Mai 2026

Liebe Leserinnen und Leser

Von Erich Maria Fink und Thomas Maria Rimmel

Der Monat Mai lenkt unseren Blick auf Maria, die Mutter des Herrn. Am 11. April 2026 leitete Papst Leo XIV. im Petersdom ein Rosenkranzgebet für den Frieden. Mit großem Nachdruck hatte er die ganze Weltkirche aufgerufen, sich dieser Gebetswache anzuschließen. Zum Abschluss richtete er an die Welt einen flammenden Friedensappell, den er in ein Gebet an Jesus, den Herrn des Lebens, einmünden ließ. Darin bittet er angesichts des „Wahnsinns des Krieges“: „Erfülle uns mit dem Vertrauen Mariens, deiner Mutter, die mit gebrochenem Herzen unter deinem Kreuz stand, unerschütterlich im Glauben an deine Auferstehung.“

Nachdem er den Verirrungen unserer Zeit die Ideale des Evangeliums gegenübergestellt hatte, erklärte er: „Der Rosenkranz hat uns heute Abend, wie andere altüberlieferte Gebetsformen auch, in seinem regelmäßigen, auf Wiederholung beruhenden Rhythmus vereint: So bahnt sich der Friede seinen Weg, Wort für Wort, Geste für Geste, so wie steter Tropfen den Stein höhlt, so wie das Gewebe im Webstuhl mit jeder neuen Reihe weiterwächst. Es sind die langsamen Zeiten des Lebens, ein Zeichen der Geduld Gottes.“

Eindringlich ermahnte er die Gläubigen: „Kehren wir mit dem Vorsatz nach Hause zurück, stets und unermüdlich zu beten und eine tiefe Bekehrung des Herzens zu vollziehen.“ Und er betont: „Das Gebet ist nämlich kein Zufluchtsort, um uns unserer Verantwortung zu entziehen, es ist kein Betäubungsmittel, um den Schmerz zu vermeiden, den so viel Ungerechtigkeit auslöst. Es ist vielmehr die selbstloseste, umfassendste und wirkungsvollste Antwort auf den Tod: Wir sind ein Volk, das bereits aufersteht!“

Was wir erleben, entspringt nach Papst Leo der „teuflischen Fessel des Bösen“, die es durch das Gebet zu sprengen gelte. „Mit den unendlichen Möglichkeiten Gottes“ hätten wir einen „Damm gegen jene Allmachtsphantasien, die um uns herum immer unberechenbarer und aggressiver werden“. Wer sich dem „Tod unterworfen“ habe, mache „sich selbst und seine eigene Macht zum … Götzen, dem alle Werte geopfert werden und der verlangt, dass die ganze Welt vor ihm die Knie beugt“. Und der Papst klagt, dass „man weiter kreuzigt und Leben vernichtet, ohne Recht und ohne Gnade“. Und bei „fortwährender Verletzungen des Völkerrechts“ würden „Aufrüstung geplant und tödliche Maßnahmen beschlossen“.

Der Friede Christi, „die Frucht seines Liebesopfers am Kreuz“, sei keine Utopie. Und Papst Leo erinnert uns an unsere unaufgebbare Sendung: „Die Kirche ist ein großes Volk im Dienst der Versöhnung und des Friedens!“ Und darin lässt sich auch Papst Leo selbst nicht beirren. Als Präsident Donald Trump die Aussagen des Papstes auf sich bezog und ihn in aller Öffentlichkeit attackierte, gab Papst Leo zur Antwort: „Die Botschaft des Evangeliums ist ganz klar: ,Selig sind die Friedfertigen.‘ Ich werde mich nicht scheuen, die Botschaft des Evangeliums zu verkünden. Meine Botschaft auf eine Stufe mit dem zu stellen, was der Präsident hier zu tun versucht, bedeutet, die Botschaft des Evangeliums nicht zu verstehen. Und es tut mir leid, das zu hören, aber ich werde weitermachen mit dem, was ich für die Mission der Kirche halte.“

