April 2026
Liebe Leserinnen und Leser
Von Erich Maria Fink und Thomas Maria Rimmel
Papst Leo XIV. hat ein Jahr des hl. Franz von Assisi ausgerufen, das vom 10. Januar 2026 bis zum 10. Januar 2027 dauert. Damit verbindet er die Einladung an alle Gläubigen, ihr christliches Leben im Geist und nach dem Vorbild des hl. Franziskus zu vertiefen. Diesem Aufruf wollen wir folgen und das Franziskus-Jahr mit Impulsen aus der Weltkirche begleiten, zum Einstieg mit dem Beitrag „Vermählt mit der Herrin Armut“ vom Moskauer Erzbischof Paul Pezzi.
Anlass ist der 800. Todestag des hl. Franziskus, der am 3. Oktober 1226 gestorben ist. In der franziskanischen Familie spricht man vom „Transitus“ des Heiligen, das heißt vom Hinübergang in die andere Welt. Davon geht eine erste Anregung für das Franziskus-Jahr aus. Es ist die Art, wie der Heilige dem Tod entgegengegangen ist, nämlich ohne Angst und in vollkommenem Frieden. Versöhnt, wie er mit der gesamten Schöpfung gelebt hat, konnte er auch den Tod als „Bruder“ willkommen heißen. Gleichzeitig bleibt die Einheit, die Franziskus mit sich und allen verwirklicht hat, auch über seinen Transitus hinaus bestehen. Wir können uns mit der Bitte an ihn wenden, uns zu helfen, sein Charisma für unsere Zeit neu zu entdecken und umzusetzen.
Papst Leo versteht das Jubiläumsjahr aber auch als Fortsetzung des Heiligen Jahres 2025 unter dem Thema Hoffnung. In den Mittelpunkt stellt er die Friedensbotschaft des hl. Franziskus. Sein Leben verweise auf die einzige Quelle des Friedens, nämlich Christus, mit dem er durch seine Wundmale sogar sichtbar eins geworden ist. Die franziskanische Spiritualität sieht im Ideal der Armut, wie Mariateresa Fumagalli von Comunione e Liberazione aufzeigt, die Voraussetzung dafür, dass wir alles allein von Christus erwarten, der unser Friede und unsere Hoffnung ist.
Im Licht dieser vertrauensvollen Hingabe an den Erlöser ist auch der vollkommene Ablass zu verstehen, den wir im Jubiläumsjahr erlangen können. Diese Möglichkeit gewinnt gerade auf dem Hintergrund des Portiunkula-Ablasses, um den sich der Heilige so sehr bemüht hatte, eine besondere Aktualität. Zudem ist ein so populärer Heiliger wie Franziskus ein Gewährsmann für den Ablass überhaupt, dem heute viele kein Verständnis mehr entgegenbringen.
Das Jubiläumsjahr ist in der Geschichte der Kirche aber nicht etwas ganz Neues. Denn vor 100 Jahren hat Papst Pius XI. zum 700-jährigen Todestag ebenfalls ein Franziskus-Jahr ausgerufen. Dazu verfasste er eine eigene Enzyklika mit dem Titel „Rite Expiatis“ – „Mit gebührender Sühne“ (30. April 1926). Gleich zu Beginn bringt er seine Überzeugung zum Ausdruck, dass der hl. Franz von Assisi „von Gott zur Erneuerung der christlichen Gesellschaft aller Zeiten und nicht nur der turbulenten Zeit von damals berufen war“ (Nr. 1). Und er fährt fort: „Es scheint, dass es nie jemanden gegeben hat, in dem das Bild Christi, des Herrn, und die Lebensweise des Evangeliums so klar und deutlich zum Ausdruck gekommen sind wie in Franziskus. Daher wurde er, der sich selbst ‚Herold des großen Königs‘ nannte, zu Recht als zweiter Christus bezeichnet. Denn wie ein auferstandener Christus trat er vor die menschliche Gesellschaft seiner Zeit und alle nachfolgenden Jahrhunderte. Daher kommt es, dass er noch heute vor den Augen der Menschen lebendig ist und für alle Nachwelt bleiben wird“ (Nr. 2).
