Diplomatische Korps

Papst Leo – der Löwe beginnt zu brüllen

Von Peter Schallenberg

Papst Leo XIV. hatte alle Kardinäle der Weltkirche vom 7. bis 8. Januar 2026 zu einem außerordentlichen Konsistorium nach Rom eingeladen. Gleich am nächsten Tag empfing er das Diplomatische Korps und hielt eine programmatische Neujahrsansprache, welche aufhorchen ließ. Professor Dr. Peter Schallenberg, Theologische Fakultät Paderborn, spannt einen Bogen vom Konsistorium bis zu diesem Signal an eine Welt, die sich im wahrsten Sinn des Wortes in Aufruhr befindet. Machte das Treffen mit den Kardinälen noch etwas den Eindruck, als würde sich die Kirche mit sich selber beschäftigen, ohne zu bemerken, was um sie herum passiert, so schlug die Ansprache an die Diplomaten wie eine „Bombe“ ein und machte deutlich, dass die Kirche zum aktuellen Zeitgeschehen sehr wohl etwas zu sagen hat. weiter...

 

Interview von K-TV mit Kurt Kardinal Koch – Reise in die Türkei und den Libanon

Papst Leo XIV. in Nicäa – sehr positiv!

Interview mit Kurt Kardinal Koch

Der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch ist seit 2010 Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen. Er hat die erste Auslandsreise von Papst Leo XIV. miterlebt, die auf dem Hintergrund des 1700-jährigen Jubiläums des Konzils von Nicäa ganz unter dem Zeichen der Ökumene stand. Dr. Thomas Maria Rimmel, der Geistliche Assistent des katholischen Fernsehsenders K-TV, sprach mit ihm über den Apostolischen Besuch in der Türkei und im Libanon. Für Kardinal Koch war er ein bewegendes Zeugnis der katholischen Kirche im Nahen Osten und ein hoffnungsvolles Signal der Einheit. weiter...

 

Auf den geistigen Spuren von Centa Segerer

Gedanken zur Fastenzeit

Von Alois Bäuml

 „Der Wille Gottes ist mir alles!“, so heißt ein dreibändiges Werk, mit dem Alois Bäuml die Münchener Mystikerin Kreszentia (Centa) Segerer (1906-1953) bekannt gemacht hat. Dazu wertete er über tausend Seiten Gesprächsprotokolle aus, die sich im Archiv des Erzbistums München und Freising befinden. Bei Centa handelt es sich um eine verborgene Sühneseele mit Wundmalen, die sich bereit erklärt hatte, alle Leiden anzunehmen, die der Herr ihr schicken wird. Diese vollkommene Übereignung an den Willen Gottes sollte vor allem den Priestern zugutekommen. Aus dem tiefen geistlichen Reichtum, der daraus erblühte, wählte Bäuml einige Gedanken aus, die als Anregungen für die Fastenzeit dienen können. Seine Ausführungen basieren auf dem Bericht über die Geschichte von Centa Segerer, den er bereits in der August/September-Ausgabe 2024 von „Kirche heute“ veröffentlicht hat. Auf ähnliche Weise hatte er in der November-Ausgabe 2024 auch Mitteilungen der Mystikerin über ihre geheimnisvolle Beziehung zu den Seelen im Fegfeuer zusammengestellt. weiter...

 

Die Beichte – Sakrament der Heilung und der Freude

Der Dienst der Kirche, der Vergebung spendet

Von Angelo Kardinal De Donatis

Msgr. Dr. Carlos Encina Commentz ist Kirchenrechtler und arbeitet an der Apostolischen Pönitentiarie im Vatikan. Sein Buch „Ein guter Beichtvater... von A bis Z“[1] richtet sich nicht nur an Priester, sondern an alle Gläubigen, die ihr christliches Leben vertiefen möchten. Wie das Sakrament der Versöhnung nicht nur gültig, sondern auch fruchtbar gespendet bzw. empfangen werden kann, verdeutlicht der Autor mit einer alphabetischen Liste von Stichwörtern zur Beichte. Nachfolgend das Vorwort von Angelo Kardinal De Donatis. weiter...

 

Die faszinierende Lebensgeschichte des englischen Kardinals Reginald Pole (1500-1558)

Ringen um den päpstlichen Primat

Von Jakob Knab

Studiendirektor Jakob Knab wagt einen Blick auf Reginald Pole (1500-1558). Von diesem englischen Kardinal zeichnet die zeitgenössische Geschichtsschreibung ein äußert ambivalentes Bild. Er wird als „katholischer Brandstifter“ unter Königin Maria I. („Maria der Blutigen“) geradezu zerrissen. Knab stellt klar, dass eine solche Einordnung dieser herausragenden Persönlichkeit nicht gerecht wird. Zugleich erinnert Knab an die Reformbestrebungen von Kardinal Pole, die in vielem den Zielen des zu seiner Zeit entstandenen Jesuitenordens entsprachen. Dennoch verweigerte Pole während seiner Amtszeit dem Jesuitenorden den Zutritt nach England. Seine politische Sensibilität führte ihn zu der Überzeugung, dass die Rekatholisierung des Landes besser ohne den Einsatz international agierender Orden auf den Weg gebracht werden sollte. weiter...

