Die letzten drei Nummern von Kirche heute sind jeweils noch nicht online gestellt.
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August-September 2026
Liebe Leserinnen und Leser
Von Erich Maria Fink und Thomas Maria Rimmel
Durch die gesamte Geschichte der Kirche hindurch zieht sich ein unerbittliches Ringen um ihre Einheit. Der hl. Apostel Johannes hat uns in seinem Evangelium das Hohepriesterliche Gebet überliefert, in dem der Sohn Gottes selbst zum Vater fleht: „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast“ (Joh 17,21). Und im Buch der Offenbarung lässt uns derselbe Apostel an seinen prophetischen Visionen teilhaben, die den „Krieg“ beschreiben, den der Widersacher Gottes gegen die Kirche führt: „Der Drache verfolgte die Frau, die den Sohn geboren hatte. ... Er geriet in Zorn über die Frau und er ging fort, um Krieg zu führen mit ihren übrigen Nachkommen, die den Geboten Gottes gehorchen und an dem Zeugnis für Jesus festhalten“ (Offb 12,13.17).
Die Offenbarung des Johannes ist ein Buch des Trostes, das uns den endgültigen Sieg des Reiches Gottes verheißt. Aber es öffnet uns die Augen auch für diesen Kampf der Mächte des Bösen gegen das von Gott eingesetzte Werkzeug der Erlösung, nämlich die Kirche. Den größten Schaden kann ihr „die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt“ (Offb 12,9), durch Spaltung zufügen. Denn nach den Worten Jesu hängt es von ihrer Einheit ab, ob die Welt zum Glauben an ihn gelangen kann oder nicht. Und das wiederum ist entscheidend für das ewige Heil.
Der Kampf um die Einheit war immer schon ein Ringen um die Wahrheit. Dabei ist das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Positionen geradezu notwendig, um die Kirche voranzubringen. Immer haben konstruktive Auseinandersetzungen der Kirche neue Wege in die Zukunft eröffnet. Fruchtbar geworden sind aber nur diejenigen Impulse oder Aufbrüche, die bei allem leidenschaftlichen Einsatz für ihre Ziele die Einheit mit der Kirche bewahrt haben. Das verlangt einen Geist des Gehorsams. Und wie der hl. Apostel Paulus hervorhebt, ist es allein der Gehorsam, mit dem Christus die Welt erlöst hat und der zur Erlösung beitragen kann.
Das Schisma, das die Piusbruderschaft mit ihren Bischofsweihen am 1. Juli 2026 heraufbeschworen hat, atmet nicht den Geist Christi. Gewonnen hat der „Auseinanderwerfer“. Wir haben bewusst P. Engelbert Recktenwald von der Petrusbruderschaft gebeten, zu den jüngsten Ereignissen Stellung zu nehmen. Denn die Priesterbruderschaft St. Petrus hat sich 1988 für den Geist des Gehorsams entschieden, obgleich sie die Anliegen der Piusbruderschaft sehr gut nachvollziehen kann. Wenn die Kirche nun die schismatischen Bischöfe, Priester und Gläubigen einlädt, in den Schoß der Kirche zurückzukehren, hat besonders die Stunde der Petrusbruderschaft geschlagen. Ihre Haltung zum Petrusamt, also zu den amtierenden Päpsten, und zur Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils kann als richtungsweisend betrachtet werden.
Ganz anders steht die Einheit der Kirche durch den „Synodalen Weg“ in Deutschland auf dem Spiel. Der bekannte Pastoraltheologe Prof. Dr. Andreas Wollbold geht in seinem Interview auch auf die klare Ablehnung der Laienpredigt in der Eucharistiefeier durch den Vatikan ein. Die jüngsten Aufrufe zum Ungehorsam führen nicht weiter. Und sehr gut zum Thema Einheit passt das ausführliche Interview, das K-TV mit dem zuständigen Kurienkardinal Kurt Koch über Ökumene bei Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. geführt hat.
Liebe Leserinnen und Leser, besondere Aufmerksamkeit haben wir auch Erzbischof Fulton J. Sheen gewidmet, der am 24. September 2026 seliggesprochen wird. Diesem großen Medienapostel vertrauen wir unsere Zeitschrift an. Und Ihnen legen wir ans Herz, „Kirche heute“ mit einer kräftigen Spende zu unterstützen (IBAN: DE46 7116 0000 0001 1905 80, BIC: GENODEF1VRR), damit wir unser Apostolat weiterführen können. Für eine fruchtbare Lektüre wünschen wir Ihnen Gottes reichsten Segen auf die Fürsprache Mariens, der Königin des Friedens.