Liebe Leserinnen und Leser, von Herzen wünschen wir Ihnen den Frieden und die Freude des Auferstandenen, damit in Ihnen der ehrliche Wunsch wachsen kann, „unbewaffnete und entwaffnende Zeugen des Friedens“ zu werden, wie es Papst Leo formuliert hat. Bitte denken Sie an unser Apostolat, in dem wir ganz auf Ihre Spenden angewiesen sind. Möge es Ihnen Gott reichlich vergelten und Ihnen auf die Fürsprache der glorreichen Himmelskönigin eine gesegnete und frohe Osterzeit schenken!
Zum Jahr des hl. Franz von Assisi anlässlich seines 800. Todestags
Vermählt mit der Herrin Armut
Von Erzbischof Paul Pezzi, Moskau
Nach der Überlieferung ist der hl. Franziskus am 3. Oktober 1226 in der Portiuncula-Kapelle unterhalb der Stadt Assisi gestorben. Diesen 800. Todestag hat die franziskanische Gemeinschaft zum Anlass genommen, ein besonderes Jubiläumsjahr zu begehen. Dem hat sich Papst Leo XIV. angeschlossen und für die ganze Kirche ein Franziskus-Jahr vom 10. Januar dieses Jahres bis zum 10. Januar 2027 ausgerufen. Er ruft dazu auf, dieses Jubiläum zur geistlichen Erneuerung im Geist des Evangeliums zu nützen. Sehr gut passt zu dieser weltkirchlichen Initiative eine Publikation über den heiligen Franziskus in russischer Sprache. Verfasst wurde das Buch „Franziskus und seine Brüder“ von Olga Sedakowa, die der Russisch-Orthodoxen Kirche angehört. Erzbischof Paul Pezzi, der katholische Metropolit von Moskau, hielt bei der Präsentation des Buches am 21. Januar 2026 einen Vortrag, den wir nachfolgend in deutscher Übersetzung wiedergeben. weiter...
Papst Leo XIV.: „Das Leben des hl. Franziskus verweist auf die echte Quelle des Friedens“
Die poetische Natur des Gehorsams
Von Mariateresa Fumagalli
Um den Gehorsam des hl. Franz von Assisi zu charakterisieren verwenden franziskanische Kommentatoren oder auch Luigi Giussani (1922-2005), der Gründer der Bewegung „Comunione e Liberazione“ (italienisch für „Gemeinschaft und Befreiung“) den Begriff der „Poetizität“. Mit der poetischen Natur des Gehorsams ist eine zentrale spirituelle Haltung des hl. Franz von Assisi gemeint, nämlich sein Gehorsam als poetische, kreative und freudige Nachfolge Christi, die nicht rigide oder mechanisch ist, sondern von innerer Freiheit, Schönheit und evangeliumsgemäßer Tiefe geprägt ist. Franziskus lebte den Gehorsam nicht als bloße Unterwerfung unter Autoritäten, sondern als harmonische Imitation des Evangeliums, die das Leben in Armut, Keuschheit und Gehorsam zu einem „Lied“ der Schöpfung macht (vgl. Sonnengesang). Mariateresa Fumagalli, Mitglied der Bewegung „Comunione e Liberazione“ und Mitarbeiterin des Kulturzentrums „Pokrowskije Worota“ in Moskau, geht auf die entscheidenden Akzente ein, die bei der Vorstellung des Buchs „Franziskus und seine Brüder“ von Olga Sedakowa am 21. Januar 2026 herausgearbeitet worden sind. weiter...
Bezeugen, was es mit Ostern auf sich hat
Unglaublich, aber wahr
Von Josef Bordat
Dr. Josef Bordat lädt uns ein, Ostern mit größter Freude und mit der vollkommenen Überzeugung zu feiern, dass die Auferstehung Jesu von den Toten eine historische Tatsache ist, ein Ereignis auf dem wir unseren Glauben wirklich aufbauen können. Dazu macht er sich Gedanken über die Nachricht von der Auferstehung und die Einwände, die seit 2000 Jahren gegen den Wahrheitsgehalt dieser Botschaft vorgebracht werden. Für Bordat ist es wichtig, dass wir nicht nur intellektuell die Glaubwürdigkeit der Berichte vom leeren Grab und den Erscheinungen des Auferstandenen feststellen, sondern dass wir die aktuelle Bedeutung dieser Ereignisse für uns, nämlich „die Dimension des unendlichen Heils im Ewigen Leben“, entdecken. weiter...
Zur Friedensbotschaft von Papst Leo XIV.