Liebe Leserinnen und Leser, wir haben in dieser Ausgabe wertvolle Impulse zusammengestellt, die uns helfen können, unsere Beziehung zur Gottesmutter zu vertiefen, uns am Beispiel engagierter Christen zu orientieren und uns mit der Kraft des Heiligen Geistes für Versöhnung und Frieden einzusetzen. So wünschen wir Ihnen eine fruchtbare Lektüre und sagen Ihnen für Ihre Spenden, auf die wir sehr angewiesen sind, ein aufrichtiges Vergelt’s Gott! Möge Ihnen Gott auf die Fürsprache Mariens, der Königin des Friedens, eine gesegnete Osterzeit und zu Pfingsten eine reiche Ausgießung des Heiligen Geistes schenken!

 

Marianisches Jubiläumsjahr vom 10. Dezember 2025 bis 10. Dezember 2026

100 Jahre Pontevedra – Bedeutung für heute

Von Beate Jobst

Am 10. Dezember 2025 wurde in Pontevedra ein Marianisches Jubiläumsjahr eröffnet, das vom Heiligen Stuhl offiziell mitgetragen wird. Anlass sind die Erscheinungen im dortigen Kloster, welche im Jahr 1925 stattgefunden haben und als Fortsetzung der Ereignisse von Fatima in den Jahren 1916 und 1917 kirchlich anerkannt sind. Zum Auftakt der Jubiläumsfeier fand vom 5. bis 12. Dezember 2025 in Fatima ein Internationaler Theologisch-Pastoraler Kongress zum Thema „Das Heiligste Herz Jesu und das Unbefleckte Herz Mariens“ statt, der in eine Wallfahrt nach Pontevedra und Santiago de Compostela, Spanien, einmündete. So konnten die Teilnehmer am 10. Dezember 2025 den 100. Jahrestag der Erscheinung der Muttergottes und des Jesuskindes vor Schwester Lucia sowie die Eröffnung des Jubiläumsjahres in Pontevedra mitfeiern. In ihrem Beitrag berichtet Beate Jobst von den Veranstaltungen und stellt die Bedeutung der Botschaft von Pontevedra für die heutige Zeit heraus. weiter...

 

Die Bedeutung der Gottesmutter für den priesterlichen Dienst

Maria – „persona Ecclesiae“

Von Erich Maria Fink

Der katholische Erzbischof der Erzdiözese der Gottesmutter von Moskau, Metropolit Dr. Paul Pezzi, hat im Februar dieses Jahres Exerzitien für die Priester seines Erzbistums gehalten. Als Thema wählte er den ersten Brief des hl. Apostels Paulus an die Korinther. Zum Einstieg aber legte er seinen Priestern eine lebendige Beziehung zur Gottesmutter ans Herz und ließ seine Betrachtung in das marianische „Heimat-Lied“ einmünden, das Pater Josef Kentenich während des Zweiten Weltkriegs im Konzentrationslager Dachau verfasst hatte. Die theologische Grundlage für seinen marianischen Impuls bildete das Verständnis der bräutlichen Beziehung zwischen Christus und der Kirche als „Ehebund“. Der Beitrag von Pfr. Erich Maria Fink, der an den Exerzitien teilgenommen hat, basiert auf den Vorträgen des Erzbischofs. Mit dessen Zustimmung hat er einige Auszüge, die er zum großen Teil in wörtlicher Übersetzung wiedergibt, zusammengestellt. weiter...

 

Auch die Himmelskönigin sagte ihr „Ja“ in Freiheit

Tun, wozu Gott uns braucht

Von Josef Bordat

Für Dr. Josef Bordat ist Maria die Proto-Christin, die erste Christin, sowohl in der Hierarchie der Heiligen als auch in der Chronologie der Heilsgeschichte; denn sie steht „am Beginn der historischen Manifestation Gottes“ in seiner Menschwerdung. Durch ihr freies „Ja“ zum Willen des Dreifaltigen Gottes konnte Maria Jesus in die Welt bringen. Ein solches „Ja“ wird auch von uns Christen ständig verlangt, so Bordat. Christsein bedeute marianisch sein. Und um zur „bräutlichen Zustimmung“ befähigt zu werden, habe die Gottesmutter den „Segen der Sündenfreiheit“ erhalten. Eine Betrachtung zum Marienmonat Mai. weiter...