 

Eintauchen in das Geheimnis der Herrlichkeit Gottes

Wenn der Stern erlischt

Von Josef Bordat

Dr. Josef Bordat stellt die Erfahrung der Heiligen Drei Könige als eine „Art Programm für gelingenden christlichen Glaubensvollzug“ vor. Dabei orientiert er sich an Auslegungen von Benedikt XVI. und Edith Stein. Insbesondere geht Bordat auf die Erfahrung des sich verhüllenden Gottes ein, welche jeder Mensch auf dem Weg des Glaubens irgendwie durchmachen muss. Doch neue Sehnsucht und aufrichtiges Suchen führen in die Tiefe. weiter...

 

Würde und Selbstbestimmung in einer Welt der Beziehungen

Ist das Leben nicht schön?

Von Josef Bordat

Ausgehend von dem Film „It‘s a Wonderful Life“, dem weltberühmten amerikanischen Klassiker aus dem Jahr 1946, wirft Dr. Josef Bordat einen Blick auf den Begriff der „Selbstbestimmung“. Der Mensch ist immer in ein Beziehungsgeflecht eingebunden. Als soziales Wesen ist er nicht nur eine unabhängige Person, die sich selber bestimmen kann. Vielmehr trifft es die ganze Menschheit, wenn die Würde eines Einzelnen verletzt wird – am Lebensanfang wie am Lebensende. weiter...

 

Zwei Lebenszeugnisse verfolgter Christen

Im Leid geprüft, im Glauben stark

Von Tobias Lehner, Kirche in Not

Verfolgung will Christen in vielen Teilen der Welt zum Schweigen bringen. Doch immer wieder geschieht das Gegenteil: Die Hingabe verfolgter Christen spricht eindrucksvoll von Mut und Versöhnung. Das belegen zwei eindrucksvolle Zeugnisse aus Pakistan und Nigeria, die das päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) aufgezeichnet hat. weiter...

 

Sein Wahlspruch: „Veritas liberabit vos“ (Joh 8,32)

Martin Lohmann – Leben für die Wahrheit Christi

Von Klaus-Hermann Rössler

Martin Lohmann, der am 24. November 2025 im Alter von 68 Jahren verstorben ist, bleibt als leidenschaftlicher Kämpfer für den katholischen Glauben in Erinnerung. Er hat sich als echter „Martys“ – „Zeuge“ erwiesen. Von diesem griechischen Wort leitet sich bekanntlich unsere Bezeichnung „Märtyrer“ ab. Es sind Menschen, die für ihr Bekenntnis zu Christus sogar den Tod in Kauf genommen haben. Soweit kam es bei Martin Lohmann nicht, doch musste er für seinen kompromisslosen Einsatz insbesondere auf dem Gebiet des Lebensrechts der ungeborenen Kinder Ausgrenzung, Anfeindung und ernste berufliche Nachteile hinnehmen. Gestärkt hat ihn vor allem die freundschaftliche Beziehung zu Joseph Ratzinger, auch während und nach dessen Amtszeit als Papst Benedikt XVI. Das Stift Heiligenkreuz mit ihrer Phil.-Theol. Hochschule Benedikt XVI. schrieb in einem ersten Nachruf über Lohmann: „Immer wieder führte ihn sein Weg zu Veranstaltungen und Begegnungen in unser Stift, wo er durch seine geistige Weite, seine Dialogbereitschaft und seine Liebe zur Kirche bleibende Eindrücke hinterließ. Als langjähriger Kenner und Wegbegleiter von Papst Benedikt XVI. trug er dazu bei, dessen theologisches Erbe lebendig zu halten und ins Gespräch zu bringen.“ In seinem von persönlicher Erfahrung geprägten Beitrag gibt Klaus-Hermann Rössler einen aufschlussreichen Einblick in die Lebensgeschichte von Martin Lohmann. weiter...

 

Die Gottesmutter ermahnt die Welt:

„Betet und bekehrt euch jetzt!“

Von Richard Kocher

Zur Fastenzeit greift Pfarrer Dr. Richard Kocher, Programmdirektor von Radio Horeb, die Botschaft der Gottesmutter von Kibeho in Ruanda auf. Er zitiert den Vizerektor des dortigen Heiligtums, Pater François Harelimana, und lässt seinen Impuls in den Aufruf einmünden: „Betet und bekehrt euch jetzt! Betet für jene, die nicht mehr beten, und lehrt auch andere zu beten!“ weiter...

 

Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 2+3/Februar+März 2026
© Kirche heute Verlags-gGmbH (Altötting)
www.kirche-heute.de

 


[1] Carlos Encina Commentz: Ein guter Beichtvater... von A bis Z, Media Maria 2025, brosch., 128 S., ISBN 978-3-911850-03-2, € 13,95 [D], € 14,40 [A]; www.media-maria.de