Hin zu einem „unbewaffneten und entwaffnenden Frieden“
Interview mit Bischof Christian Carlassare, Bentiu/Südsudan
Papst Leo XIV. hat die Welt dazu aufgerufen, das Wagnis zu einem „unbewaffneten und entwaffnenden Frieden“ einzugehen. Darin besteht letztlich die große Herausforderung der christlichen Botschaft. Es ist ein Weg, der einerseits viel Geduld und Ausdauer verlangt, andererseits ohne selbstlose Liebe und echte Versöhnungsbereitschaft nicht möglich ist. Wie die katholische Kirche im krisengeschüttelten Afrika die Saat des Friedens ausstreut, beschreibt der italienische Missionsbischof Christian Carlassare, der seit 2005 im Südsudan tätig ist. Zwischen Hoffnung und Bangen erlebt er die humanitäre Katastrophe, die durch den Bürgerkrieg im benachbarten Sudan ausgelöst worden ist. Seit 2023 stehen sich zwei Machtblöcke gegenüber, die schwere Gräueltaten und Kriegsverbrechen verüben. So hat der Konflikt das Land in die größte Vertreibungskrise gestürzt, die die Welt derzeit erlebt. Dabei finden die Worte von Papst Leo einen tiefen Widerhall in den Herzen der notleidenden Bevölkerung. weiter...
Jetzt besitzt Paul Badde (1948-2025) den Schatz im Acker
Spurenleser der Erlösung
Von Klaus-Hermann Rössler
Am 10. November 2025 ist der katholische Journalist Paul Badde kurz nach Mitternacht in der italienischen Abruzzenstadt Manoppello verstorben. Dort hatte er das „Santo Volto“, die Reliquie des Heiligen Antlitzes, entdeckt und weltweit bekannt gemacht. Seine erste Publikation „Das göttliche Gesicht. Auf der Suche nach dem wahren Antlitz Jesu“ von 2005 erfuhr mehrere Erweiterungen. Auf seine Initiative hin pilgerte 2006 sogar Papst Benedikt XVI. zum Heiligtum in Manoppello. Auf seiner Spurensuche hob Badde verschiedene Schätze ans Licht und brachte sie mit Bestsellern wie „Maria von Guadalupe. Wie das Erscheinen der Jungfrau Maria Weltgeschichte schrieb“ (2004) oder „Die Lukas-Ikone. Roms verborgenes Weltwunder“ (2024) den heutigen Menschen nahe. In seinem Nachruf zeichnet Klaus-Hermann Rössler das Leben von Paul Badde nach, das letztlich ein ergreifendes Zeugnis der Gnade Gottes darstellt. weiter...
Zum Internationalen Frauentag am 8. März
Was wollen Frauen wirklich?
Von Alexandra Maria Linder, Bundesverband Lebensrecht e.V.
Mit Blick auf die Entscheidung der EU-Kommission, für die Bezahlung von Abtreibungen im EU-Ausland ausgerechnet einen Sozialfonds zu empfehlen (ESF+), wird einmal mehr klar, dass es Abtreibungsverfechtern nicht um Menschen geht, sondern lediglich um die Durchsetzung einer Ideologie, die mit der Lage und den Bedürfnissen der Betroffenen nichts zu tun hat. weiter...
Der englische Blutzeuge Edmund Campion SJ (1540-1581)
„Saat im Sturm“
Von Jakob Knab
1970 hat Papst Paul VI. den Blutzeugen Edmund Campion SJ (1540-1581) als einen der 40 Märtyrer von England und Wales heiliggesprochen. Zunächst hatte Campion den Suprematseid auf die englische Krone als Oberhaupt der Kirche von England geleistet, wandte sich dann aber aus innerer Überzeugung der katholischen Kirche zu. Studiendirektor Knab skizziert seine abenteuerliche Lebensgeschichte, die ihn zum Jesuitenorden in Rom und schließlich wieder zurück nach England führte. Nach seiner Verhaftung wäre er verschont worden, wenn er dem katholischen Glauben abgeschworen hätte. Trotz schwerer Folter blieb er standhaft und wurde grausam hingerichtet. „Saat im Sturm“ heißt die erste deutsche Übersetzung seiner Biografie, die Evelyn Waugh, selbst Konvertit, 1935 herausgebracht hat. Sie gilt heute als eines der stilistisch brillantesten Beispiele für hagiografische Literatur des 20. Jahrhunderts. weiter...