 

Rosenkranz für den Frieden mit Papst Leo XIV.

„Wahre Stärke zeigt sich im Dienst am Leben“

Von Papst Leo XIV.

Mit seinem Friedensappell bei der Gebetsvigil am 11. April 2026 im Petersdom löste Papst Leo XIV. ein weltweites Medienecho aus. Das hat er vor allem dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu „verdanken“, der sich vom Papst persönlich angesprochen und angegriffen fühlte. Auf seine harsche Kritik antwortete der Papst sehr gefasst, nämlich bei der Pressekonferenz auf dem Flug nach Algerien. Auch der Vatikan reagierte überraschend direkt und ausführlich. Der Jesuitenpater Antonio Spadaro, der frühere Chefredakteur der Jesuitenzeitschrift „La Civiltà Cattolica“ und jetzige Untersekretär des Dikasteriums für die Kultur und die Bildung, bezeichnete die Attacken des US-Präsidenten als „Deklaration der Ohnmacht“. weiter...

 

Klare Worte von Bischof Dr. Bertram Meier zu brennenden Fragen

Eins in Christus

Interview mit Bischof Dr. Bertram Meier, Augsburg

Für den katholischen Fernsehsender K-TV führte Pfarrer Dr. Thomas Maria Rimmel, der als Geistlicher Assistent für den Sender freigestellt ist, mit seinem Heimatbischof Dr. Bertram Meier, also dem Diözesanbischof in Augsburg, ein ausführliches Interview. Das Treffen fand in Rom statt, wo sich Bischof Meier als Mitglied des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen und als Mitglied des Dikasteriums für den Interreligiösen Dialog, aber auch als Emissär der Deutschen Bischofskonferenz für den Campo Santo Teutonico regelmäßig aufhält. Themen waren die Lage im Nahen Osten, der Synodale Weg in Deutschland und das 500-Jahr-Jubiläum der „Confessio Augustana“ im Jahr 2030, auf das wir mit großen Schritten zugehen. weiter...

 

Zur ökologischen Spiritualität des hl. Franz von Assisi

Im Zentrum steht das Seelenheil

Von Josef Bordat

Aus Anlass des Franziskus-Jahres, das Papst Leo XIV. vom 10. Januar 2026 bis zum 10. Januar 2027 ausgerufen hat, geht Dr. Josef Bordat wichtigen Linien franziskanischer Spiritualität nach. Der Heilige von Assisi steht heute vor allem für ein harmonisches Miteinander von Mensch und Natur. In seinem berühmten „Sonnengesang“ stimmt er einen Lobpreis auf Gottes gute Schöpfung an, wobei er die Erde mit ihrer Natur personalisiert und zu ihr in eine geschwisterliche Beziehung tritt. Doch habe der hl. Franz von Assisi die negative Rückwirkung der menschlichen Naturnutzung noch nicht bedacht. Sein Ansatz eigne sich deshalb nicht als „Präambel eines umwelt- und klimaethischen Programms“. Dies sei auch Papst Franziskus klar gewesen, als er mit seiner Enzyklika Laudato Si‘ an den „Sonnengesang“ angeknüpft habe. Wir hätten als Christen immer den Schöpfer im Blick, dem wir danken und dem wir „in großer Demut dienen“. weiter...

 

Wegbereiter des hl. John Henry Newman als Kirchenlehrer

Werner Becker – ein „stiller Held“

Von Jakob Knab

Der aus Mönchengladbach stammende Werner Becker C.O. (1904-1981) hatte als junger Priester vor dem Zweiten Weltkrieg im Oratorium des hl. Philipp Neri seine geistliche Heimat gefunden (die übliche Abkürzung für die Mitglieder des Oratoriums lautet C.O. für „Congregatio Oratorii“). Zusammen mit dem Tübinger Theologen Heinrich Fries, Professor für Fundamentaltheologie und ökumenische Theologie, rief er die Deutsche Newman-Gesellschaft ins Leben und gab die entscheidenden Anstöße für die deutsche Newman-Rezeption. Mit anderen Newman-Forschern war er schon im vorigen Jahrhundert der Überzeugung, dass dieser außergewöhnliche Gelehrte und Denker aus England ein echter Kirchenlehrer („doctor ecclesiae“) ist. Interessanterweise war das Engagement von Werner Becker immer sehr eng mit der Ökumenischen Bewegung verbunden. Studiendirektor Jakob Knab, der Werner Becker C.O. vorstellt, nennt ihn einen „stillen Helden“. weiter...