Pastoraltheologe Wollbold: Die Zukunft ist eine selbstbewusste Volkskirche
„Die Herzen gewinnen!“
Interview mit Andreas Wollbold
Am 30. Juni 2026 hat der bekannte und überaus vielseitige Inhaber des Lehrstuhls für Pastoraltheologie an der Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, Professor Dr. Andreas Wollbold, eine bemerkenswerte programmatische Abschiedsvorlesung gehalten. Sie trug den Titel „Die Kirche und die Leute. Anfängliche Überlegungen zu einer selbstbewussten Volkskirche“. Wiederholt hat Prof. Wollbold dazu ermutigt, der Weiterentwicklung einem Kahlschlag den Vorzug zu geben. Sein Ideal der Gemeindepastoral lautet: „Gut katholisch und ganz vernünftig“. Anlässlich seines bevorstehenden Eintritts in den Ruhestand hat Klaus-Hermann Rössler mit Prof. Wollbold ein ausführliches Interview zur kirchlichen Lage geführt. Einleitend wirft er einen Blick auf den Lebensweg von Prof. Wollbold. weiter...
Verständnis von Ökumene bei Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.
Leidenschaft für die Einheit
Interview mit Kurt Kardinal Koch
Kurt Kardinal Koch ist als langjähriger Ökumene-Minister der Weltkirche bekannt. Bereits 2010 hatte ihn Papst Benedikt XVI. zum Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen ernannt. 2022 wurde seine Behörde in ein sog. „Dikasterium“ und seine Leitungsaufgabe in das Amt eines „Präfekten“ umbenannt. Gleichzeitig ist Kurienkardinal Koch einer der besten Kenner des theologischen Erbes von Joseph Kardinal Ratzinger bzw. Papst Benedikt XVI., der ihm vor seinem Tod die Leitung seiner theologischen Schülerkreise übertragen hat. Im nachfolgenden Gespräch mit dem katholischen Fernsehsender K-TV geht es darum, wie Kardinal Koch die ökumenischen Bemühungen von Kardinal Ratzinger/Benedikt XVI., erlebt hat. Das Interview führte Pfarrer Dr. Thomas Maria Rimmel, der geistliche Assistent von K-TV. weiter...
Die Piusbruderschaft hat sich ins kirchliche Abseits katapultiert
Kann es ein „katholisches Schisma“ geben?
Von Engelbert Recktenwald FSSP
Die traditionalistische Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) hat am 1. Juli 2026 ohne päpstliches Mandat im schweizerischen Écône vier neue Bischöfe geweiht. Dieser Akt zog die Exkommunikation der Beteiligten durch den Vatikan nach sich. Damit befindet sich die Piusbruderschaft endgültig im Schisma, welches sich seit Jahrzehnten anbahnte und die letzten Päpste mit großer Geduld zu überwinden versuchten. Es begann mit den ersten Bischofsweihen am 30. Juni 1988 durch Erzbischof Marcel Lefebvre ebenfalls in Écône. Damals wandten sich zwölf Priester und einige Seminaristen von der Bewegung ab und gründeten noch im selben Monat die Priesterbruderschaft St. Petrus (FSSP), welche am 18. Oktober 1988 von Papst Johannes Paul II. als Gesellschaft apostolischen Lebens errichtet wurde. Zu den Priestern, die am 18. Juli 1988 in der Schweizer Zisterzienserabtei Hauterive den Gründungsakt vollzogen, gehörte P. Engelbert Recktenwald (FSSP), geb. 1960 und 1985 zum Priester geweiht. In seinem Beitrag versucht er, die jüngsten Ereignisse aus der Sicht der Petrusbruderschaft einzuordnen, die vollständig in der hierarchischen Struktur und Gemeinschaft mit dem Papst steht, was sie klar von der Piusbruderschaft unterscheidet. weiter...
Zur Seligsprechung des Medienapostels am 24. September 2026 in St. Louis
Wer war Erzbischof Fulton Sheen?
Von Anian Christoph Wimmer
Eigentlich sollte der für sein Medienapostolat bekannte US-Erzbischof Fulton Sheen bereits am 21. Dezember 1919 in der Kathedrale der Heiligen Maria von der Unbefleckten Empfängnis in Peoria seliggesprochen werden. Doch wurde das Verfahren aufgrund von Rechtsstreitigkeiten um seine sterblichen Überreste und weiteren Diözesanuntersuchungen ausgesetzt und erst Anfang 2026 wieder aufgenommen. Der Vatikan gab nun offiziell bekannt, dass Erzbischof Fulton Sheen am Donnerstag, 24. September 2026, im Football-Stadion The Dome at America‘s Center in St. Louis, Missouri, seliggesprochen wird. Die Feier mit heiliger Messe wird um 14 Uhr Ortszeit stattfinden und von Kardinal Luis Antonio Tagle, dem Pro-Präfekten des Dikasteriums für die Evangelisierung, als Vertreter des Papstes geleitet. Das Stadion wurde gewählt, um der erwarteten großen Zahl an Pilgern gerecht werden zu können. Es liegt in unmittelbarer Nähe zur Heimatdiözese Peoria. Nachfolgend ein Lebensabriss des Erzbischofs von Anian Christoph Wimmer, dem Chefredakteur der deutschen Ausgabe von CNA. weiter...