Die Spiritualität der „Inscriptio cordis in cor“ als Weg zu wahrer Freiheit
Das Ende der Angst
Von Klaus-Hermann Rössler
Der deutsche Pallotinerpater Josef Kentenich (1885-1968) ließ sich ganz von der göttlichen Vorsehung leiten. Im aufmerksamen Hinhören auf den Willen Gottes rief er die sog. Schönstattbewegung ins Leben und formte nach und nach deren Spiritualität aus. Die höchste Form der Liebe sah er in der vollkommenen Auslieferung seiner selbst an den liebenden Vaterwillen Gottes. Er prägte dafür den Begriff „Inscriptio“, der in diesem Zusammenhang das Eingeschriebensein im Vaterherzen Gottes bedeutet. Klaus-Hermann Rössler zeigt auf, wie eindrücklich P. Kentenich selbst diese Inscriptio-Spiritualität umgesetzt und darin eine höchste Form von innerer Freiheit erlangt hat. Gleichzeitig ist Rössler überzeugt, dass dieser Weg, der im Neuen Testament verwurzelt ist, über die Schönstattbewegung hinaus Bedeutung hat. Er sieht darin einen Schatz, der jedem Christen zu empfehlen ist. „Inscriptio“ bedeutet für ihn das Ende der Angst. weiter...
Krieg in Nahost: Christen vor dem Aus?
Von Tobias Lehner/KIRCHE IN NOT
„Eine weitere Eskalation könnte das Aus für die Christen im Nahen Osten bedeuten.“ Mit diesen Worten warnte Florian Ripka, Geschäftsführer von „Kirche in Not“ Deutschland, angesichts des neuen Kriegs im Nahen Osten. Nicht nur der Iran ist betroffen, sondern die gesamte Region. Dieser Artikel entstand wenige Tage nach Kriegsbeginn; niemand kann absehen, wie sich die Lage entwickelt. Aber eines steht schon jetzt fest: Die Folgen sind fatal – auch für die christlichen Minderheiten im Nahen Osten. weiter...
Reflexionen nach der letzten Versammlung des Synodalen Weges
Bischof Oster bleibt kritisch
Von Werner Schiederer
Der Passauer Bischof Dr. Stefan Oster SDB hat nach seiner Teilnahme an der sechsten und letzten Versammlung des Synodalen Weges in Deutschland vom 29. bis 31. Januar 2026 seine kritische Haltung bestätigt. Seiner Meinung nach überwiegen die problematischen Auswirkungen die positiven. Zu letzteren zählt er persönliche Begegnungen und den öffentlichen Druck zur Bearbeitung des Missbrauchsskandals, der Prävention, Intervention und transparente Aufarbeitung vorantreibe. Betroffene blieben präsent, der Skandal als Ausgangspunkt hilfreich. Dennoch bleibe der Weg für Glaube und Kirche problematisch. Seine Stellungnahme in Stichpunkten zusammengefasst. weiter...
Archimandrit Nestor Somenok (1957-2023) – ein begnadeter Dozent
Mutiger Weg in die Moderne
Von Dionisij Martyschin und Pawel Botschkow
Der russisch-orthodoxe Archimandrit Nestor Somenok (1957-2023) hat als Professor an der Kiewer Theologischen Akademie und am Seminar (KDAiS) der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK) jahrzehntelang künftige Theologen und Hirten geprägt. Als Historiker erkannte er die Notwendigkeit einer Rückbindung an die Tradition und zugleich einer neuen Ausrichtung der Verkündigung an der Moderne. Es ist sein Verdienst, dass er den Wiederaufbau der orthodoxen Einrichtungen nach dem Zusammenbruch des sowjetischen Regimes mit ausgewogener Weitsicht in eine zukunftsfähige Richtung lenkte – konservativ in der Rückkehr zu den Wurzeln, mutig im Aufbruch zur Teilnahme an der heutigen Kommunikationskultur. Die beiden russisch-orthodoxen Gelehrten Dr. Dionisij Martyschin (Denys Martyshyn) und Dr. habil. Pawel Botschkow (Pavel Bochkov) stellen den außerordentlichen Historiker vor, den sie als „inspirierten Diener der Kirche“ bezeichnen. Archimandrit Nestor war nicht in der Ökumene engagiert, hatte als Historiker aber immer die ganze christliche Kirche im Blick. So kann sein Lebenszeugnis auch der Westkirche inspirierende Impulse geben. weiter...
Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 4/April 2026
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