 

Irene Harand – eine unbequeme Gegnerin des Nationalsozialismus

„Ihr Kampf“

Von Piotr Solbach

Die Österreicherin Irene Harand (1900-1975) war eine außergewöhnliche Widerstandskämpferin. Sie legte sich mit Hitler an und kämpfte furchtlos gegen den Nationalsozialismus. Insbesondere lehnte sie jede Form von Antisemitismus ab, in dem sie eine Schändung des Christentums sah. Ihr politisches und publizistisches Engagement war tief im katholischen Glauben verwurzelt. Geprägt von einem starken Gerechtigkeitssinn entwickelte sie ein pazifistisches und kosmopolitisches Weltbild, das besonders die Rechte der Frauen im Blick hatte. Ihr bekanntestes Werk ist das 1935 erschienene Buch „Sein Kampf – Antwort an Hitler“, in dem sie Hitlers „Mein Kampf“ Punkt für Punkt widerlegte und vor den Folgen seiner Ideologie warnte. Ihr Mann Frank Harand unterstützte sie zeitlebens bei ihrem politischen Kampf, den sie auch nach der Flucht in die USA 1938 fortsetzte. Ihre Ehe blieb kinderlos. weiter...

 

Was Online-Kommunikation nie ersetzen kann

Die Bedeutung wirklicher Begegnung

Von Alexander Gapko

Der russisch-orthodoxe Priester Alexander Gapko (geb. 1993) betreut die Kirche des hl. Sergius von Radonesch in Semchos bei Sergijew Possad. Diese wurde an der Stelle errichtet, an welcher der bekannte Erzpriester Alexander Men am 9. September 1990 mit 55 Jahren ermordet worden war. Dessen Erbe fühlt sich Alexander Gapko, der am 13. Juni 2022 die Priesterweihe empfangen hat, verpflichtet. In seinem Beitrag lenkt er seinen Blick auf die Gefahr, durch die digitalen Kommunikationsmöglichkeiten das Gespür für die Bedeutung wirklicher Begegnungen von Angesicht zu Angesicht zu verlieren. Sakramente könne man nur im Rahmen realer Anwesenheit empfangen. Eine Lossprechung per Telefon oder Messenger-Dienst ist nach kirchlichem Verständnis nicht möglich. Umgekehrt habe jede wirkliche Begegnung in gewissem Sinn sakramentalen Charakter, da in ihr Gott selber gegenwärtig werde. Die virtuelle Welt könne diese geistliche Wirklichkeit nie ganz ersetzen. weiter...

 

Warum ein dreifaltiger Gott das Universum schafft

Wie ein Brunnen fließt er über

Von Klaus Einsle LC

P. Klaus Einsle LC, geb. 1968, studierte zunächst Musik, trat 1991 der Ordensgemeinschaft der Legionäre Christi bei und wurde 2001 zum Priester geweiht. In seinem Buch „Einmal Gott und zurück“ (2026)[1] will er „den Glauben in seiner anziehenden Schönheit und für jeden verständlichen Einfachheit, seiner umformenden Kraft und lebensgestaltenden Forderung wie seiner überzeugenden Echtheit vorstellen“. Einige Sätze aus seiner Hinführung zum „Inneren der Dreifaltigkeit Gottes“. weiter...

 

Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 5/Mai 2026
© Kirche heute Verlags-gGmbH (Altötting)
www.kirche-heute.de

 


[1] Klaus Einsle LC: Einmal Gott und zurück. Kleiner katholischer Glaubenskurs, Media Maria 2026, geb., 120 S., 15,50 € (D), 16,00 € (A), ISBN 978-3-911850-08-7; www.media-maria.de