Weg zum Seelenfrieden durch die verwandelnde Kraft Gottes
Die Betrachtung des Todes bricht den Bann
Von Fulton J. Sheen
Am 24. September 2026 wird Erzbischof Fulton J. Sheen (1895-1979) seliggesprochen. 1949 veröffentlichte er das Buch „Peace of Soul“ (Seelenfrieden). Zu dieser Zeit lehrte er noch als Professor für Philosophie an der Katholischen Universität von Amerika in Washington D.C. (seit 1926), bis er 1951 zum Weihbischof im Erzbistum New York ernannt wurde. Innerhalb dieser zwei Jahre erlebte das Buch eine Auflage von 218.000 Exemplaren. Nach dem Zweiten Weltkrieg lautete die Kernbotschaft dieses Buches: „Ohne Seelenfrieden kein Weltfrieden!“ Jeder Krieg sei nur eine Projektion der Kämpfe, die in der Seele des modernen Menschen tobten. Und Fulton J. Sheen versuchte aufzuzeigen, wie der von Frustrationen, Komplexen und Ängsten geplagte Mensch seinen Seelenfrieden durch die verwandelnde Kraft Gottes wiederfinden kann. Im elften Kapitel behandelt er das Thema „Todesfurcht“. Der nachfolgende Auszug ist der deutschen Ausgabe „Seelenfrieden“ entnommen, die 2024 erschienen ist. Die Übersetzung stammt von Franz Schmal.[1] weiter...
Maximilian Kolbe – ein Märtyrer von Auschwitz
Vermächtnis der Liebe
Von Piotr Solbach
Als Franziskaner, engagierter Missionar, Publizist und schließlich Märtyrer von Auschwitz wurde Maximilian Maria Kolbe zu einem unvergänglichen Symbol für die Überlegenheit der Liebe über Hass und Tod. Sein opferbereites Sterben ist ein strahlendes Beispiel menschlicher Barmherzigkeit inmitten tiefster Finsternis, eine beständige Mahnung und ein inspirierender Auftrag. weiter...
Eine Würdigung aus persönlicher Sicht
Nachruf auf Hans Maier (1931-2026)
Von Jakob Knab
Am 8. Juni 2026 ist Professor Dr. Hans Maier im Alter von 94 Jahren verstorben. Mit seiner Frau Adelheid, geb. Dilly, mit der er seit 1962 verheiratet war, hatte er sechs Töchter. Kurz vor ihm, am 9. März 2026, war seine Ehefrau im 88. Lebensjahr heimgegangen. Dass Prof. Maier als Politikwissenschaftler sieben Ehrendoktortitel besaß, wirft ein erhellendes Licht auf sein einflussreiches Wirken. Unter anderem war er von 1970 bis 1986 bayerischer Kultusminister, von 1976 bis 1988 Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken und von 1988 bis 1999 Inhaber des Romano-Guardini-Lehrstuhls für Christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Sein Verhältnis zu Joseph Kardinal Ratzinger war nicht immer spannungsfrei, da er für einen wertgebundenen Liberalismus eintrat, welcher der kirchlichen Lehre auch widersprechen konnte. Nachfolgend eine persönliche Würdigung von Studiendirektor Jakob Knab „in piam memoriam Hans Maier (1931-2026)“. weiter...
Wie der Krieg Menschen in der Ukraine zum Glauben führt
„Wo ist Gott?“
Von Tobias Lehner
Wer heute mit Vertretern der Kirche in der Ukraine spricht, hört zunächst Vieles, was in Kriegszeiten zu erwarten ist: Berichte über Tod und Trauer, über Familien, die getrennt leben, über Kinder, deren Alltag von Luftalarm und Sirenen geprägt ist. Wie sich die Lage weiterentwickelt, weiß niemand. Doch selbst wenn die Waffen eines Tages schweigen sollten, bleiben die inneren und äußeren Wunden nach über vier Jahren Krieg. Aber hinter allem Leid gibt es auch noch eine bewegende geistliche Dimension, die in die Tiefe christlicher Glaubenserfahrung führt. weiter...
Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 8/9 August/September 2025
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[1] Fulton J. Sheen: Seelenfrieden, Übersetzung von Franz Schmal, Media Maria Verlag, Illertissen 2024, 281-285.